Peter Eichhorn

Freier Journalist und Autor / Kulinarik, Reise, Berlin

1 Abo und 1 Abonnent
Artikel

Berlin - neue Eistrends an Havel und Spree - Falstaff

Kennen Sie Brix? Adolf Ferdinand Wenceslaus Brix war Lehrer an diversen preußischen Instituten im Berlin des 19. Jahrhunderts. Nach ihm ist die Maßeinheit "Brix" benannt (gemessen in Grad), mit der das Verhältnis von Flüssigkeit zu Zucker angegeben wird. Diese Maßeinheit stellt für handwerkliche Eishersteller eine wichtige Informationsquelle dar. Jede Ernte ist anders und der Fruchtzuckergehalt des Obstes unterscheidet sich immer wieder. Die Brix-Grade helfen bei der Bestimmung des idealen Verhältnisses zwischen Fruchtzucker und Wasser, um bei dem Eis eine perfekte Cremigkeit zu gewährleisten. Also: Zeit für Brix! Endlich beginnt die Sonne damit, uns mit Licht und Wärme zu verwöhnen, und Berlin genießt den Auftakt des Sommers in den Biergärten, Parks und an den Eisdielen. Glücklicherweise kommen in jedem Jahr neue Facetten, Ideen und Zutaten hinzu, sodass so manches Stiel- und Wassereis zur sentimentalen Kindheitserinnerung verblassen darf. Was gibt es also Neues im Reich der kalten Köstlichkeiten in den Sommergärten der Hauptstadt?

Softeis und Toppings bei Paul Möhring

Tradition und Wahnsinn nennt sich das Konzept der frisch eröffneten Eisdiele an der quirligen Oranienburger Straße in Berlin-Mitte. Der Abschnitt "Tradition" bezieht sich auf Opa Paul (1906-1990), der auf seinem Hof in Brandeburg stets Eis in einem zerbeulten Alutopf zubereitete, sobald es schneite. Verheiratet mit der Enkelin von Opa Paul, setzt David B. Heinz nun die Tradition fort und verleiht ihr seine eigene Handschrift. Köstliches Softeis mit extravaganten Toppings bietet das freundliche Ladengeschäft unweit der Hackeschen Höfe. Das Softeis wird täglich frisch zubereitet und die Auswahl an kuriosen vegetarischen Toppings von Streusel über Nüsse und Salz bis zu Fruchtkombinationen. So kann sich der Kunde seine eigene gewagte Aromenkombination zusammenstellen. Oder einen der Haus-Klassiker kosten, wie Salty Dude oder Holy Shit.

Oranienburger Str. 84 10178 Berlin-Mitte

www.paulmoehring.de Waffeln bei Jones Ice Cream

Ein großartiges Speiseeis und Sorbet ist schon eine Menge wert und solches gibt es bei Jones Ice Cream in Schöneberg. Frisch produziert, ohne Zusatz von Eiern, entstehen Sorten wie Peanut Butter & Jam, Lemon Mint Sorbet oder Grapefruit & Earl Grey Sorbet. Ein besonderer Moment erwartet den Eis-Freund aber, wenn man den ersten Bissen der Waffeln schmeckt. Sie sind frisch gebacken und hausgemacht und sofort wundert man sich, warum bei so vielen Eisdielen die Waffel nur ein Behältnis ist, wo sie einen gar köstlichen Genuss bedeuten kann. Zudem gibt es einen Jones Ice Cream Truck, der in der Stadt unterwegs ist und dessen aktueller Standort auf der Homepage abgerufen werden kann.

Goltzstraße 3 10781 Berlin-Schöneberg

www.jonesicecream.com Eis-Burger bei Zwei Dicke Bären

Wo wir gerade bei originellen Serviermöglichkeiten für Eiscreme sind, dürfen die beiden kräftig gebauten Bären auf Achse nicht unerwähnt bleiben. Die Kult-Eisdiele Mos Eisley, bekannt für kühne Sorten, wie Campari-Grapefruit (ab 18) oder Ricotta-Feige, produziert spezielle Sorten für die Bären, die dieses dann zwischen zwei köstliche Kekse packen. Ein wenig sieht das dann aus, wie ein eiskalter Burger. Die Double Chocolate Cookies sind einfach großartig und die Ideen für neue keksig-waffelige Varianten geht den beiden so schnell nicht aus. Bei Street Food Veranstaltungen, z.B. Street Food Thursday in der Markthalle IX in Kreuzberg. www.facebook.com/ZweiDickeBaeren

Stickstoff bei Woop Woop

Molekulare Küche ist nicht tot. Ist auch nicht nötig, denn es waren damals einige herausragende Genussmomente dabei - gerade im Bereich von Eiscreme und Sorbet. Eine geniale Technik aus dieser Zeit entwickeln heute die Macher von Woop Woop Icecream weiter und erzeugen auf diese Weise eine faszinierende und intensive Variante von Speiseeis. Das Geheimnis liegt in dem Flüssigstickstoff, der bei Minus 196 Grad die Zutaten binnen weniger Sekunden in ein köstliches Eis verwandelt. Viele Aromen sind dabei viel intensiver, da man bei der Methode weniger Wasser für den Gefrierfaktor benötigt. Weniger Wasser bedeutet, dass das Eis auch weniger verwässern kann und somit eine kraftvollere Aromatik erzeugt. Die vier Sorten wechseln alle zwei Wochen. Aktuell werden zum Beispiel Himbeer-Cheesecake oder Mango-Minz-Sorbet angeboten. Neben dem erst im Mai eröffneten Ladenlokal gibt es noch einen Truck, der bei gutem Wetter das Eis an "Charlie's Beach" am Checkpoint Charlie ausgibt. Rosenthaler Str. 3 10119 Berlin-Mitte www.woopwoopicecream.de

Meistereis für David Bowie bei Cuore Di Vetro

Der Name der Eisdiele bedeutet "Herz aus Glas" und stellt eine Hommage an den gleichnamigen Film von Werner Herzog dar. Aber es ist mehr als eine Eisdiele. Es ist eine italienische Botschaft, mit Antipasti, Käse, Schinken, Ausstellungen, Lesungen und Konzerten. Angelika Kaswalder kam eigentlich der Musik wegen nach Berlin. Nun macht sie Eis in ihrer gläsernen Manufaktur und lässt sich dabei gerne über die Schulter schauen. Besonders intensiv ist die Nachfrage nach ihrem "Black Star", benannt nach dem letzten Album von David Bowie. Bei der Köstlichkeit handelt es sich um eine mit einer Ganache aus dunkler Schokolade überzogene Maroni-Creme mit Tabak-Aroma. Mit diesem Eis überzeugte die ausgebildete Gelatiere die strengen Gaumen der Jury der "Gelato World Tour", einer Art Weltmeisterschaft der Speiseeiskünstler. Natürlich munden auch die anderen Sorten herrlich, was an der sorgfältigen Herstellung und der Auswahl bester Zutaten liegt. Probiertipps: Pistazie und Dark Chocolate!

Max-Beer-Straße 33 10119 Berlin www.facebook.com/CuoreDiVetroBerlin

Gelato World Tour 2017 www.gelatoworldtour.com
Zum Original