Melanie Öhlenbach

Journalistin·Redakteurin·Bloggerin, Bremen

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Von der Kunst, eine Blechbox in Szene zu setzen: JO-BA fertigt individuelle Recycling-Container

Kai-Uwe Jobst steckt voller Ideen rund um Wiederverwertung und Nachhaltigkeit. 2009 übernahm er von seinem Vater das Bremer Unternehmen JO-BA, das sich der Entwicklung und Produktion von Recycling-Systemen verschrieben hat. Damit hat sich die Firma europaweit als Marke etabliert: Wer Altkleider, Schuhe oder Elektroschrott entsorgt, wirft die Dinge meist in Boxen made in Bremen.

Farbenfrohe Sammelbehälter mit auffälligen Sprüchen

„Hunde sind Beuteltiere“ prangt in großen Lettern auf der Metallbox. Strahlend gelb ist sie – und das ist auch so gewollt. Denn der Sammelbehälter soll auffallen, damit Hundebesitzer gleich wissen, wo sie die Tütchen mit den Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner entsorgen sollen. Entwickelt hat den Container Kai-Uwe Jobst, Geschäftsführer der JO-BA GmbH. Die Idee dazu kam ihm bei einer der zahlreichen Runden mit seinem eigenen Hund Luke am Bremer Werdersee. „Es ärgert mich einfach, wenn ich achtlos weggeworfene Plastikbeutel im Wald oder auf der Wiese entdecke“, sagt er.

Kai-Uwe Jobst steckt voll solcher Ideen, die sich um Wiederverwertung, Nachhaltigkeit und sinnvolle Ressourcenverwendung drehen. Als der Jurist im Jahr 2004 in den Betrieb seines Vaters einstieg, war das Unternehmen bereits auf dem Weg in die Recycling-Branche. Doch so richtig Fahrt nahm das Geschäft erst mit ihm auf. Und mit seinen Ideen.


Von Stalltechnik zu Recycling, von Bassum nach Bremen

Ursprünglich hatte Horst-Dieter Jobst JO-BA im Jahr 1972 als Stall- und Regentechnik GmbH gegründet. Der Firmenname setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben des Familiennamens und den ersten zwei Buchstaben des damaligen Firmensitzes in Bassum nahe Bremen. In den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt des Betriebs noch auf der Produktion von Güllewagen und -silos. Als 1984 der erste Altkleider-Sammelcontainer gebaut wurde, war dies ein Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte, der sich kurz darauf in der Umfirmierung zur JO-BA Maschinen- und Anlagenbau GmbH manifestierte. 1998 verlegte die JO-BA GmbH schließlich den Firmensitz in die Hansestadt.

Mit der Übernahme der Geschäftsführung durch Kai-Uwe Jobst im Jahr 2009 kamen die Veränderungen, die das Unternehmen heute auszeichnen: Jobst holte die Produktion der Container komplett nach Deutschland und setzte auf Individualität. „Blech kann jeder“, sagt der 45-Jährige. „Die Kunst besteht darin, eine Blechbox in Szene zu setzen.“


Individuelle Container von der Form bis hin zur Beklebung

Und diese Kunst beginnt bereits in der Form. So können die Kunden nicht nur zwischen verschiedenen Größen wählen. Auch die Form des Einwurfs, die Schippe, die Griffe und sogar das Dach gibt es in verschiedenen Ausführungen, die dank des modularen Systems individuell zusammengebaut werden können. „Unsere Kunden können unter anderem zwischen Rund-, Sattel- und Trapez-Dächern wählen – aber auch Sonderanfertigungen sind möglich“, sagt Jobst. So hat die JO-BA GmbH beispielsweise den Schuhpilz entwickelt: einen pilzförmigen Sammelcontainer für Kinder-Schuhe in den entsprechenden Fachgeschäften.

Umweltfreundliche Pulverlackbeschichtung

Auch bei den Farben haben die Kunden die Wahl. Ob Rot, Blau, Gelb, Grün, Weiß oder Pink – in einer eigenen Produktionshalle im Bremer Gewerbepark Hansalinie beschichten die JO-BA-Mitarbeiter die Metalloberflächen mit Pulverlacken. „Unsere Pulverlacktechnologie ist umweltfreundlich und nach ISO zertifiziert“, sagt der JO-BA-Chef. Jedes Bauteil läuft einzeln durch die automatisierte Beschichtungsanlage und wird komplett beschichtet, bevor es verbaut wird. „Wir können so nicht nur mehrfarbige, sondern auch viel langlebigere Container anbieten“, sagt Jobst. „Die Bleche korrodieren durch die vollständige Beschichtung viel langsamer.“ Bis zu 15 Jahre sollen die Boxen dem Rost trotzen können.


Hauseigener Grafiker verpasst Boxen individuelles Design

Zum unverwechselbaren Design der Boxen tragen schließlich auch die Folien bei, gestaltet vom hauseigenen Grafikdesigner. Sie machen letztlich die Container zu dem, was sie sind: Sammelbehälter für Altkleider, Schuhe und Elektroschrott, für Abfall, Hundekot-Beutel, Brillen oder Medikamente – kurzum: für alles, was gesammelt und recycelt werden kann.

Einziger Hersteller von Altkleider-Containern in Deutschland

Etwa 500 Euro kostet laut Jobst ein komplett individuell gestalteter Container. Derzeit produziert das Bremer Unternehmen zwischen 8.000 bis 10.000 Stück pro Jahr – und das nicht nur für Kunden in der Bundesrepublik, sondern auch in Frankreich, Griechenland, Italien und der Schweiz. „Wir sind der einzige Hersteller für Altkleider-Container in Deutschland und gehören zu den Marktführern in Europa“, sagt der Geschäftsführer nicht ohne Stolz.


Mit klimaneutralen Sammelbehältern Aufforstungsprojekte unterstützen

Doch Kai-Uwe Jobst geht es nicht allein darum, Container zu verkaufen. Auch um Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit macht er sich Gedanken – insbesondere beim Recycling von Altkleidern, dem Kerngeschäft der Mehrzahl seiner Kunden. „Die Altkleider-Branche hat einen schlechten Ruf, weil es viele illegale Sammlungen und schwarze Schafe gibt“, sagt Jobst. Auch dass der Handel mit billig verkauften Textilien aus Europa einheimische Produzenten in afrikanischen Ländern um den Lebensunterhalt bringt, beschäftigt ihn und lässt ihn handeln.


Klimaneutraler Container: Wiederaufforstungsprojekte in Äthiopien

In Zusammenarbeit mit der Welt-Wald-Klima-Initiative und dem Unternehmen CO2OL entwickelte er einen klimaneutralen Container: „Wir haben ermittelt, wie groß der CO2-Fußabdruck eines Containers ist, also wieviel Kohlendioxid bei der Produktion freigesetzt wird. Um das zu kompensieren, können unsere Kunden CO2-Zertifikate in Höhe von zwölf Euro erwerben, mit deren Erlös Wiederaufforstungsprojekte in Äthiopien finanziert werden“, erklärt Jobst.


Bereits 15 Hektar Wald gepflanzt

Ihm geht es dabei nicht nur um Klimaschutz: „Durch die Aufforstung entstehen dort auch neue Jobs und eine neue Wertschöpfungskette. Wir wollen uns nicht freikaufen, sondern den Menschen Alternativen aufzeigen.“ Laut Jobst konnten durch JO-BA-Kunden inzwischen mehr als 15 Hektar Wald gepflanzt werden. „Vor allem in der Schweiz ist das Projekt der Renner. Allein 15.000 Bäume stammen von unseren Kunden aus der Schweiz.“


Soziale Projekte für Vereine und Schulen

Aber auch Projekte vor Ort hat der 45-Jährige im Blick: So können bei der Aktion „Mein letztes Hemd für meinen Verein“ Sportvereine den Erlös von gespendeten Kleidern und Schuhen in ihre Nachwuchsarbeit investieren. In Bremen geht demnächst das Projekt „Kleider machen Bildung“ an den Start, bei der die JO-BA GmbH mit der Stiftung Impuls Deutschland und der Textilrecycling-Firma FWS kooperiert. An rund 50 Standorten im Stadtgebiet sollen Altkleider-Container aufgestellt werden. „Aus dem Erlös wollen wir soziale Projekte in Bremer Brennpunktschulen unterstützen“, erklärt Jobst. Für Berlin plant er bereits ein ähnliches Projekt. Das Motto: „Berliner sammeln für Berliner“. Der Erlös soll an Obdachlose gehen.


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