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LeBron James und sein Business-Imperium: König reich

Im Basketball hat LeBron James alles gewonnen. Er ist vierfacher MVP, 16-facher Allstar, hat vier NBA-Titel und zweimal Olympiagold geholt, dazu etliche Rekorde gebrochen. Nun erreicht James eine Bestmarke, die selbst für seine Verhältnisse gewaltig ist: Als erster Basketballer wird der 36-Jährige im Laufe seiner aktiven Karriere mehr als eine Milliarde US-Dollar verdient haben.

So schreibt es das Wirtschaftsmagazin "Forbes", das vor einer Woche sein jährliches NBA-Verdienstranking veröffentlichte. Darin thront James zum siebten Mal in Folge an der Spitze, dank eines voraussichtlichen Einkommens von 95,4 Millionen Dollar, das ihn zum Mitglied einer elitären Runde macht. Nur Tiger Woods (Golf), Floyd Mayweather (Boxen), Cristiano Ronaldo und Lionel Messi (jeweils Fußball) knackten bislang die Milliardenmarke als aktive Sportler.

Knapp ein Drittel seines Jahressalärs, 31,4 Millionen Dollar, bezieht "King James" aus seinem Spielervertrag. Der Rest stammt aus Werbedeals, Investments oder anderweitigen Zweigen: etwa aus seiner Beteiligung beim FC Liverpool, seiner Hauptrolle im Remake des Basketballfilms "Space Jam" oder aus seinem mit mehr als einer Milliarde Dollar dotierten Vertrag auf Lebenszeit bei Nike.

Und das ist nur die Oberfläche eines Business-Imperiums, das nicht nur auf Wohlstand abzielt, sondern auch auf gesellschaftlichen Einfluss. Kreiert wurde es von einer Gruppe von Schulfreunden, die erst belächelt wurden, dann kritisiert, schließlich respektiert - und mittlerweile glorifiziert.

LeBron und seine vier Reiter

"Der Ausgangspunkt von allem war LeBron", sagte Maverick Carter 2018 laut der Website "The Undefeated". "Er musste der beste Spieler werden, der er sein konnte. Das ist bis heute das Wichtigste." Carter kennt James seit der Highschool. Mittlerweile ist er seit 17 Jahren dessen Business-Partner und Teil seines innersten Kreises, der aus vier Schwarzen Männern aus Akron, Ohio, besteht: James und Carter, sowie Rich Paul, sein Agent, und Randy Mims, sein Stabschef. Zusammen hat sich das Quartett den Beinamen "Four Horsemen" gegeben: die vier Reiter.

Für die Entscheidung, seine unternehmerische Existenz in die Hände von Jugendfreunden zu geben, erntete James jahrelang Kritik. Teils zu Recht, etwa nach der bis heute schlechtesten Business-Entscheidung der Reiter, bekannt als "The Decision". Damals, im Sommer 2010, kündigte James in einer aufwendig produzierten Livesendung seinen Wechsel von Cleveland nach Miami an. Es war Carters Idee gewesen. Die protzige Inszenierung schadete James' Ruf schwer - und auch dem seiner Gefährten.

Sie wurden als klischeehafte Entourage eines jungen, Schwarzen Athleten porträtiert: verbandelt, aber unfähig; als Blutsauger, die vom Erfolg ihres Freundes profitieren. Zehn Jahre später ist unbestritten, wie sehr auch James vom Erfolg seiner Reiter profitiert hat.

Schwarze Menschen

Schwarze Menschen ist (anders als weiße Menschen) eine Selbstbezeichnung. Es geht dabei nicht um eine Eigenschaft, die auf die Hautfarbe zurückzuführen ist, sondern um eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position. Wir übernehmen hier diese politische Selbstbezeichnung und schreiben "Schwarz" deswegen groß.

Das operative Geschäft überlässt James weitgehend seinen Vertrauten. Mims, über den öffentlich kaum etwas bekannt ist, regelt Alltagsbelange für ihn. Paul wiederum hat James zum Basketballer mit den meisten Vertragsmillionen in der NBA-Geschichte gemacht. Und Carter fädelt Geschäfte abseits des Basketballs ein. "Die Idee ist, Unternehmen aufzubauen, anstatt einfach Sponsoring-Gelder zu nehmen", erklärte er gegenüber "The Undefeated".

Ein Beispiel: 2012, als das Unternehmen noch weitgehend unbekannt war, erwarb James auf Anraten Carters Anteile an einer Fast-Dining-Kette namens Blaze Pizza. Rund eine Million Dollar zahlte er für zehn Prozent. Drei Jahre später stieg er bei einem seiner lukrativsten Werbepartner, McDonald's, aus - mehrere Millionen zahlte er dafür - um fortan für Blaze Pizza werben zu können. Inzwischen ist die Anzahl der Filialen genauso gestiegen wie der Umsatz. Vergangenen Monat wechselte James vom langjährigen Sponsor Coca-Cola zu Pepsi, und prompt kursierten belastbare Gerüchte, dass bei Blaze Pizza künftig Pepsi statt Coke ausgeschenkt werden soll.

Der Wert seiner ursprünglichen Beteiligung ist um das etwa 25-fache gewachsen. Zugleich ist James nicht nur das Gesicht, mit dem ein Unternehmen wie McDonald's wirbt und das dafür ein paar Millionen einstreicht. Er übt selbst Einfluss aus.

More than an athlete, mehr als ein Athlet, im Fall von James ist das mehr als ein Slogan. Es ist ein Wert, geschaffen von vier Männern, die unterprivilegiert ins Leben gestartet sind, aber willens waren, sich selbst zu ermächtigen.

Rich Paul etwa hat keinen College-Abschluss, er verkaufte Jerseys aus dem Kofferraum seines Wagens. Heute ist seine Agentur Klutch Sports die wohl einflussreichste im US-Basketball - und eine der umstrittensten: Vergangenes Jahr, als die Los Angeles Lakers Meister wurden, standen inklusive James sechs Spieler, also mehr als ein Drittel des Kaders, bei Paul unter Vertrag. Sie alle wurden von ihm zu den Lakers vermittelt.

Carter wiederum gründete 2020 mit James das Medienunternehmen SpringHill Entertainment, ausgestattet mit 100 Millionen Dollar Wagniskapital, um Projekte von strukturell benachteiligten Kreativen zu fördern.

Und James selbst hat es vom vaterlosen Jungen, der auf der Couch schlief, zum größten Basketballer seiner Generation geschafft - und zur kulturellen Ikone. Seit bald zwei Jahrzehnten tritt er als Stimme der Schwarzen US-Bevölkerung auf. Und er belässt es nicht bei Worten: Mit seiner "I Promise School", einer hochmodernen Ganztageseinrichtung für gefährdete Kinder in seiner Heimatstadt Acron, stieß James unter den Sport-Philantropen in neue Dimensionen.

Engagement mit Grenzen

Ein Moralist ist James deswegen nicht. Siehe 2019: Damals hatte sich Daryl Morey, zu jener Zeit General Manager der Houston Rockets, auf Twitter mit der Unabhängigkeitsbewegung Hongkongs solidarisiert und damit den wichtigen Markt China verprellt. Und James, der sich an anderer Stelle sogar mit dem US-Präsidenten öffentlich angelegt hatte, blieb nicht nur auffällig still. Er distanzierte sich öffentlich.

Den Vorwurf der Scheinheiligkeit muss sich James seither gefallen lassen. Wenngleich die Geschichte in erster Linie einen Mann zeigt, der zwischen geschäftlichen und politischen Interessen abwägt - und der für den Kampf gegen Anti-Schwarzen-Rassismus mehr zu riskieren bereit ist, als für die Unabhängigkeit Hongkongs.

Als Sportler wird James vor allem mit Michael Jordan verglichen. In seiner Melange als Weltstar, Unternehmer und sozialer Akteur erinnert James jedoch mehr an den Rapper Jay-Z, der es von der Musikbühnen dieser Welt in die ganz großen Geschäftsräume und in den politischen Diskurs geschafft hat. Der eine ist mehr als ein Musiker, der andere weit mehr als ein Sportler.

Und beide sind mehr als Milliardäre.

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