Philip Artelt

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Francesco Rosi: Nachruf

Nach 20 Filmen ist der italienische Regisseur Francesco Rosi gestorben. Ein kluger Kopf, der gegen das herrschende System anfilmte und schwierige Themen nicht aussparte. Seine politischen Filme stehen in einer Reihe mit den Nachkriegswerken mutiger italienischer Regisseure wie Elio Petri, Gillo Pontecorvo und Damiano Damiani.

Rosi sparte nichts und niemanden aus: Er wagte sich an schwierig zu erzählende, diffuse Stoffe wie das Leben des Öl-Managers Enrico Mattei, der bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben kam. Er portraitierte den Mafia-Boss Pasquale 'e Nola in La sfida. Er zeigte Italiens korrupte politische Elite, die im Politthriller Cadaveri eccellenti im Hintergrund die Fäden zieht. Rosi spricht in seinen Filmen diese Themen an, über die im Italien der Nachkriegszeit von den politischen Zirkeln bis hinunter zum Gespräch an der Straßenecke lieber geschwiegen wurde und teilweise bis heute geschwiegen wird. Rosi verarbeitet diese diffuse Gefahr, der er selbst als politischer, exponierter Mensch ausgesetzt war, rekursiv in seinen Filmen. Es sind die Mächtigen, mit denen sich Rosi zu einer Zeit angelegt hat, als freie Meinungsäußerung in Europa mit einem Bann belegt war, dessen Bruch den eigenen Tod bedeuten konnte.

Rosis Filme sind deshalb nicht nur von zeitgeschichtlichem Wert. Sie sind gerade jetzt wieder eine wertvolle Erinnerung daran, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist: die Freiheit der Meinung, die Freiheit der Kunst, die Freiheit zu denken und auszusprechen. Rosis Dramaturgie und Bildsprache und die exzellenten Schauspieler machen es uns leicht, seine Filme auch heute noch zu bewundern.

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