Raven Louisa Rascher

Redakteurin, Hamburger Abendblatt, Hamburg

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Artikel

Grausiger Fund in der Feldmark – Familienvater hingerichtet

Ein mysteriöses Gewaltverbrechen erschüttert Havighorst: Auf einem abgeschiedenen Feldweg, nur 200 Meter von der Hamburger Landesgrenze entfernt, fand eine Spaziergängerin gestern Morgen die Leiche eines jungen Mannes. Nach Informationen unserer Zeitung ist der Mann möglicherweise durch einen Schuss in den Kopf getötet worden. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür gestern jedoch nicht.


"Aufgrund der Verletzungen gehen wir davon aus, dass der Mann eines nicht-natürlichen Todes gestorben ist", sagte Polizeisprecherin Carola Aßmann lediglich. Angaben zur Art der Verletzungen machte auch Günter Möller, Sprecher der Staatsanwaltschaft, nicht. Die Identität des Mannes sei zwar bekannt, aber aus ermittlungstaktischen Gründen könne die Staatsanwaltschaft auch hierzu keine Angaben machen. Erst heute sollen weitere Details veröffentlicht werden.


Als die Spaziergängerin gegen 7.30 Uhr auf den Toten stieß, lag noch Nebel über dem von Bäumen gesäumten Weg zwischen der Ziegeleistraße und dem Havighorster Weg. Der mit einer hellen Hose und einer Daunenjacke bekleidete junge Mann lag auf dem Rücken am Rand des Weges. Die Spaziergängerin informierte per Notruf die Leitstelle der Hamburger Polizei über ihren grausigen Fund, die das Areal weiträumig absperren ließ und die zuständigen Kollegen in Lübeck alarmierte.


Beamte der Mordkommission und Experten der Spurensicherung rückten an. Mehrere Stunden lang untersuchten sie den Fundort. Auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz, kreiste über dem Gebiet. Erst am Nachmittag wurde die Leiche in das Institut für Rechtsmedizin nach Lübeck gebracht. Dort sollte noch am Abend eine Eilsektion durchgeführt werden.


Wie lange der Tote schon in der Feldmark gelegen hatte, als die Spaziergängerin ihn gestern Morgen fand, ist unbekannt. Auch zur Frage, ob der Fundort auch der Tatort sei, machte die Polizei gestern keine Angaben. Der Weg ist als Verbindung zwischen Oststeinbek und Lohbrügge beliebt, wird häufig von Spaziergängern und Radfahrern genutzt und ist auch mit dem Pkw zugänglich.


"Ich gehe hier jeden Morgen spazieren, weil es so schön ruhig ist. Jetzt traut man sich kaum mehr vor Tür", sagte gestern eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Auch in der benachbarten Kleingartenkolonie herrscht Bestürzung. Von dem grausigen Verbrechen habe dort niemand etwas mitbekommen, sagte eine Kleingärtnerin.


Verzweifelt schreit eine junge Frau aus dem Fenster eines Mehrfamilienhauses - ihre Augen sind rot unterlaufen von den Tränen. Vor wenigen Stunden erst hat sie erfahren, dass ihr Mann Masood A. umgebracht wurde. Es ist der Mann, dessen Leiche Mittwochmorgen auf einem Feldweg bei Havighorst gefunden wurde. Der 29-jährige gebürtige Afghane hinterlässt neben seiner Frau zwei kleine Kinder.


Jetzt hat die Mordkommission zu dem schrecklichen Fall neue Erkenntnisse: Masood A. arbeitete im Hotel "Marienthal Garni" in Wandsbek. Er hatte am Dienstag gegen Mitternacht Feierabend und sei danach nicht zu Hause angekommen. Am Morgen fand eine Frau beim Spazierengehen seine Leiche in der Feldmark. Masood A. wurde durch mehrere Pistolenschüsse getötet, ergab die Obduktion. Zudem fanden die Ermittler noch am Mittwoch am Reinbeker Redder in Lohbrügge, unweit des Feldwegs, einen dunklen BMW mit starken Brandspuren im Innenraum - offenbar war versucht worden, den Wagen in Brand zu setzen. Der BMW gehörte dem 29-Jährigen. Das Auto wird derzeit von Hamburger Kriminaltechnikern auf Spuren untersucht. Hinweise auf ein Mordmotiv haben die Ermittler bislang noch nicht. Masood A. sei polizeilich nie in Erscheinung getreten.


Auch die Hinterbliebenen sind ratlos. Sie können sich nicht vorstellen, wer den 29-jährigen Familienvater kaltblütig erschossen haben könnte. "Es wirkt wie eine Hinrichtung", sagt Morti G., der Cousin der Ehefrau des Opfers, tonlos. Seit der schrecklichen Nachricht stehen Vater, Bruder, Onkel und die Cousins vor dem Mehrfamilienhaus in der beschaulichen Wohngegend in Bramfeld, wo Masood A. vier Jahre mit seiner Familie lebte. Sie alle schluchzen immer wieder, der Vater des Getöteten bringt kein Wort hervor.

"Er war ein Familienmensch, hat immer viel gearbeitet und war für seine Kinder da", sagt Morti G. "Masood hatte keine Schulden, oder Probleme mit anderen Menschen - wir wissen nicht, wer ihm und uns das antun konnte." Masood A. hatte zwei Töchter, eine ist fünf Jahre alt, die andere hat nächste Woche neunten Geburtstag. Sie ahnten gestern Nachmittag nur, dass ihrem Vater etwas Schlimmes widerfahren war.

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