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Neckargemünd: Eben im Rollstuhl, jetzt im Schwimmbecken

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In Heidelberg fanden gleichzeitig die Entscheide von "Jugend trainiert für Olympia" und "Jugend trainiert für Paralympics" statt.



Von Sabine Hebbelmann

Heidelberg. Die junge Schwimmerin hält sich am Beckenrand fest und wartet auf den Startschuss zur nächsten Runde 25 Meter Freistil. Sie ist Teilnehmerin des Landeswettbewerbs "Jugend trainiert für Paralympics" und saß eben noch im Rollstuhl. Jetzt gleitet sie flink und wendig durchs Wasser. Drei Schulen, die Winterhaldenschule Sindelfingen, die Astrid-Lindgren-Schule Neckarsulm und die Stephen-Hawking-Schule Neckargemünd beteiligen sich an dem Schwimmwettkampf für Schüler mit Behinderung im Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in Heidelberg.

Gleichzeitig findet der Kreisentscheid im Schwimmen von "Jugend trainiert für Olympia" mit Schulmannschaften aus dem ganzen Rhein-Neckar-Kreis statt. Abwechselnd gehen Behinderte und Nichtbehinderte an den Start. "Wir wollen, dass sie sich gegenseitig mitbekommen und das Miteinander selbstverständlicher wird", erläutert Wübke Sanders, Sportlehrerin an der Stephen-Hawking-Schule der SRH in Neckargemünd.

Ihr geht es auch darum, Berührungsängste zu lösen. Letztes Jahr hat der Wettkampf in dieser Form zum ersten Mal stattgefunden und es habe viele positive Rückmeldungen gegeben, sagt Sanders, die im Auftrag des Kultusministeriums den Paralympics-Schwimmwettbewerb organisiert. Von ihrer Schule treten zwei Teams an. Vielen merkt man ihre Behinderung nicht an, und sie sind nicht minder ehrgeizig als die nichtbehinderten Schüler. Wie bei "Jugend trainiert für Olympia" sind die Teilnehmer Jahrgang 1996 und jünger und treten in zwei Altersstufen an.

Dazu werden sie in Behinderungsklassen eingeteilt, "zum Beispiel guter Antrieb in den Armen, kein Antrieb in den Beinen", erklärt Sanders. Sie ist mindestens genauso aufgeregt wie ihre Schützlinge und feuert sie nach Kräften an. Der Wettkampf ist spannend - am Ende setzt sich die SRH knapp vor der Winterhaldenschule durch. Die glückliche Siegermannschaft fährt im September zum Bundesfinale von "Jugend trainiert für Paralympics" nach Berlin, zusammen mit der Rollstuhlbasketball- und der Tischtennismannschaft der Stephen-Hawking-Schule, die sich ebenfalls qualifiziert haben.

Doch bei diesem Wettkampf geht es nicht nur ums Gewinnen. "Durch das gemeinsame Sporttreiben von Behinderten und Nichtbehinderten wünschen wir uns einen Schub für die Inklusion", sagt Sanders. Sportlehrern fehle die Erfahrung, wie sie behinderte Kinder in den Unterricht einbeziehen können. Ihnen sollte eine umfassende Fortbildung angeboten werden, fordert Sanders. Sie empfiehlt den Behindertensportverband; dort gebe es versierte Lehrer. Auch die Sportvereine sollten sich mehr für behinderte Kinder und Jugendliche öffnen.

An der SRH sind sämtliche Schulabschlüsse möglich, einschließlich des Sportabiturs. Doch das werde nun durch einen Erlass des Regierungspräsidiums infrage gestellt, bedauert Sanders. Die sportbegeisterten Schüler der SRH bekämen keinen Nachteilsausgleich mehr, sodass sie ihr Fach Sport im Abitur nicht mehr wählen könnten.

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