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Zukunftsängste und Sorgen von Medien-Studierenden | medien.geil

Throwback, als wir nach der Matura dachten, wir hätten die schwierigste Phase unserer Berufslaufbahn überstanden… Dieses Mindset hätte ich gerade echt gerne zurück. Jetzt habe ich als Publizistik-Studentin und angehende Journalistin zwar kein Mathe und Latein mehr, dafür ganz andere Struggles. 

Für mich als angehende Journalistin ist Zukunftsangst auf jeden Fall kein Fremdwort. Die Angst, nie eine Festanstellung in einer Redaktion zu bekommen, die Angst in der Medienwelt nicht angenommen zu werden, die Angst als Journalistin einfach nicht gut genug zu sein. Als Publizistik aka „Irgendwas mit Medien“-Studentin sind Zukunftssorgen einfach allgegenwärtig. Kommt mir jedenfalls so vor, aber kann auch sein, dass ich da zu pessimistisch bin. Je älter ich werde, desto größer ist der Realitätscheck und der Fakt, dass das wahre Leben eines/r Journalist*in nicht so ganz dasselbe ist wie das von Carrie Bradshaw aus Sex and The City. Denn – fun fact – Carrie Bradshaw, mit einer Marlboro Rot in der Hand, Valentino Schuhen an den Füßen und Ausblick auf ganz Manhattan in den Neunzigern, war die Inspiration für meine Berufswahl hahaha. Aber das ist eine ganz andere Geschichte… 

Ich habe bei einigen Studienkolleg*innen nachgefragt, wie sie so zu Zukunftsängsten als Publizistik-Studis stehen: 

Vanja, 23 Jahre, 2. Semester:

„Ich hätte nach dem Studium gerne mal einen fixen Job mit geregeltem Einkommen und keine Freelance-Jobs.“

Dadurch dass ich meinen Bachelor in Publizistik zeitgleich mit meinen Master in Translationswissenschaften angefangen habe, ist bei mir die Angst da, dass ich einfach keine Zeit habe, ein Praktikum zu machen. Ich habe das Gefühl, dass man ohne Praktika oder Berufsehrfahrung nach einem Bachelor in Publizistik nichts wirklich machen kann. Man muss sich dauernd aktiv um Jobs oder Kontakte bemühen. Ich bin mir außerdem immer noch nicht ganz sicher, wie ich mein Translations-Studium mit Publizistik verbinden kann. Ich hätte nach dem Studium nämlich gerne mal einen fixen Job mit geregeltem Einkommen und keine Freelance-Jobs. Eine andere große Angst von mir ist auch, dass ich einmal viel Arbeit und Mühe in Artikel oder Publikationen reinstecke und keine*r sich dafür interessieren wird. Dass eine monatelange Recherche für eine Story komplett ins Wasser fällt, oder dass niemand sie lesen will. Aber damit glaube ich muss man einfach lernen umzugehen, aber es zieht einen schon runter. 

Nikolaus, 21 Jahre, 6. Semester:

„Eine „super Arbeitsatmosphäre“ füllt leider nicht meinen Magen.“

Was mir am meisten an meinen Studium Sorgen macht, ist einerseits, die ständige Abhängigkeit von Praktika. Wenn du während des Studiums kein einziges Praktikum gemacht hast, bist du unterm Strich einfach ein*e Verlierer*in.

Was mich aber noch mehr stört, ist dass von dieser unterschwelligen Verpflichtung alle Arbeitgeber*innen wissen. Dadurch, dass sämtliche Praktikumsstellen wissen, dass wir Berufserfahrung während des Studiums brauchen, beuten sie uns aus, indem sie unbezahlte oder sehr schlecht bezahlte Praktika anbieten, weil sie eh wissen, dass sich immer jemand bewerben wird. Allein schon, wenn ich in den ganzen Publizistik-Facebook-Gruppen Ausschreibungen sehe, wo steht, dass man „wertvolle Erfahrungen“ sammeln kann und in einem „angenehmen Arbeitsumfeld“ ist, bin ich einfach nur angepisst. Eine „super Arbeitsatmosphäre“ füllt leider nicht meinen Magen. Solche Praktika können dann nur die machen, die von ihren Eltern finanziert werden. Das gehört definitiv geändert. Sowohl an unserem Studienplan, als auch in der Medienbranche. Man merkt auch immer wieder, dass unser Institut diese Art von kreativer Ausbeutung unterstützt. Jedes Mal, wenn ich von unserem Professor eine E-Mail-Stellenausschreibung für ein unbezahltes, 5-Monate Volontariat bekomme, bin ich einfach nur so von unserem Institut enttäuscht. 


Carla, 22 Jahre, 6. Semester:

„Manchmal komm ich mir echt vor, als wär ich bei Germany’s Next Topmodel.“

Meine Ängste kommen eigentlich mit der Zeit, je mehr ich in der Branche und je weiter ich mit meinem Studium bin. Ich bin mir sicher, dass auch andere Branchen ihre Probleme haben aber oft kommt es mir vor, als wäre es in Publizistik am aussichtslosesten. Das sind Dinge wie Chancenängste, dass man immer up-to-date-sein muss, dass man irgendwann seine Ideale und Träume aufgeben muss, einmal bei einem Qualitätsmedium zu arbeiten, sondern nehmen muss was kommt. Man denkt am Anfang des Studiums auch, dass die Aufgabe eines/einer Journalist*in das Schreiben ist, im Endeffekt ist der Job dann doch nicht so rosig, wie man sich ihn vorstellt. Wenn du es in der Branche schaffen willst, dann kommt es mir so vor, als müsstest du extrovertiert sein, Kontakte knüpfen und deinen Namen laut und überall hintapezieren, weil immer die Angst da ist, vergessen zu werden, da Vitamin B bei uns doch ein riesiges Ding ist. Außerdem vergleicht man sich selbst dauernd mit anderen Leuten aus dem Studium. Wer welche Erfahrungen hat, wer wo ein Praktikum bekommen hat, wer viele Instagram-Follower hat… Manchmal komm ich mir echt vor, als wär ich bei GNTM haha. 


Iris, 21 Jahre, 4. Semester:

„Mich nerven die Vorurteile einfach ein wenig, dass viele unser Studium als „Irgendwas mit Medien“ abstempeln und nicht so ernst nehmen.“


Ich habe ehrlich gesagt wirklich keine wirklichen Sorgen, was so die Jobchancen angeht. Wenn du als 3000. auf der WU einen Bachelor hast, bist du dann ja im Endeffekt in derselben Position wie als Publizistik-Studi. Manchmal habe ich nur Angst davor, Möglichkeiten, die auf mich zukommen nicht richtig auszuschöpfen und mich nicht genug zu bemühen. Das gilt aber primär fürs Arbeiten als freie*r Journalist, nachdem das ja so gerade die Zukunftsaussichten sind in der Medienlandschaft. Was mich ein wenig verunsichert, weil man als Freelancer*in zum Beispiel keine Sicherheit hat wie in einer Festanstellung. Mich nerven die Vorurteile einfach ein wenig, dass viele unser Studium als „Irgendwas mit Medien“ abstempeln und nicht so ernst nehmen. Aber auch die Publizistik-Studis, die denken Publizistik sei das Nonplusultra und sich nach dem Studienabschluss beschweren, dass sie keinen Job bekommen. Man muss sich einfach über die Freizeit, die man neben dem Studium hat, freuen und nebenbei Sachen machen. Außerdem stört es mich, dass in manchen Übungen, vor allem in denen, die praxisorientiert sind, sehr einseitig kommuniziert wird. Denn Journalismus ist nicht schwarz-weiß, aber es kommt oft vor als würden unsere Lehrveranstaltungsleiter*innen davon ausgehen.


Tobias, 22 Jahre, 6. Semester:

„Dadurch, dass Publizistik auch ein ziemliches Massenstudium ist, ist es schwer bis unmöglich herauszustechen.“

Sicher hat man nach einem Studienabschluss oft Schwierigkeiten einen Job zu finden oder weiß nicht, worin man nach dem Studium so wirklich Expert*in ist, weil man einen Bachelor in Kommunikationswissenschaft hat, wo man ziemlich breit gefächert ist. Aber ich schaue da lieber nach vorne und werde dann einen Master machen, der in die Richtung geht, in die ich gehen möchte. Dadurch, dass Publizistik auch ein ziemliches Massenstudium ist, ist es schwer bis unmöglich herauszustechen. Das macht es einem auch schwer sich am Jobmarkt zu beweisen, keine Frage. Ängste so richtig habe ich jedoch keine, vielleicht am ehesten die, dass man mit dem Bachelor in keine wirkliche Richtung gehen kann. Aber dann geht man irgendwo arbeiten, sammelt Erfahrungen und findet seine Interessen dann mit der Zeit.


Tanja 22 Jahre, 6. Semester:

„Wenn LV-Leiter*innen in Übungen keinen Bezug zur Praxis haben, ist es so, dass man nach dem Studium einfach eine komplett andere Vorstellung von der Medienbranche hat.“

Meine größte Angst im Publizistik-Studium sind die Jobchancen nach einem Studienabschluss. Das Problem mit der Medienbranche ist, dass sie immer populärer wird, Social Media kommt jetzt dazu mit Online-Marketing. Dadurch, dass die Branche immer beliebter wird, streiten sich auch einfach immer mehr Leute um Jobs und Aufträge. Im Studium selbst habe ich nicht wirklich viele Sorgen, außer das uns eventuell nicht genug praktisches Wissen beigebracht wird und alles mehr theoretisch ist. Das kommt aber auch mehr auf den/die Lehrveranstaltungsleiter*in an. Aber wenn LV-Leiter*innen in Übungen einfach nur nach dem Skript vorgehen, Sachen vorlesen und keinen Bezug zur Praxis haben, ist es so, dass man nach dem Studium einfach eine komplett andere Vorstellung von der Medienbranche hat.


Was sind so deine Sorgen als angehende*r Journalist*in? Lass es mich wissen und schreib mir per Mail an natalia@medien-geil.at oder auf Instagram @medien.geil!


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