Peter Eichhorn

Freier Journalist und Autor / Kulinarik, Reise, Berlin

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Ein Jahr "India Club" in Berlin - Falstaff

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Es wurde höchste Zeit für eine Gaststätte mit der faszinierenden Küche aus Indien in Berlin. Diese Einschätzung teilte Anno August Jagdfeld, dessen Unternehmensgruppe im rückwärtigen Bereich des Adlon Hotels den "India Club" etablierte, der in diesen Tagen sein Einjähriges feiern darf. Lange Zeit lautet der beste Rat für Liebhaber der indischen Küche in Berlin, die ein entsprechendes Restaurant auf hohem Niveau suchten: "Kauf dir ein Flugticket nach London!"

Tandoori-Lehmofen und Curry

Der Gastraum, der früher das italienisch inspirierte Restaurant "Gabriele" beherbergte, verströmt eine atmosphärische Mischung aus Eleganz und Leichtigkeit. Die schönen dunklen Holzpaneele aus Mahagoni kontrastieren mit der fröhlichen Farbenvielfalt auf den Tellern und den Beleuchtungselementen. Ein sympathisches Team umsorgt die internationale Gästeschar freundlich und erläutert engagiert die Vielfalt der Speisen, die Gewürze und die Zubereitungsmethoden der Spezialitätenküche Nordindiens. Der Stolz des Küchenchefs sind die Gerichte aus dem Tandoori-Lehmofen, wie das Tandoori Hühnchen, das 24 Stunden in einer komplexen Gewürzmischung mariniert wurde und für zwei Personen mit verschiedenen Brotspezialitäten zu 39 Euro gereicht wird. Vielfältige Curries bereitet die Küche ebenfalls zu. Herrlich das Enten-Curry mit Fenchel, Anis und Kokosmilch zu 23 Euro. Insbesondere bewährte Klassiker, wie Chicken Tikka Masala oder Paneer Khas, zeigen den qualitativen Unterschied zwischen den üblichen indischen Profan-Restaurants und der hochwertigen Interpretation im "India Club".

Tignanello und Bier

Lamm und Geflügel stammen vom Bio-Bauernhof "Gut Vorder Bollhagen" an der mecklenburgischen Ostsee bei Heiligendamm, aber insbesondere die Gerichte mit dem vegetarischen Zusammenspiel von Gemüse und Gewürzen, sollten dabei nicht übersehen werden. Sehr fein und doch kraftvoll mundet beispielsweise das Baingan Bartha mit Aubergine, Zwiebeln, Tomaten und Ghee, einem indischen Butterschmalz (18 Euro). Eine stattliche Vorspeisen-Vielfalt rundet das Angebot vielfältig ab und lässt sich ideal teilen, so dass möglichst viele Aromenspiele verkostet werden können. Eine anspruchsvolle Weinkarte lässt keine Wünsche offen. Vom Glas Black Print von Markus Schneider zu sechs Euro, bis zur Flasche 2014er Tignanello zu 180 Euro wird eine variantenreiche Vielfalt abgedeckt. Aber es lohnt sich, auch die sorgfältige Bierauswahl in Augenschein zu nehmen, wobei insbesondere auf Berliner Handwerksbrauereien Wert gelegt wir. Hervorragend eignen sich das Brlo Porter mit seinen Röstmalzaromen oder das India Pale Ale der Brauerei Lemke zu den würzigen Speisen.

Mit dem "India Club" verfügt die Hauptstadt endlich über ein indisches Restaurant auf hohem internationalem Niveau das beweist, wie herrlich die indische Mischung aus gewürziger Komplexität, aromatischer Vielfalt und sympathischer Leichtigkeit einen Abend bezaubernd gestaltet.

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