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Schafe sorgen für Biotopvernetzung

 

Im Hirschacker will der Nabu auf eigenem Gelände ein Freiland-Heimatmuseum schaffen

 

Das knapp 100 Hektar große Gewann Hirschacker gehört zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet Hirschacker-Dossenwald, das zwischen Schwetzingen und Mannheim liegt. Seit 15 Jahren engagiert sich der Naturschutzbund (Nabu) hier schon. Jetzt bekommt er im Rahmen des Bundesprogramms Nationales Naturerbe die ehemalige militärische Liegenschaft überschrieben.

 

Geplant ist, ab Herbst schrittweise einen Großteil der dicht in Reih‘ und Glied gepflanzten Kiefern zu fällen. Ziel ist, den Wald aufzulichten um Platz für weitere wertvolle Sandrasen- und Heideflächen zu schaffen. Daneben sollen Eichen freigestellt und die Eichenverjüngung gefördert werden. Ein Stück des Waldes wird als Bannwald sich selbst überlassen. So könnte ein Mosaik aus verschiedenen Lebensräume entstehen.

 

Vierbeinige Landschaftspfleger sollen künftig dafür sorgen, dass die offenen Flächen  nicht wieder zuwachsen. Baumann, der selbst aus einer Schäferfamilie stammt und über die Entstehungsgeschichte der Wacholderheiden in der schwäbischen Alb durch die Schäferei promoviert hat, will das Gebiet einzäunen und von Schafen, Ziegen und Eseln beweiden lassen.

 

In einer Art Freilichtmuseum will der Nabu an die Wanderschafhaltung erinnern, die über Jahrhunderte viele Landstriche in Mitteleuropa geprägt habe. „Das ist ein Stück Kulturgeschichte“, sagt Baumann. Aus dem Mittelmeerraum und der Alpenregion hätten die Schafe Pflanzensamen in ihrem Fell mitgebracht und so für die Verbreitung gesorgt. Heute könnten sie dazu beitragen, die im Rückgang begriffenen Sandbiotope der Schwetzinger Hardt zu vernetzen.

 

Das Vorhaben ist Bestandteil des Projekts „Lebensader Oberrhein - Naturvielfalt von nass bis trocken“, das im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert wird. Dass sein Interesse an der Schäferei auch einen kulinarischen Hintergrund hat, verschweigt Baumann indes nicht: „Es gibt nichts Besseres als Dünenlamm, das sich mit Sandthymian ernährt hat.“

Ein Schäfer wird allerdings noch gesucht. Trotz Zaun soll das Gebiet zugänglich bleiben. Geplant ist eine Besucherführung mit Schautafeln, Holzhandläufen und gewundenen Wegen.

 

Sabine Hebbelmann