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Love is knarzig | John Grant live in Hamburg

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John Grant

Vergesst ihn, den brummenden Chansonnier. Den John Grant, der am Flügel sitzend Zeilen wie „Baby, you're where dreams go to die" ins Mikrofon blutete. Was sich auf „Grey Tickles, Black Pressure" andeutete, findet auf Grants viertem Soloalbum seine Vollendung: die Metamorphose zum 80er-Chamäleon, zum hüftschwingenden Glampoper mit Glitzermakeup. „Love is Magic", und Love is tanzbar, Love is voller Synthesizer und Love is gerne mal sperrig. Spacig ist das neue Werk des Wahlisländers obendrein, es ist sein offensivstes und lautestes. Vom Verstecken hinter dem Klavier früherer Tage ist auch bei seinen aktuellen Auftritten keine Spur mehr. Das passt zu seinen Aussagen in unserem Interview vor zwei Jahren: „Die Möglichkeit der Flucht ist eine Illusion. (...) Ich sage immer: ‚I'm just looking for different background for my bullshit'."


Wer bei dieser musikalischen Entwicklung, diesem neuen Background, nicht zwangsläufig mitgeht, dem sei versichert: Geblieben sind John Grants grandiose Texte, die einem keinen verkünstelten Bullshit servieren. Brutalitäten des Alltags, prägnante One-Liner und herzlich-beschämende Selbsterkenntnisse gibt es auch wieder auf „Love is Magic" zu hören. „And you've come so very far to hear / That you're nowhere near half-way there / There's no milk in the refrigerator / And you'll be hearing all about it when you get home tonight", heißt es etwa im Titeltrack. „And David thinks the hummingbirds are fascinating / I wonder if they invented the art of speed dating? / They flap their wings 50 to 200 times per second / I guess that's how they get those crazy pecs", heißt es in „The Common Snipe". Wäre das dann also auch geklärt. Aber mit seinem Bariton kann er einem eben auch alles verkaufen.


(...)


John Grant live in Deutschland:

12.11. Köln, Kulturkirche 13.11. Hamburg, Kampnagel 14.11. Berlin, Astra Kulturhaus 16.11. Rust, Rolling Stone Park

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