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Willkommen im Gartenzimmer - Magazin SCHULE

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Die wunderbare Idee begann mit einem Ärgernis: Der schöne alte Schrank vom Dachboden der verstorbenen Großtante erwies sich als viel zu groß für das Wohnzimmer. Also stellte Doris Lonsky ihn vorübergehend auf die überdachte Terrasse und verpasste ihm erst mal einen neuen Anstrich. Ihr Plan: Er sollte zur Aufbewahrung von Kinderspielzeug und Kleinkram dienen. Das entpuppte sich als so praktisch, dass die dreifache Mutter kurzerhand beschloss, das Erbstück einfach draußen zu lassen. „Allerdings sah der Schrank allein etwas verloren aus, also haben wir nach und nach andere Möbel hinzugestellt."

Alte Möbel sind einfach individueller, haben mehr Charme und erzählen eine GeschichteDoris Lonsky

Inzwischen haben die Lonskys nicht einfach nur einen Garten, eine Terrasse oder einen Balkon, sondern eine Art überdachtes Wohnzimmer im Freien. Ein Außenzimmer eben, das die Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwimmen lässt. Perfekt für die fünfköpfige Familie, die ohnehin am liebsten an der frischen Luft ist. Helles Holz, aufeinander abgestimmte Farben, liebevolle Dekorationen und Details bestimmen die Szenerie: Das Gartenzimmer ist ein echter Wohlfühlort. Kein Wunder, dass sich alle Familienmitglieder gern hier aufhalten, ob beim gemeinsamen Frühstück, zum Lesen, Kuscheln, Wäsche falten, Hausaufgaben machen oder schlicht zum gemütlichen Rumlümmeln.

Idyllische Orte wie dieser sind die Spezialität von Doris Lonsky, die mit ihrem Mann Philipp, den Kindern Ylva, 12, Erik, 9, Niklas, 8, und dem Familienkater Miccio im schweizerischen Kanton St. Gallen lebt. Seit jeher interessiert sich die 38-Jährige für Gestaltung und Einrichtungskonzepte. Seit dem Jahr 2008 betreibt sie ihren eigenen Blog, „Mamas Kram", der täglich immerhin bis zu 10 000 Besucher zählt. „Kram" ist Schwedisch und bedeutet so viel wie „Umarmung" - für Doris Lonsky der perfekte Name für ihr Projekt. „Die meisten meiner Sachen gehen mit einer großen Umarmung direkt an meine Familie." Der schwedische Name ist kein Zufall. Tatsächlich sind viele ihrer Ideen vom skandinavischen Stil inspiriert. Alte Möbel, weiß gestrichenes Holz, viel Licht, klare Linien und dezente Farben prägen den Stil ihres aufwendig renovierten Hauses aus dem Jahre 1950. „Ich mag nicht so gern neue Sachen, sondern richte lieber alte wieder her oder funktioniere sie um", sagt Doris. Nach geeigneten Stücken stöbert sie auf Floh- und Trödelmärkten, manchmal bringen Freunde auch etwas vorbei, weil sich ihre Leidenschaft herumgesprochen hat. Die meisten Stücke stammen jedoch von ihren Eltern, deren Dachboden Doris als wahre Schatztruhe betrachtet: „Sie kommen aus einer Generation, in der alles aufgehoben wurde - ein riesiges Glück für mich!" Alte Möbel, findet Doris, sind individueller, haben mehr Charme und erzählen eine Geschichte. „Deshalb wirken sie nie steril."

Ich orientiere mich nicht so sehr an Trends, sondern versuche, zeitlos schöne Dinge zu arrangierenDoris Lonsky lässt sich gern inspirieren

Dem angesagten Shabby-Style fühlt sie sich dennoch nicht zugehörig: „Ich orientiere mich nicht so sehr an Trends, sondern versuche, zeitlos schöne Dinge zu arrangieren." Dazu gehört auch, dass sie die Dekoration in Wohnung und Außenzimmer den Jahreszeiten anpasst und gern Fundstücke aus der Natur verwendet. Alte Dinge, die andere vielleicht achtlos entsorgen würden, kommen bei Doris als Hingucker zu neuen Ehren. So entsteht einladende Gemütlichkeit, und wer die Fotos im Blog betrachtet, möchte der Familie am liebsten sofort einen Besuch abstatten.

Das alles schafft Doris neben ihrem Teilzeitjob als Lehrerin nur, weil sie jede freie Minute nutzt. Selbst auf dem Beifahrersitz oder vor dem Fernseher sind ihre Hände immer mit Knüpfen oder Basteln beschäftigt, ständig hat sie neue Ideen. Sehr zur Freude ihrer Familie: Erst kürzlich forderte ihr Jüngster, Niklas, sie möge doch mal wieder sein Zimmer umgestalten. Gerade hat sie mit beiden Jungs den Sandkasten zum Gemüsebeet umfunktioniert, weil die Söhne gern gärtnern wollen. Nähen, Backen, Bauen: Ihre Kreativität beschränkt sich nicht auf das Aufhübschen alter Möbel.

Inspiration findet die Einrichterin aus Leidenschaft auf ausgedehnten Reisen durch Skandinavien, in der Natur, in Magazinen, Büchern und auf anderen Blogs. „Ich sehe Dinge und habe sofort eine Idee, was man sonst noch daraus machen könnte." Die Ergebnisse präsentiert sie dann, oft mit Anleitungen zum Nachmachen, in ihrem Blog. Der hat sich in einer Hinsicht als besondere Herausforderung entpuppt: So leicht Doris Lonsky das Herrichten eines antiken Sessels fällt, so wenig liegt ihr das Basteln am entsprechenden Foto für ihre Homepage. „Technik!", stöhnt sie und lacht. „Das wird nie meine Sache."

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