Miriam Rupp

Gründerin, PR- und Storytelling-Expertin, Autorin, Berlin

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Können Logistiker Geschichten erzählen?

Das Problem existierte schon lange vor Corona. Logistikunternehmen, die teilweise händeringend nach Fachkräften suchen, sind immer stärker darauf angewiesen, sich authentisch und emotional als Arbeitgebermarke zu positionieren. Storytelling also.

Sechs Kriterien hat die Berliner Agentur Mashup Communications herangezogen, um das Storytelling auf den Karriere-Sites großer Logistiker zu beurteilen: Vision, Werte, Unique Employment Proposition, Storys, visuelle Aufbereitung sowie Sprache. Die Ergebnisse dieses „Storytelling-Reports" fallen erstaunlich unterschiedlich aus.


An der Spitze des Reports stehen UPS, die Volkswagen Konzernlogistik und die Deutsche Post/DHL. „Keine andere der untersuchten Seiten arbeitet dabei so dynamisch und konsequent mit ihrem Claim wie UPS", analysieren die Autoren des Reports. „Übersichtlich strukturiert, gewährt der Logistikriese vor allem visuell einen überzeugenden Einblick ins Unternehmen." Gelobt wird auch die direkte und emotionale Sprache der sparsam verwendeten Texte. Hinzu kommen persönliche Videos von Mitarbeitern.


Knapp hinter UPS landet die Karriereseite der Volkswagen Konzernlogistik auf Rang zwei: „Die Karriereseite zeichnet mit Claim und Imagevideo ein buntes, modernes Bild des traditionsreichen Automobilriesen. Wen hier nicht schon die Visionen von New Mobility, Gamechangern und Querdenkern abholen, kann sich von den Mitarbeitenden selbst überzeugen lassen.


Den dritten Platz des Rankings belegt die Deutsche Post/DHL, auf deren Jobseite Bewerberinnen und Bewerber im bekannten Look & Feel begrüßt und von den Mitarbeitenden durch die Unternehmenswelt geführt werden.


Den letzten Platz im Ranking teilen sich Dachser SE und DB Mobility. Die Studienautoren kritisieren an der Karriereseite von Dachser „deutlichen Verbesserungsbedarf bei der visuellen und geschriebenen Sprache" und die Tatsache, dass keine Mitarbeiter zu Wort kommen.


Bei DB Mobility fällt ihnen vor allem auf, dass weder Claim noch Unternehmenswerte ersichtlich sind. „Zwar können Mitarbeitende aus ihrem Alltag berichten, allerdings wird den Zitaten kein Gesicht gegeben, das den Unternehmenswerten mehr Persönlichkeit verleihen würde."


Dass es die Logistik-Branche prinzipiell schwerer habe als andere, emotionale Geschichten zu erzählen, bestreitet Mashup-Geschäftsführerin Nora Feist: „In jedem Unternehmen schlummern Geschichten, und gerade in vermeintlich trockenen Branchen können Marken ihre Employer Brand stärken." Mitarbeitende können mit Geschichten zu entscheidenden Markenbotschaftern werden, die nahbar machen und in denen sich auch potenzielle Kandidaten wiederfinden.

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