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Charly Graf: Der Durch-Boxer

Schon als Kind war Charly Graf klar, dass er kriminell werden würde. Quasi eine logische Schlussfolgerung: Die Mutter war Alkoholikerin, jeden Mittwoch kam sie betrunken und mit einem neuen Mann nach Hause, seinen leiblichen Vater kennt Graf nicht. Als dunkelhäutiger unehelicher Sohn eines schwarzen US-Soldaten fiel er in den 50ern in Mannheim auf wie ein bunter Hund - selten positiv. Aufgewachsen ist er im Armenviertel, in den berühmten Mannheimer Benz-Baracken. Und Schule war sowieso nie ein Thema.


Später folgten Jobs als Profiboxer, Zuhälter und Krimineller. Zehn Jahre saß der 63-Jährige im Knast, zwölf Jahre verbrachte er danach im Allgäu, um dann wieder zurück in seine Heimatstadt zu ziehen. Nun will er als Sozialarbeiter Kinder und Jugendliche vor den Fehlern bewahren, die er selbst begannen hat.


Heute sind es die Schüler der Hauptschule Todtenhausen. Als Charly Graf, Sozialarbeiter Guido Niemeyer und Manfred Stock, Vorsitzender des Vereins Demokratie und Vielfalt den Raum betreten, ist es still. Graf geht auf die Bühne und zieht seine Jacke aus. Ein Raunen geht durch die erste Reihe, in der vor allem Jungs sitzen. Zum Vorschein kommen Grafs nackte Oberarme - 49 Zentimeter Umfang - wie sich später in der Fragerunde herausstellt. [...]