Melanie Öhlenbach

Journalistin·Redakteurin·Bloggerin, Bremen

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Düngen, natürlich! - Wiesbadener Kurier

Pflanzen benötigen Nährstoffe, damit sie wachsen und gedeihen. Worauf es dabei ankommt und welche Möglichkeiten es gibt – eine Übersicht über synthetischen und natürlichen Dünger.

Eine herrliche Blütenpracht und eine reiche Ernte: Das wünscht sich wohl jeder Gartenbesitzer. Damit Pflanzen wachsen, blühen und Früchte tragen, brauchen sie Nährstoffe, insbesondere Stickstoff (N), Phosphat (P) und Kali (K), Magnesium (Mg) und Schwefel (S), aber auch Spurenelemente wie zum Beispiel Eisen. Diese Nährstoffe bietet ihnen in der Regel die Erde, in der sie stehen. Allerdings nicht immer in ausreichender Menge. Gerade Tomaten, Kohl und Kartoffeln benötigen häufig zusätzlichen Dünger, da sie zu den stark zehrenden Gemüse gehören. Ansonsten kann es sein, dass sie mickrig bleiben oder die Ernte mager ausfällt.

Kunstdünger enthält wasserlösliches Nitrat

Doch Dünger ist nicht gleich Dünger. Im Handel gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Produkten. So gibt es beispielsweise Voll- und NPK-Dünger, Hornspäne und Hornmehl, Wurmkompost, Flüssigdünger aus Zuckerrüben oder Pellets aus Schafwolle und Gärresten aus der Bio-Gas-Anlage.

Düngemittel lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: synthetischen Mineral- oder Kunstdünger und organischen Bio-Dünger. Welchen man für Beet- und Balkonpflanzen verwenden will, ist für Winfried Schmidtner von der Hessischen Gartenakademie eine Frage der Philosophie. „Grundsätzlich bieten sowohl mineralisch-synthetische als auch organische Dünger den Pflanzen die Nährstoffe, die sie benötigen. Der Pflanze selbst ist es egal, wie sie ihre Nährstoffe bekommt."

Wenn es um die Handhabung geht, hat der Gartenexperte für den Hobbybereich aber einen Favoriten. Denn die Gleichung „viel hilft viel" geht beim Düngen nicht auf. Im Gegenteil: „Wer synthetischen NPK-Volldünger unsachgemäß einsetzt, schädigt Umwelt, Boden und Grundwasser", so Schmidtner. Kunstdünger bieten nämlich häufig Stickstoff voll wasserlöslich in Form von Nitrat- und Ammonium-Ionen an. Nehmen die Pflanzen diese nicht über die Wurzeln auf - zum Beispiel, weil sie sie nicht benötigen - versickern sie im Boden und reichern sich als gesundheitsschädigendes Nitrat in tieferen Erdschichten und im Grundwasser an.

Hobbygärtnern rät Schmidtner daher zu Bio-Düngern. „Mit diesen ist die Gefahr einer Überdüngung eher geringer", sagt er. Der Grund: Die Nährstoffe stehen den Pflanzen nicht sofort zur Verfügung, sondern müssen erst von Kleinstlebewesen herausgelöst und verfügbar gemacht werden. Und das kann mehrere Tage oder Wochen dauern - je nachdem, wie warm der Boden ist und wie viele Mikroorganismen in ihm leben.

Organische Dünger gibt es aus pflanzlichem und tierischem Material. Die Auswahl im Handel ist groß. Hier sind drei Beispiele:

Horn

Horndünger ist stickstoffhaltig und gehört mit zu den bekanntesten organischen Düngern. Es besteht aus zerkleinerten Hufen und Hörnern von geschlachteten Rindern. Horndünger gibt es in verschiedenen Stärkegraden: als Späne, Gries oder Mehl. Entsprechend geben sie die Nährstoffe unterschiedlich schnell frei.

Wolle

Haar enthält ebenfalls viel Stickstoff. Grobfaserige und grob verschmutzte Schafwolle wird daher zu Pellets verarbeitet, die man als Langzeitdünger einsetzen kann. Je nach Hersteller werden auch anhaftende organische Bestandteile wie Wollfett, Gras und Kot mitverarbeitet.

Klee

Wer vegan gärtnert und trotzdem nicht auf Kunstdünger zurückgreifen will, kann Klee verwenden - entweder als Gründünger oder in Form von Pellets. Die gibt es inzwischen auch zertifiziert mit Bio-Siegel.

Auch die Größe der Partikel ist dabei nicht unerheblich. Je feiner die Dünger-Partikel, desto schneller können die Organismen sie zersetzen und desto eher können die Wurzeln die Ionen aufnehmen. Bei organischen Flüssigdüngern sind die Nährstoffe in der Regel sofort verfügbar. Schmidtner empfiehlt daher, Bio-Dünger unterschiedlicher Formen zu verwenden beziehungsweise miteinander zu mischen. So erhält man organischen Dünger mit schneller und lang anhaltender Wirkung.

Egal ob synthetisch oder organisch: Grundsätzlich gilt es, Dünger mit Bedacht einsetzen und lieber häufiger, aber sparsam zu düngen. Das bekommt auch den Pflanzen besser. Nimmt eine Pflanze beispielsweise zu viel Stickstoff auf, bildet sie vor allem lange und weiche Triebe und Blätter. Und das macht sie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. „Blattläuse können beispielsweise weiches Gewebe viel leichter mit ihrem Rüssel durchstechen und den Pflanzensaft anzapfen", erklärt Schmidtner.

Gründünger reichern den Boden an und blühen schön

Wer seinem Garten etwas Gutes tun will, sollte auf brachliegenden Beeten Gründünger einsäen. „Gründünger reichert den Boden mit Nährstoffen und organischer Substanz an und bietet Kleinstlebewesen wichtige Nahrung", so der Gartenexperte. Die Gründüngungspflanzen bedecken die Bodenoberfläche mit einer Mulchschicht. Auf diese Weise wird auch der Boden vor Austrocknung und Erosion geschützt. Im Frühjahr kann man das Pflanzenmaterial einarbeiten. Ähnlich kann man übrigens auch mit Rasenschnitt vorgehen, meint Schmidtner. Gründünger wie Phacelia und Klee haben jedoch einen weiteren Vorteil: Sie blühen nicht nur hübsch, sondern sind für Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. „Gründüngung ist ein Gewinn für jeden Garten", ist Schmidtner überzeugt. „Sie ist gut für die Bodengesundheit und die Artenvielfalt."


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