Michaela Strassmair

Reisejournalistin, Fotografin, Ebersberg bei München

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Insel-Geheimtipp in Kroatien: 8 Gründe, warum Losinj ein Urlaubsparadies ist

Die Trauminsel Losinj in der Kvarner Bucht


In der Kvarner Bucht liegt die Insel Losinj. Sie vereint auf einer kleinen Fläche alles, was einen Urlaub besonders macht - glasklares Meer mit Delfinen, üppiges Grün, ruhige Buchten, kleine Hafenstädtchen, große Kultur und großartige Kulinarik. FOCUS Online stellt Ihnen das Inselparadies vor.


Der Blick auf die Landkarte ist eindeutig und verwirrend zugleich: Kroatien ist mit einer Inzidenz von 35,9 (Stand 12. August 2021) eines von den sichersten und schnell zu erreichenden Reisezielen in Europa. Um jedoch die Insel Losinj in der Adria zu finden, muss man etwas genauer hinsehen. Das 33 Kilometer lange und nur bis zu vier Kilometer breite Eiland scheint an der Nachbarinsel Cres zu hängen. Aber tatsächlich trennt ein zur Römerzeit angelegter, elf Meter breiter Kanal, über den eine Drehbrücke führt, die beiden Inseln voneinander. Sie macht zwei Mal am Tag, morgens und abends, die Durchfahrt für Jachten frei. Ansonsten kann die Brücke einspurig vom Verkehr passiert werden. Und nach nur wenigen Kilometern ist klar: Hier beginnt eine andere Welt. Das Klima ist spürbar milder, die Landschaft ist deutlich grüner, voller blühender Wildblumen und -kräuter, es duftet würzig und die Atmosphäre ist relaxt. Willkommen auf dem Mikrokosmos Losinj, für den wir einige Tipps haben.


1. Durchatmen und detoxen: Die Luft als Gesundheitsbooster

Im 19. Jahrhundert gehörte Losinj zum Habsburger Kaiserreich und schon damals fiel die Heilwirkung des außergewöhnlich milden, mediterranen Klimas auf. 1892 ernannte das Wiener Gesundheitsministerium die beiden Hauptorte der Insel, Veli und Mali Losinj, zu Klimakurorten. Seine positive Wirkung auf Atemwegserkrankungen, Allergien und das Immunsystem brachte Losinj den Beinamen „Insel der Vitalität".

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten die besondere Zusammensetzung der Luft, die von mehreren Faktoren abhängt: vom Zusammenspiel der Winde Jugo, auflandig, und Bora, ablandig, von der Verdunstung des stark salz- und mineralienhaltigen Meerwassers, dem Sauerstoff, den die vielen Kiefernwälder abgeben sowie ihrer Duftstoffe. „Allein die Luft hier hat entgiftende Wirkung, wie Detoxen, sie ist ein Booster für die Gesundheit", weiß Melissa Mettler, Wellness-Direktorin und Kräuterexpertin des Bellevue-Hotels in der Cikat-Bucht, aus eigener Erfahrung.


2. Natur pur: Die beruhigende Wirkung von Grüntönen

Von Sattgrün bis Türkis: Selbst im Hochsommer dominiert auf Losinj die Farbe Grün. Zypressen stehen neben Palmen und dichten Kiefernwäldern - überall. Österreichische Forscher sollen vor mehr als 100 Jahren Tausende der für den Mittelmeerraum typischen Aleppo-Kiefern gepflanzt haben, die sich wild vermehrten. Der dichte Baumbestand bis ans Meer spendet Schatten, beherbergt Spazierwege, lädt zum Waldbaden ein und verströmt einen erfrischenden ätherischen Duft. Mehr als 800 indigene Pflanzen wachsen auf der Insel, darunter rund 200 Heilpflanzen wie Salbei, Lavendel, Rosmarin oder Myrte.

Sandra Nicolich kennt sie alle. Die Heilkräuterspezialistin betreibt den „Garten der feinen Düfte", ein Öko-Paradies mit Feigenbäumen, Esel, Schaf, Schaukel mit Meerblick und Mini-Restaurant am Hang über Mali Losinj. Zur Einstimmung auf die Kraft der Kräuter, die aufgrund des Klimas besonders intensiv ist, serviert Sandra einen selbstgemachten Drink aus Myrte, ihren „Losinj Redbull". Mit den Aromen aus ihrem Garten, beispielsweise Currykraut, noch in der Nase, sticht der nächste fantastische Farbton ins Auge: Das magische Türkisgrün des Meeres, das sich um die Küste zieht und eher an die Karibik erinnert als an die Adria.


3. Für Sonnenanbeter: Strände und Sonnenuntergangsplätze

Wie fast überall in Kroatien dominieren auch auf Losinj Kiesel- und Felsstrände. Das ist angesichts etlicher Plattformen auf den Steinen und vieler beeindruckender Buchten nicht weiter schlimm. Die Cikat-Bucht an der Westküste beispielsweise gilt als eine der schönsten der Insel. Sie ist hufeisenförmig, umgeben von dichtem Kiefernwald, aus dem prächtige Villen aus der Kaiserzeit hervorlugen. Wer hier ins glasklare Wasser gleitet, hat das Gefühl einfach nur zu schweben. Spätestens zur Sonnenuntergangszeit sollte man jedoch herauskommen, denn am Eingang der Bucht wartet neben einem Leuchtturm der perfekte Sonnenuntergangsplatz.

Das Restaurant „Lanterna" thront auf einer Klippe mit Panoramaaussicht auf die Inselberge und das offene Meer bis zum Horizont. Mehr Überblick auf die spektakulären Sonnenuntergänge bietet das Restaurant „Ovidence", das auf der Hügelkette hinter der Cikat-Bucht liegt. Von hier oben winden sich auch Pfade hinab zu einsamen Buchten und unberührten Stränden, die sonst nur mit dem Boot zu erreichen sind. Apropos Boot: Etliche Anbieter unternehmen Touren zur Sandinsel Susak. Die kleine Insel, auf der ein eigener Dialekt gesprochen wird, ist in nur 15 Minuten zu erreichen und macht Träume von weißen Sandstränden in Kroatien wahr.


4. Tour mit Wow-Faktor: Umzingelt von wilden Delfinen

Der Ritt hinaus aufs Meer fühlt sich tierisch gut an: Wie auf Pferdesätteln mit Haltegriff sitzen die Gäste der Delfintour hintereinander. Der Bug des Schlauchbootes steigt, doch kein einziger Wassertropfen spritzt ins Boot. Das Meer ist ruhig, kaum Wellengang. Plötzlich ruft Tourguide Barbara: „Da rechts, da sind sie!" Drei dunkelgraue, dreieckige Flossen spitzen aus dem Meer. Bottlenose heißen die Delfine, von denen rund 2000 Exemplare vor der Westküste Losinjs leben und sich regelmäßig blicken lassen. Fünf bis sieben Meter können die aus der Serie Flipper bekannten Meeressäuger lang werden und bis zu 60 Jahre alt.

Da, jetzt tauchen sie links vom Boot auf! Ihre Bewegungen sind ruhig und geschmeidig, synchron zum Wellengang. Ästhetik pur. Am liebsten würde man über Bord gehen, doch mit den Delfinen zu schwimmen ist verboten. Zum Schutz der Meeressäuger darf jedes Tourboot auch nur 30 Minuten bleiben. Der Abschied fällt schwer, weil die Gruppe von rund 30 neugierigen Delfinen immer wieder ganz nah ans Boot herankommt. Was für ein emotionales Erlebnis!


5. Zauberhafte Hafenstädtchen Veli und Mali

Sie sind die beiden größten Orte der Insel: Veli Losinj und Mali Losinj liegen direkt am Meer. Veli hat gut 900 Einwohner und kann gemäß der Bedeutung seines Namens („groß") auf eine beeindruckende Schifffahrtsgeschichte zurückblicken. Wie die große Schwester Mali (was eigentlich „klein" heißt), die aber 6500 Einwohner hat, schmiegt sie sich mit bunten Häusern aus der Zeit um die Jahrhundertwende malerisch um eine Bucht.

Reiseführer vergleichen die beiden gepflegten Hafenstädtchen gerne mit dem italienischen Portofino. Nur, dass hier deutlich weniger Trubel herrscht. Und der Cappuccino in einem netten Cafe an der Hafenpromenade mit Blick auf teure Jachten nur zwei Euro kostet.


6. Apoxyomenos: Ein Museum für eine Statue

Die Geschichte klingt wie aus dem Märchenbuch: 1997 entdeckte ein belgischer Tauchtourist am Meeresgrund vor Losinj, in 45 Metern Tiefe, eine 2000 Jahre alte, griechische Bronzestatue. Und was für eine! Der Athlet Apoxyomenos ist 1,92 Meter groß, hat gelocktes Haar und den durchtrainierten Körper eines Ringers. Er ist so gut erhalten wie kaum eine andere Bronzestatue aus dieser Zeit, was er der konservierenden Wirkung von Sand und Korallenbewuchs zu verdanken hat. Lediglich die Augen und der kleine Finger der rechten Hand fehlen.


Der Rest ist von solcher künstlerischer Vollendung, Detailgenauigkeit, Schönheit und Ästhetik, dass ihm zu Ehren ein ganzes Museum errichtet wurde. Die Herangehensweise an das weltweit einmalige Objekt ist ebenso kreativ wie innovativ, so dass dieses kleine Museum jeden in seinen Bann zieht - auch Kinder und Museumsmuffel. Über verschiedene Stockwerke, die als Schiffsrumpf oder Meeresgrund designt und multimedial ausgestattet sind, geht es hinauf ins Sanctum Sanctorum. Ein leerer Raum, in futuristischem Weiß, in dem der athletische Apoxyomenos wie eine Gottheit steht und sich ins Gedächtnis einbrennt.


7. Neue Tennisakademie vom Star-Trainer

Was hat der beste Tennisspieler aller Zeiten mit Losinj zu tun? Neuerdings sehr viel, denn Roger Federers kroatischer Trainer Ivan Ljubicic hat im Sommer 2021 eine Tennisakademie auf der Insel eröffnet - beim Hotel Punta in der Nähe von Veli Losinj. Auf neun Sandplätzen, drei nagelneuen Hartplätzen, welche der Meister als „eine der besten der Welt" bezeichnete, trainiert nun die Weltelite und alle, die es werden wollen.

Matteo Berretini, aktuelle Nummer acht der Welt, spielte erst jüngst auf der großzügigen Anlage mit Blick aufs Meer. Zu den neuen Trainings-, Fitness- und Physioräumen in dem 4-Sterne-Hotel kommt auch bald eine Tennishalle hinzu. Beste Bedingungen für Tennisfreaks also auch im Winter.


8. Von Sterneköchen und Strandlokalen

Eines vorweg: Der frische Fisch auf Losinj schmeckt weltmeisterlich - im wahrsten Wortsinn. Denn der viermalige Weltmeister im Speerfischen, Daniel Gospic, 36 Jahre, lebt auf der Insel und geht auf Bestellung mit seiner Harpune auf die Unterwasserjagd. Einer seiner Stammkunden ist das Gourmetrestaurant des 5-Sterne-Boutiquehotels „Alhambra", eine Dependence des besten Kochs der Schweiz. Christian Kuchler von der „Taverne zum Schäfli" in Wigoltingen ist mit 2-Sternen- und 18-Gault&Millau-Punkten ausgezeichnet.

Sein neuer Chefkoch ist der junge Österreicher Michael Gollenz, der in der Szene als Riesentalent gilt. Der 26-Jährige schwärmt von der Qualität des Inselfisches sowie dem Aroma von Kräutern, Gemüse und Früchten der Insel. Ins Schwärmen geraten auch die Gäste des Restaurants Mol im winzigen Fischerdorf Rovenska, das für seine Spaghetti mit Lobster bekannt ist. Wer in der kleinen Bucht direkt am Wasser sitzen will, muss vorher reservieren. Denn auch das Octopus Carpaccio zieht Feinschmecker magisch an.

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