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Fahrzeugtest Nissan Leaf - Piep, piep, piep, ich hab Dich lieb

Fahrzeugtest Nissan Leaf - Piep, piep, piep, ich hab Dich lieb

Er meint es ja nur gut, der Leaf. Piep, piep, piep! Die Tür ist auf. Piep, piep, piep! Du bist zu nah am Vordermann. Piep, piep, piep! Hinten kreuzt ein Fußgänger. Und ein noch lauteres Piep, piep, piep, für alle im Umkreis von 20 Metern: Wir fahren jetzt Rückwärts! Wäre der kompakte Japaner ein Mensch, man würde ihn eine Labertasche nennen, eine Quasselstrippe. Bei vielen Gelegenheiten hat er ein schier unstillbares Mitteilungsbedürfnis. Aber er meint es ja nur gut, ihm ist halt um das Wohl seiner Mitfahrer, der anderen Verkehrsteilnehmer und nicht zuletzt seiner selbst gelegen.

Abgesehen von der akustischen Kakophonie, die sich zum Glück zum Teil abschalten lässt, ist der Leaf in seiner nunmehr zweiten Generation deutlich besser und auch deutlich schicker geworden. Das mit gut 350.000 Einheiten meist verkaufte Elektroauto der Welt schafft mit dem 40 kWh Akku in der WLTP-Norm bis zu 285 Kilometer. Was im Alltag auch zu erreichen ist, am ehesten im Stadtverkehr, wo wir im Eco-Modus mit einem Verbrauch von knapp 13 kWh je 100 Kilometer unterwegs waren. Im Testzeitraum bei unterschiedlichen Fahrweisen standen am Ende im Schnitt 16 kWh zu Buche. Bei flotter Autobahnfahrt sind es schon mindestens 20 kWh und spätestens nach 200 schnellen Kilometern ist der Besuch an einer Ladestation umumgänglich.

Dort offenbart sich auch die größte Schwachstelle des Leaf: Das Thermomanagement der Batterie. Da Nissan aus Sicherheits- und Kostengründen auf eine aktive Kühlung verzichtet, gerät der Akku bei hoher Beanspruchung an seine Grenzen. Nach längerer Zeit mit hoher Geschwindigkeit und anschließender Schnellladung bis zu 50 kW liegt die Temperaturanzeige im roten Bereich - und der Leaf drosselt seine Leistung. Das reicht zwar noch locker für Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn. Aber bei einem weiteren Stopp an einer E-Tankstelle verkommt selbst CHAdeMo zur Schnarchladung. Für die Langstrecke ist der Nissan Leaf deswegen nur bedingt geeignet. Ohne Abstriche sind gut 500 Kilometer möglich, danach wird es aufgrund der langen Ladezeiten mühsam. Auf das von Leaf-Fahrern #rapidgate getaufte Phänomen gehen wir im Anschluss an diesen Test deutlich detaillierter ein.

Wer den Leaf aber hauptsächlich auf Kurzstrecken einsetzen will, wird an dem Fahrzeug viel Freude haben. Vor allem Technikinteressierte werden viel Zeit mit den diversen Info-Displays mit etlichen Untermenüs verbringen können, die allerlei Infos zum Auto, der Batterie, dem Kraftfluss oder eine Visualisierung des ProPilot bieten, dem autonomen Fahrassistenten, der auf der Autobahn auf Tempo bleibt und erfreulich zuverlässig selbst im Stau den Abstand zum Vordermann sowie die Spur hält. Der Fahrer muss dennoch stets die Hände am Lenkrad halten, sonst - gut erraten - piepst es.

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Erschienen im Printmagazin Elektroautomobil