6 Abos und 2 Abonnenten
Artikel

Sido: Live im Autokino Düsseldorf - 26.04.2020

© Nelleke Schmidt

Aus „Jetzt die Arme von links nach rechts!" wurde „Immer abwechselnd links und rechts blinken", aus „Alle Feuerzeuge hoch!" wurde „Wenn der Beat einsetzt machen alle das Fernlicht an". Situationen, die ich noch Anfang März für komplett absurd gehalten hätte, sind im Autokino Düsseldorf Realität geworden. Zwar könnte man über diese Sido-Show schreiben, wie über ein ganz normales Konzert - und sich dann über ein langweiliges Bühnenbild oder die schlechte Sicht beklagen - aber zu einem Konzert, das mich nach langer Zeit zum ersten Mal Freudentränen weinen lassen hat, gehört deutlich mehr als das.

Dass sämtliche Großveranstaltungen den Sommer über verboten bleiben, steht nun fest, der Abschied vom geliebten Festivalsommer ist somit offiziell. Natürlich sind davon in erster Linie die Musiker*innen, Veranstalter*innen und alle anderen Personen betroffen, die in der Musik- und Eventbranche tätig sind. Aber auch, wenn keine Existenzen bedroht sind, sondern Konzerte lediglich ein Hobby sind, tun die Absagen weh. Um zu verstehen, warum ich dieses Sido Konzert so wahrgenommen habe, wie ich hier schreibe, ist das ein relevanter Umstand. Für die inzwischen rund 50 Tage Konzertverbot hatte ich ursprünglich 19 Konzerte geplant. An jedem Abend, an dem eines dieser Events stattgefunden hätte, habe ich alles, was dazu gehört, vermisst: Die Planung der Reisen, Fahrten in fremde neue Städte, Freunde vor und auf der Bühne sehen, Musik hören, Bässe spüren. Wenn das alles auf einmal wegfällt, bleibt ein ziemlich großes Loch. Das Autokino Düsseldorf hat es geschafft, dieses Loch für einen Abend zu füllen. […]

Zum Original