Sandra Kathe

Journalistin, Übersetzerin, Frankfurt/Main

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Der Yachtklub ist zurück

Alle wollen sie im neuen, alten Yachtklub tanzen: Schon um 23 Uhr war das Boot so voll, dass die Türen schließen mussten. Foto: Michael Faust

Der legendäre Yachtklub hat wieder auf. Am Eröffnungswochenende zog er zahlreiche Besucher an. Die meisten von ihnen sind Stammgäste, die sich freuen, dass Clubmacher Hans Romanov ihnen ihr Wohnzimmer endlich wieder zurückgegeben hat.

Sachsenhausen. „Ist das schön wieder hier zu sein“, seufzt eine Besucherin erleichtert, als sie sich auf die Sofaecke auf der vorderen Terrasse des Yachtklubs fallen lässt. Allein ist sie mit diesem Gefühl an diesem Abend nicht. Vor dem Partyboot bildet sich bereits pünktlich zur Neueröffnung um 21 Uhr eine lange Schlange. Selbst die Enten unter der Alten Brücken quaken aufgeregt, als wüssten sie, dass hier und jetzt etwas Besonderes passiert.

Blumen und Geschenke

Es ist nicht selbstverständlich, dass der Gründer und Betreiber des Yachtklubs Hans Romanov an seine alten Wirkungsstätten zurückkehrt, ist er doch eigentlich kein Freund von Aufgewärmtem: „Wenn bei mir in den letzten Jahrzehnten ein Kapitel abgeschlossen war, dann war das eben so“, sagt der 58-Jährige, der selten lange gebraucht hat, bis nach dem Ende einer Sache die nächste gute Idee in die Tat umgesetzt war. So hat er etwa in der Zwischenzeit den „Berliner Flughafen Club“ im Zouzou erfolgreich ins Leben gerufen.

Vor vier Jahren hatte Romanov, seit 2008 Pächter des Kahns, seinen Yachtklub räumen müssen: „Der Besitzer wollte das Boot verkaufen, ich hatte das Geld dazu nicht, also musste ich gehen.“ Es folgte die Eröffnung des Nachfolger-Clubs „D3 am Main“ und sein schnelles Ende. Dann, vor einigen Monaten, erhielt Romanov einen Anruf von „Robert Johnson“-Chef Klaus Unkelbach: „Hans, darf ich dir den Yachtklub zurückkaufen?“. Romanov war erst verdattert, dachte dann an sein Grundprinzip, nie zurückzuschauen, und entschied sich am Ende doch dafür. Mit Lukas Bender, Antonia Berend und Silvio Cappucci, holte er sich dafür im wahrsten Sinne des Wortes drei weitere Partner mit ins Boot.

Und der Erfolg des ersten Wochenendes gibt ihm schon einmal Recht für seine Entscheidung. Etliche Stammgäste sind an diesem Abend auf dem Main, tummeln sich bei vergleichsweise milden Temperaturen auf den trockenen Terrassen, drücken Hans Romanov Blumen und Geschenke in die Hand. Eine Umarmung hier – ein Händedruck da. „Und das Verrückte ist, ich kenne noch so gut wie alle Namen“, lacht Romanov, der von den Szenen ganz gerührt ist.

Ulrike Netter, die Frau, die beim Betreten des Boots so laut ihre Freude über die Rückkehr äußerte, ist eine der früheren Stammgäste. „Den ganzen Weg hierher hatte ich ein Gefühl im Bauch, als würde ich mich zum Date mit meinem Traummann treffen“, erzählt die 46-Jährige, die sich noch immer wie zu Hause fühlt und in der Sofaecke gleich etliche Bekannte getroffen hat. Auch Denise (27) und Anette (48) sind froh, wieder hier zu sein. Sie haben sich mit ihren Freunden einen Platz vor dem Mischpult gesucht und freuen sich auf den Einsatz des DJ-Duos Chris Wood und Meat vom Plattenladen „Freebase Records“ um die Ecke. „Man hat das Gefühl, als hätte sich nichts geändert“, sagt Anette, während sie ihren Blick durch den rot beleuchteten Raum schweifen lässt, wo Boote an den Decken hängen und Fenster die Aussicht auf Main und Skyline freigeben. „Mir gefällt am besten, dass hier Menschen aller Altersklassen zusammen feiern können“, sagt sie. „Sonst ist die Frankfurter Clubszene doch eher für jüngere Semester. Der Yachtklub hat da sehr gefehlt.“

Neugierde überwiegt

Anderthalb Stunden nach Eröffnung haben Türsteher das Eingangstor, das über einen Steg in den Club führt, geschlossen. Die Kapazität von 250 Menschen ist erreicht, es müssen erst wieder Gäste gehen, bevor neue hinein dürfen – da ist der Türsteher streng. Kürzer wird die Schlange am Ufer dennoch nicht, denn die Neugierde auf den neuen, alten Yachtklub überwiegt. Hans Romanov betrachtet das Treiben draußen kopfschüttelnd. Mit so einem Erfolg hätte selbst ein alter Hase wie er nicht gerechnet.

Nach gelungener Eröffnung geht es für ihn nun mit Planung und Umbau weiter. „Wir wollen auf der hinteren Terrasse noch eine Möglichkeit schaffen, dass die Gäste die Füße in den Main hängen und auch Wassersportler bei uns anlegen können“, erklärt Romanov, der damit die Stadtpolitik provozieren will. Immerhin wird seit Jahren immer wieder über ein Badeschiff für Frankfurt diskutiert, wie es sie bis 1950 gab. Umgesetzt werden konnte aber noch keine der Ideen.

Zum Ausklang des Partywochenendes gab es dann gestern Nachmittag erstmals Kaffee und Kuchen im Yachtklub. Und somit kann jetzt eine neue Ära beginnen.

 

Geöffnet ist der Yachtclub bei schönem Wetter unter der Woche von 11 bis 24 Uhr, am Wochenende von 11 bis 3.45 Uhr. Bis 22 Uhr ist der Eintritt frei, spätere Besucher zahlen 5 Euro.

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