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Dreikindpolitik in China: Junge Chinesinnen und Chinesen wollen oft gar keine Kinder

Chinas Regierung erlaubt es verheirateten Paaren, in Zukunft drei Kinder zu bekommen. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag mit Verweis auf eine Sitzung des Politbüros unter Leitung von Staatspräsident Xi Jinping. Ziel sei es, "die Geburtenpolitik weiter zu optimieren". Ab wann die neue Erlaubnis gelten soll, ist jedoch noch offen. Außerdem soll das Renteneintrittsalter schrittweise angehoben werden. Ein Vorhaben, das bereits im aktuellen Fünfjahresplan festgelegt wurde.


Die Entscheidungen von Montag seien eine "politische Reaktion auf die niedrige Geburtenrate und die Alterung der chinesischen Gesellschaft, wie sie der 7. Nationale Bevölkerungszensus aufgezeigt hat, und dessen Ergebnisse vor Kurzem veröffentlicht wurden", sagt Kaijun Chen, ausgebildete Soziologin der Universität Oxford und inzwischen Nachhaltigkeitsberaterin in Peking, im Gespräch mit dem Informationsdienst Table aus Berlin.


Jene Volkszählung zeigt, dass Chinas Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren noch um jährlich 0,53 Prozent auf 1,41 Milliarden Menschen gewachsen ist - so wenig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Statistisch bekommt eine Frau 1,3 Kinder. China liegt damit auf dem Niveau von alternden Gesellschaften wie den Industrieländern Japan und Italien. Experten warnen, sollte dieser Trend anhalten, könnte Chinas Bevölkerung schon dieses Jahr schrumpfen. Das bestreiten die zuständigen Behörden zwar vehement, doch auch die offiziellen Stellen rechnen mit einem Rückgang spätestens im Jahr 2027.


"Die chinesischen Behörden haben schnell eine Dreikindpolitik verkündet, weil sie die wahren Daten des Zensus kennen. Diese wollen sie nicht veröffentlichen, aber sie sind derart erschreckend, dass sie nun handeln müssen", meint Yi Fuxian, Experte für chinesische Familienpolitik. Erst 2015 hatte man versucht umzusteuern: Die seit 1979 geltende Einkindpolitik wurde abgeschafft; von nun an durften Paare zwei Kinder haben. Das sorgte 2016 zwar kurzzeitig für einen leichten Anstieg der Geburten, seither fiel die Zahl allerdings wieder Jahr um Jahr...

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