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Der „Eisbär" bricht die Seen frei

Brandenburg/H. Über die eisigen Temperaturen der vergangenen Wochen freuten sich viele: Endlich wieder einen Schneemann bauen, sich richtig warm einpacken, endlich mal wieder ein richtiges Wintergefühl. Und das, obwohl der 1. März als meteorologischer Frühlingsanfang gilt.

Für andere bedeuteten die Temperaturen aber auch mehr Arbeit: Zum Beispiel für Ralf Berger und Reno Schröder vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA). Denn während die Flüsse durch ihre stetige Bewegung kaum frieren, bildet sich auf ruhigeren Gewässern wie Seen schnell eine Eisschicht.

Wenn das passiert, steigen die beiden Schiffsführer der Binnenschifffahrt für das WSA in den Eisbrecher mit dem Namen „Eisbär" und bahnen sich ihren Weg durch die Brandenburger Gewässer. Denn auch bei kälteren Temperaturen gibt es Passagier- und Frachtschiffe, die die Wasserwege passieren möchten.

Riesige Eisschollen auf dem Plauer See

So auch an diesem Freitag. Morgens um sieben legen Ralf Berger und Reno Schröder mit dem „Eisbären" ab. Es gibt Kaffee, kein gefrorenes Eis ist in Sicht. Nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt gelangt der Eisbrecher an den Plauer See. Und dort, inmitten der Wasserstraße, schwimmt eine riesige Eisscholle. Denn obwohl die Temperaturen in den vergangenen Tagen wieder milder waren, friert die Eisdecke nachts teilweise noch zu. Auch Eisschollen, die bisher am Ufer schwammen, können sich bei wärmeren Temperaturen lösen und auf die Mitte des Sees hinaustreiben.

Auf der Eisscholle auf dem Plauer See zeichnet sich eine Spur ab: Hier muss sich ein Passagierschiff durch die dicke Eisschicht gepresst haben. „Das muss eine ziemliche Qual gewesen sein", sagt Ralf Berger. „Für die nächsten Boote wollen wir mal die Fläche frei machen."

Er beschleunigt und kurze Zeit später bahnt sich der Eisbrecher krachend und kratzend seinen Weg durch das Eis. Dabei hebt er sich mit Kraft auf die Scholle und bringt diese durch sein Gewicht zum Zerbersten. Der „Eisbär" schafft zwar nur eine Geschwindigkeit von 16 Stundenkilometern, je nach Dicke der Eisscholle bewegt er sich dann mit Schrittgeschwindigkeit vorwärts. Schließlich bleiben nur kleine Brocken zurück, die sich langsam im Wasser auflösen.

„Am meisten Spaß macht es, wenn es eine Schifffahrtssperre gibt und einige Zeit gar nicht gefahren werden darf. Wenn es dann anfängt zu tauen, wir rausfahren und die komplette Eisschicht aufbrechen, ist das ein tolles Gefühl", erzählt Reno Schröder. Er fährt den Eisbrecher erst seit anderthalb Jahren. Aber schon viele Jahre vorher, während seiner Ausbildung, hatte er gehofft, irgendwann beruflich Eisbrecher zu fahren.

An diesem Freitag sind es sieben Grad, die Eisschollen sind trotzdem noch bis zu zehn Zentimeter dick. Und auch für die Tonnen, die die Wasserwege eingrenzen, können Eisschollen gefährlich werden: Diese können das Schifffahrtszeichen mit sich reißen und so die Wegeleitung auf dem Wasser durcheinanderbringen. So, als würde man eine Ampel abreißen und anderswo wieder aufstellen.

Schiffsführer müssen Tonnen wieder geraderücken

Zwar bleiben die ursprünglichen Wege für das geschulte Auge erkennbar. Doch früher oder später müssen die Bojen an ihre entsprechenden Punkte zurückgebracht werden. Auch an ihrem Dienst am Freitag entdecken die beiden Schiffsführer eine solche Tonne: Sie hängt eingeengt zwischen ein paar Schollen schief im Wasser.

Erst werden die Eisschollen rundherum kleingefahren, so dass die Tonne sich lösen kann. Und während Reno Schröder danach das Boot an die Tonne heranlenkt, befestigt Ralf Berger diese am Eisbrecher. Bei der Arbeit auf dem Boot ist Teamwork angesagt. Nur kurze Zeit später plätschert die Tonne wieder an der richtigen Stelle im Wasser.

Eine der letzten Touren in diesem Winter

Die Tour an diesem Freitag wird eine der letzten in diesem Jahr sein. Der Eisbrecher „Eisbär" fährt wahrscheinlich noch am Wochenende Eisschollen klein. Danach wird es voraussichtlich warm genug bleiben, so dass kein Einsatz mehr nötig sein wird.

Auf Ralf Berger und Reno Schröder warten dann verschiedene andere Aufgaben:„Wir sind wie die Feuerwehr auf dem Wasser." Auf die nächsten Fahrten im Eisbrecher im nächsten Jahr freuen sich die beiden aber ganz bestimmt.

Von Sally-Charell Delin

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