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"Ich werde sterben, weil ich schwarz bin"

Michael bennett

Michael Bennett: "Alles, woran ich denken konnte, war: Ich werde sterben, weil ich schwarz bin." (Foto: Otto Greule JR/AFP)

Football-Profi Michael Bennett schildert in einem Statement per Twitter, wie er vor zwei Wochen um sein Leben gefürchtet hat. Nach dem Besuch des Boxkampfes Mayweather gegen McGregor wurde er von Polizisten aufgehalten und mit einer Waffe bedroht. "Er richtete seine Waffe auf meinen Kopf und warnte mich, dass, wenn ich mich bewege, er ,meinen Schädel wegblasen' würde", schrieb Bennett. Das Video einer Körperkamera wirft mehr Fragen auf.


Am 18. Januar 2015 klaute Michael Bennett einem Polizisten sein Fahrrad. Lustig sah das aus, wie der 124 Kilogramm schwere und 1,93 Meter große Kerl sich auf ein viel zu kleines Zweirad setzte und durchs Stadion in Seattle fuhr. Bennett war kurz vor dem Diebstahl mit seinem Team, den Seahawks, in den Super Bowl, das Endspiel der US-Footballliga NFL, eingezogen und legte nun seine Ehrenrunde rollend und grinsend zurück. Der Polizist sah lachend hinterher.


Am 26. August 2017 in Las Vegas grinste Bennett, 31, nicht - und auch der Polizist, der über ihm kniete, lachte nicht. Das lag daran, dass er damit beschäftigt war, dem hilflosen Bennett Handschellen anzulegen. Es war der Abend des Boxkampfes Mayweather gegen McGregor - und wie Bennett nun, zwei Wochen später, in einem Statement beschrieb, fürchtete er in diesem Moment um sein Leben.


Mit hunderten anderen Menschen sei er nach dem Boxkampf vor Geräuschen geflohen, die wie Schüsse klangen. Ein Polizist habe ihn gestoppt, er habe sich wie befohlen auf den Boden gelegt. "Er richtete seine Waffe auf meinen Kopf und warnte mich, dass, wenn ich mich bewege, er ,meinen Schädel wegblasen' würde", schrieb Bennett. Erst, als auf dem Revier die Identität des dunkelhäutigen Footballers festgestellt wurde, sei er freigelassen worden. Begründet wurde das alles nicht. Bennett sieht sich als Opfer rassistischer Polizeigewalt.


Das Polizeidezernat Las Vegas reagierte mit einer Pressekonferenz. Er sehe keine Beweise dafür, dass die Hautfarbe bei diesem Vorfall irgendeine Rolle gespielt habe, sagte Vize-Sheriff Kevin McMahill. Dann zeigte er ein fünfminütiges Video, aufgenommen von der Körperkamera eines Kollegen im Einsatz, das mehr Fragen aufwarf als es beantwortete. Menschen rennen, Polizisten schreien, am Ende liegt Bennett auf dem Boden, eine Waffe ist auf ihn gerichtet. Warum? Bleibt offen. Die Kamera des beschuldigten Polizisten war nicht eingeschaltet. Eine von 126 gesicherten Videoaufnahmen soll nun Klarheit bringen.


Bennett kündigte an, mit anderen NFL-Profis weiterhin beim Erklingen der Nationalhymne in den Sitzstreik zu gehen, um gegen Rassendiskriminierung zu protestieren. Und er will die Möglichkeit einer Klage prüfen.

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