Mirjam Isabella Fatima Wlodawer

Autorin, Journalistin, Regisseurin (Radio, Film, Print, Web, Interactive), Berlin

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wende_rewind (rbb): DDR-Frauen nach der Wende: Trotz Arbeit kaum Rente

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Ein Leben lang hart gearbeitet, Kinder großgezogen und trotzdem keine richtige Rente? Genau das ist rund 800.000 Frauen aus der DDR passiert. Weil sie geschieden sind, geraten sie nach der Wiedervereinigung in eine rechtliche Grauzone. Die DDR-Gesetze, die ihre Rente sicherten, gelten nicht mehr. Zugleich werden die Gesetze der BRD nicht auf sie angewendet.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Westdeutsche Frauen erhalten nach einer Scheidung einen Versorgungsausgleich, wenn sie beispielsweise eine Weile zuhause geblieben sind, um Kinder zu ⠀
erziehen. Ostdeutsche Ex-Männer können dazu im Nachhinein jedoch nicht mehr verpflichtet werden.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Eigentlich müsste hier der Staat eine Lösung finden. Doch im Einigungsvertrag, den Helmut Kohl und Lothar de Maizière 1990 unterzeichnen, gibt es keine Regelung für geschiedene Frauen aus der DDR.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Schätzungen zufolge verlieren diese Frauen deshalb ein Drittel ihrer Rentenansprüche durch die Wiedervereinigung. Viele von ihnen leben an der Armutsgrenze. Im Schnitt fehlen ihnen etwa 300 Euro pro Monat. Nach der Wiedervereinigung versprechen die Politiker*innen, schnell eine Lösung zu finden. Doch 30 Jahre lang passiert erstmal nichts.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Viele der Frauen sind inzwischen gestorben. Von den einst 800.000 betroffenen Frauen leben 2019 nur noch etwa 300.000. Sie fühlen sich diskriminiert und alleingelassen. 2011 haben einige von ihnen, mittlerweile hochbetagt, bei der UNO Klage eingereicht – und Recht bekommen. Die Bundesregierung soll die Benachteiligung der Ost-Frauen endlich beenden.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Erst Ende 2019 schlagen die politisch Verantwortlichen den Frauen eine Lösung vor: Anstelle einer Nachzahlung ihrer entgangenen Renten sollen sie eine Einmalzahlung aus einem Härtefallfonds erhalten. 15.000 bis 20.000 Euro pro Person lautet der Vorschlag. Bis Juni 2020 soll es eine Entscheidung geben. Ausgezahlt würde das Geld aber voraussichtlich erst 2021. Dann dürfte es für viele der ostdeutschen Rentnerinnen schon zu spät sein.⠀