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Kohle für Kreativität - Ideen mit Stipendien finanzieren

Statt Flaute im Kopf herrscht bei freien Journalisten oft Ebbe im Portemonnaie. Abhilfe schaffen da Stiftungen, ehrenamtliche Vereine und Crowd-Sourcing-Projekte. Alle drei Fördermöglichkeiten wurden am Freitag in Hamburg beim nr13- Workshop „Wie finanziere ich meine Recherche? – Eine Roadshow über Stifter und Spender“ vorgestellt.


Der Geschäftsführer des Förder-Urgesteins Otto Brenner Stiftung, Jupp Legrand, brachte es gleich von Beginn an auf den Punkt: „Entscheidend ist die Idee, die in einem überzeugenden Konzept mit Exposé und Kostenplan eingereicht wird.“ Die Frankfurter Stiftung vergibt seit 40 Jahren Stipendien über mehrere tausend Euro. Besonders gefördert werden Rechercheprojekte, die sich mit der Entwicklung Ostdeutschlands sowie Mittel- und Ost-Europas beschäftigen. Und das mit Erfolg: Der Artikel „Das vergessene Land“ über Rechtsradikalismus in Ost-Vorpommern von Astrid Geisler war 2006 nicht nur taz-Titelstory, sondern bekam 2007 auch den Theodor-Wolff-Preis. Vor der landesweiten Veröffentlichung und dem prestigeträchtigen Preis kam jedoch die Förderung – Geisler war Otto-Brenner-Stipendiatin.


„Das wird oft vergessen, dass die Journalisten erst durch unsere Unterstützung dazu in der Lage waren, überhaupt zu recherchieren“, sagt Klaus Liedtke, Vorstandsmitglied der Initiative„investigate“. Der Verein wurde vor zwei Jahren zur Förderung junger Journalisten im deutschsprachigen Raum gegründet. Dass Artikel, die durch Stipendiengelder entstanden sind, wiederum konventionellen Medien, durch erfolgreiche Veröffentlichung zugutekommen, sieht Liedtke als Problem: „Es geht uns ja nicht darum, große Verlagshäuser zu subventionieren, sondern freie Redakteure zu unterstützen.“


Das will auch Sebastian Esser. Zusammen mit seinem Kollegen Wendelin Hübner gründete er Anfang des Jahres die Crowd-Sourcing-Plattform „Krautreporter“. Das Problem von Stiftungen, die in der öffentlichen Ehrung brisanter Artikel als Geldgeber oftmals vergessen werden, hat er nicht. Mit „Krautreporter“ schuf er eine Art „Fachgeschäft für Journalismus im Internet“, wie er sagt. Anders als bei herkömmlichen Crowd-Sourcing-Projekten könne eine interessierte Zielgruppe hier „nicht einfach irgendwas unterstützen“, sondern gezielt für journalistische Projekte spenden. Verläuft das Projekt erfolgreich, werden Esser und Hübner mit fünf Prozent am Gewinn beteiligt.


Als Problemlösung journalistischer Strukturen sieht Esser die heutigen Fördermöglichkeiten jedoch nicht. Er meint: „Crowdfunding ist Gegenwart nicht Zukunft des Journalismus.“ Liedtke nennt das Mäzenatentum in den USA als glorreiches Vorbild. Hier gibt es die Propublica. Ein rein durch Fördermittel finanzierter, ehrenamtlicher Newsdesk. „Wir hoffen natürlich, dass sowas auch bei uns passiert“, sagt der investigate-Vorstandschef. Bis dahin will er vor allem Wirtschaftsunternehmen für die ungewisse Zukunft des Journalismus sensibilisieren. „Wir diskutieren heftig mit Unternehmen. Da herrscht hoher Informationsbedarf.“ Es sei in der Wirtschaft noch nicht angekommen vor welchen Problemen der Journalismus stehe, sagte Liedtke. Und auch Jupp Legrand betonte: „Wir wollen das ebenfalls so schnell wie möglich ändern.“




erschienen: 15.06.13 - netzwerk recherche
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