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Wieden: Ehrbar Saal lädt zu 1. Wiener Neujahrskonzert der Komponistinnen

Am 1. Jänner lädt der Ehrbar Saal zum 1. Wiener Neujahrskonzert der Komponistinnen. Damit will man Frauen, die in der Geschichte unsichtbar gemacht wurden, wieder vor den Vorhang holen. 

WIEN/WIEDEN. 2025 wäre Johann Strauß 200 Jahre alt geworden. Wie schon beim Beethoven-Jahr 2019 nutzt die Stadt Wien diese Gelegenheit, um zu zahlreichen Veranstaltungen und Konzerte zu Ehren des Komponisten einzuladen. Doch während die großen Komponisten der österreichischen Geschichte allesamt ihre Zeit im Rampenschein zugeteilt bekommen, trifft das nicht auf ihre weiblichen Kolleginnen zu. "Wir sehen Frauen, die zur Zeit von Strauß völlig im Musikleben integriert, hochgeschätzt und auch als Karrierefrauen erfolgreich waren. Manche erhielten auch Aufträge von Kaiser Franz Josef und Kaiserin Elisabeth", sagt Musikwissenschaftlerin und -journalistin Irene Suchy. "Deswegen frage ich mich, warum diese unter den Tisch gekehrt und genau Johann Strauß aus diesem Produktionsfeld, das von Männern und Frauen gefüllt war, herauszieht."

Um sie ein Stück weit wieder sichtbar zu machen, lädt C. Bechstein und der Ehrbar Saal, unter der künstlerischen Leitung von Cathrin Chytil, zum 1. Neujahrskonzert der Komponistinnen. Suchy übernimmt die Moderation. Zur Aufführung gelangen Werke von Constanze Geiger, Leopoldine Blahetka, Gisela Frankl, Teresa Carreño, Josephine Weinlich-Amann, Clara Schumann und Camilla Frydan - allesamt Frauen, die im Wien des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts musiziert haben.

"Weinlich-Amann sticht für mich hervor, da sie ein europäisches Frauenorchester gegründet und geleitet hat. Mit diesem Ensemble hat sie gemeinsam mit Männern bei der Wiener Weltausstellung 1873 gespielt und große Tourneen absolviert", ergänzt die Cellistin Ursula Erhart-Schwertmann. Sie machte aber auch mit Titeln wie "Frauen-Emanzipations-Marsch" oder "Die Frivole" auf sich aufmerksam. "Das zeigt, dass schon damals der Wunsch nach Gleichstellung und alle dem, was wir oft glauben, erfunden zu haben, historisch da war", zeigt sich die Cellistin überzeugt.

Auch neue Tanzweisen von den zeitgenössischen Komponistinnen Johanna Doderer, Melissa Coleman oder Ursula Erhart-Schwertmann werden zu hören sein. Anaïs Tamisier und Marianna Oczkowska spielen Violine, Ursula Erhart-Schwertmann musiziert am Violoncello, Goran Kostić am Kontrabass sowie Jan Sattler - der einzige Mann in der Runde - am Klavier. Denn, wie alle involvierten Frauen zu berichten wissen, werden Musikerinnen noch heute mit anderen Maßstäben gemessen. Dementsprechend finde man auch kaum "Rezensionen, Schriften über ihre Kompositionen, Besprechungen ihrer CDs oder Konzerte. Keine Interviews, keine Zitate", liest man auch im Programmbuch des Ehrbarsaals. "Wir wollen ein Zeichen setzten, dass es eigentlich selbstverständlich werden sollte, dass Komponistinnen bei solchen Konzerten gespielt werden und Dirigentinnen auf der Bühne stehen", so Chytil abschließend.

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