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Alte Bücher, doch (nicht) online?

Photo by Chris Lawton on Unsplash

In einem Land, vor unserer Zeit, als es noch kein Internet gab, sammelte man Wissen in einem anderen Medium: Dem gedruckten Buch. Und im Kontrast zum weitverbreiteten Glauben, das Buch sei im 20. Jahrhundert zum Massenmedium geworden, steht die Tatsachen, dass das schon früher der Fall war. Nur liest heutzutage niemand mehr 90% der Bücher, die im 18. oder 19. Jahrhundert erschienen sind. Schon gar nicht Originaldrucke, die in diversen Bibliotheken vor sich hin verstauben.

Google Books hat vor einem Jahrzehnt unzählige Bücher digitalisiert und zunächst uneingeschränkt online zur Verfügung gestellt. Durchaus aktuelle Erscheinungen. Dass das offensichtlicherweise gegen diverse Urheber- und Verwertungsrechte verstieß, sah man dann doch ein. Längst ist das Thema gegessen, mit großen Verlagen gibt es Verträge. Oftmals können Snippets angezeigt werden.


Aber Google hatte ja nicht nur aktuelle Werke digitalisiert. Aus Universitätsbibliotheken waren auch eine Menge Bücher herangezogen worden, die Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte alt waren. In den USA ließ man jene Digitalisate zugänglich, die aufgrund ihres Alters gemeinfrei waren. In Europa teils nicht einmal das.


Will ich Informationen aus solch einer alten Publikation erhalten, muss ich in Österreich also weiterhin in eine Bibliothek latschen. Google hätte das Digitalisat zwar und könnte es mir rechtlich einwandfrei zur Verfügung stellen - an einem 170 Jahre alten Buch bestehen freilich keinerlei Rechtsansprüche mehr. Aber der Tech-Konzern gibt momentan nur US-Amerikanern diesen Zugang. Als Europäer müsste ich ein Formular ausfüllen, bestätigen, dass ich glaube, dieses Buch sei gemeinfrei. Dann würden sie das überprüfen und den Zugang vielleicht freischalten. Aufwand also.


Man ist ja faul. Ich probierte es bei meiner kürzlichen Recherche daher zunächst anders: Durch Suche in den österreichischen Bibliotheksdatenbanken. Vielleicht gäbe es besagtes Buch ja digitalisiert in einer Datenbank, die eine unserer Bibliotheken im Angebot hat. Leider Fehlanzeige. Außerdem firmiert ein und das selbe Buch in verschiedenen Bibliotheken unter variierenden Titeln, Google Books benennt es - wohl aufgrund einer Fehlbetitelung durch die amerikanische Universität - noch einmal anders.


Überhaupt ist die Titelsituation bei solch alten Publikationen recht spannend. Da hat ein Herr eine Buchserie gestartet, ist irgendwann verstorben, jemand anderer hat die Serie fortgeführt, aber andere Bandnummern verwendet; parallel dazu hat ein anderer Kerl ein Werk mit selben Titel veröffentlicht, das auf der Ursprungsreihe basiert. Finden Sie nun die korrekte Ausgabe, die Sie benötigen, in den diversen Katalogen und Datenbanken. ISBN? Fehlanzeige bei solch antiquitierten Raritäten. Entspricht "Kirchliche Topografie von Österreich, Band 2, Bände 510-512" der "historischen und topographischen Darstellung der Pfarren, Stifte, Klöster im Erzherzogthume Oesterreich, Dritter Band"? Inhaltlich offenbar ja, vielleicht ist ersteres ja ein Nachdruck in einer anderen Werkserie. Die "Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich" ist aber natürlich ein anderes Werk von einem anderen Autor.

Man darf sich echt freuen über moderne Bibliotheks- und Katalogssysteme. Dank Schnittstellen, über die Verlage einheitliche Angaben in diese Systeme verschicken können, und dank ISBN, sind dieselben Bücher bzw. verschiedene Ausgaben desselben Buches in unterschiedlichen Bibliotheken und Online-Datenbanken schnell identifizierbar. Leider ist das bei alten Büchern nicht unbedingt der Fall.

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