Ruth Schalk

Journalistin TV, Print, online, Hamburg

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Frühstücksgewohnheiten: Morgens bitte wild und international

Klassiker marmeladenbrot 76

I m kleinen Schwarzen vor der Scheibe eines Nobeljuweliers kleben und frühstücken, davon träumte Holly Golightly alias Audrey Hepurn in „Frühstück bei Tiffany". Das war Anfang der sechziger Jahre in New York. Heute kann man auch in Deutschland hochkarätig frühstücken und vielfältig. Zum Beispiel im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten. Im Frühstücksraum hängen Gardinen mit aufgestickten Federn, an denen vorbei man einen guten Blick auf die Alster genießt. Die Butter wird in kleinen Glastöpfchen serviert. Plastik gibt es nicht, auch nicht für die Marmelade. Hier kann man ein Loué-Ei aus Frankreich essen. Das ist etwas ganz Besonderes, quasi ein Brillant unter den Eiern. Doch dazu später.

Denn nicht immer war unser Frühstück so inspiriert von anderen Kulturen. Nach dem Krieg war es erst mal noch klassisch deutsch, mit regional verteilten Identitäten: In Berlin gab's „Schrippen", in Hamburg „Rundstücke", in Bayern „Semmeln" und überall Brötchen. Auf Reisen buchte man das typisch deutsche Continental Breakfast: Brötchen, Butter, Marmelade und Kaffee.

Gastarbeiterfrühstücksbräuche

Dann brachten uns Engländer und Amerikaner 1945 ihr Toastbrot mit, welches schnell Einfluss auf das Frühstück gewann: „Helles Brot erlebte seinen Aufschwung mit dem Wirtschaftswunder. In Deutschland wurde die Marke ,Golden Toast' geschaffen", erzählt Isabel Greschat, Direktorin des Museums der Brotkultur in Ulm. Eine echte Novität, denn weißes Brot galt als fein und war früher dem Adel vorbehalten, Bauern mussten sich mit Mischbroten aus Roggen, Weizen oder Hafer begnügen. Anfang der Sechziger erwarb dann die Firma Kellogg die Reis- und Handels AG in Bremen und startete mit der Eroberung des deutschen Marktes. Die Amerikaner veredeln Haferflocken und Müslis bis heute mit immer neuen Kreationen.

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Zunehmender Wohlstand machte die Deutschen schließlich mobil. Gastarbeiter wurden nach Deutschland geholt und damit weitere Kulturen im Land verankert. Wegen des höheren Anteils von Migranten in der deutschen Bevölkerung sind wir zum Völkerstreuselkuchen geworden - wo entwickelt sich unser Frühstück hin?

© AP Unsere mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Mitbürger aus der Türkei und Griechenland gehen es morgens schon deftig an.

Bei den Italienern spielt das Frühstück bis heute eine untergeordnete Rolle - Hauptsache, der Espresso ist gut, und ansonsten begnügt man sich meist mit süßem Gebäck oder Brot mit süßem Aufstrich. Ganz anders bei den Griechen und Türken, sie verzehren schon morgens Käse, meist in Form von eingelegtem Weißkäse, Feta bei den Griechen und Beyaz Peynir bei den Türken. Dazu essen die Türken traditionell Oliven, Tomaten, Gurken und andere rohe Gemüse.

Champagner, Austern, Langusten, Baguette, Patés

In den Folgejahren kamen spanische Gastarbeiter nach Deutschland und brachten süße, fette Churros mit, in Fett gebackene, längliche Krapfen, die sie in heiße Schokolade tunkten oder in den „Barraquito", eine Mischung aus Kondensmilch mit Espresso und zuweilen einem Schuss Likör. Südspanier bevorzugen frischen Orangensaft und Andalusier servieren dazu einfaches „Pan con aceite", getoastetes Weißbrot mit Olivenöl und Salz. Portugiesischer Galão, ziemlich starker Milchkaffee, und Natas, kleine Küchlein aus Blätterteig mit leckerer Creme-Füllung, die einst von Mönchen erfunden wurden, haben sich in Deutschland längst etabliert. Und heute, wo wir quasi die ganze Welt zu Gast in Deutschland haben, „können wir wählen zwischen den Esskulturen fast aller Staaten," erläutert der Historiker Uwe Spiekermann von der Georg-August-Universität Göttingen.

© Reuters Der Spanier brachte die Churros auf den deutschen Tisch.

In den siebziger Jahren wanderten aber auch Tiefkühlkost und Fertiggerichte mit Geschmacksverstärkern wie Natriumglutamat in deutsche Küchen. Und McDonald's eröffnete 1971 in München seinen ersten europäischen Fast-food-Laden. Außerdem ging der Trend hin zur Selbstbedienung in Supermärkten. Die Waren konnten angefasst werden, das Auge aß nun mit. Durch aufwendige Verpackungen sahen sie immer attraktiver aus. Eine daraus resultierende Konsequenz war die zunehmende Relevanz von Markenidentitäten wie etwa der Kaffeemarke „Jacobs Krönung", die nicht nur leckeren Kaffee versprach, sondern dazu noch ein Wohlfühlgefühl zum Frühstück.

Doch wer kann das in der Woche schon genießen? Der Italiener nimmt höchstens einen Latte macchiato, und der Franzose bevorzugt den Café au lait auf dem Weg ins Büro. Die französischen Croissants werden in Frankreich meist erst zum petit déjeuner gereicht, dem kleinen späten Frühstück oder Lunch-Ersatz. An Wochenenden oder Feiertagen starten die Franzosen auch mal nobler in den Tag, mit Champagner, Austern, Langusten, Baguette, Patés und einem üppigen Käse-Sortiment.

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