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Nicht bitte. Nicht danke.

Wie das hier aussieht.
Mit Beton, der mal rot war, aber jetzt schwarz ist und nur rot wird, wenn Blut spritzt. Mit Toren, aus Stahl genietet, holzbeschlagen. Mit dem Netz da oben, in dem ein Ball liegt, vor dem Himmel ruht. Mit Pfeilern, die einen Zaun tragen, der nach innen kippt, weggedrückt vom Kiez. Weiter unten der begradigte Fluss. Nur der Platz lässt sich nicht begradigen, der muss uneben sein. Heißt, hier kannst du abrutschen. Hier kannst du aber auch aufsteigen, bis nach oben. Konntest du jedenfalls mal.
Nach der verkorksten Russland-WM werden in Deutschland Stimmen laut, die Dribbler in der Nationalmannschaft sehen wollen. Man verlangt ein Ende der Ballbesitztaktik. Fordert Gefahrensucher, Eins-gegen- eins-Zocker, Straßenfußballer. Was absurd ist, weil damit eine Frage aufgeworfen wird, auf die niemand eine Antwort hat: Gibt es das noch – Straßenfußball?
In Berlin gab es immer einen Ort für Straßenfußball, gibt es immer noch. Der Ort hat keine Adresse. Er ist ein Mythos, zugleich sehr real.
Wie das hier riecht. Bisschen Pisse, bisschen Hasch. 12 Uhr, High Noon. Der berühmteste Käfig des deutschen Fußballs. Nicht bitte. Nicht danke. Panke.
Die Panke ist ein guter Ort, um zu gucken, was übrig ist vom Straßenfußball made in Germany. Wer übrig ist. Denn die Übriggebliebenen leben hier, im Wedding, dem Viertel, das die Panke umwuchert. Ein
Problembezirk in Berlin, von dem es seit Jahren heißt, er kommt, aber der Wedding kommt irgendwie nicht. Vielleicht, weil er schon da ist. Und die Panke mit ihm. Relativ klein, aber in Wirklichkeit größer als die 28 mal 13,5 Meter, die sie misst. Ihre Größe muss in Typen gemessen werden, in Geschichten. Oft wurde sie besucht, von Werbern, Journalisten oder Männern, die zu Legenden wurden: Lasogga, Zecke und Dejagah. Den Boatengs. Selbst Ronaldinho bekam hier von Kevin-Prince gezeigt, wie Berlin auf Straße kickt.
Manche sagen, die Panke wurde oft vereinnahmt. Mehr spricht allerdings dafür, dass sich die Panke nicht vereinnahmen lässt. Dass sie die ist, die ihre Besucher vereinnahmt, weil die auf Beton stehen und
grübeln, wer sich hier seine Knie aufgehauen hat. Und am meisten spricht leider dafür, dass es der Panke gerade nicht so gut geht.