Margret Meincken

Freie Journalistin und Texterin, München

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Wie schütze ich mein Auto im Winter vor Gammel und Rost? - Direct Line

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Der größte Feind des alten Blechs ist Streusalz

Winter ist Erkältungszeit. Doch die kalte Jahreszeit birgt nicht nur für Menschen Infektionsgefahren. Auch Autos sind betroffen. Modernes Straßensalz, ein feuchter Innenraum oder ein ungeeigneter Stellplatz können die Gesundheit Eures vierrädrigen Freundes ernsthaft gefährden. Sven Steinhöfer, Experte für Fahrzeugaufbereitung und Restauration, gibt wertvolle Tipps, wie Ihr Euer Auto besser vor Rost schützen könnt.


Feuchtsalz: Der größte Feind

Salz ist in den vergangenen Jahrzehnten ein immer bedrohlicherer Feind des Autos geworden. Früher wurde trockenes Streusalz von Räumfahrzeugen auf der Fahrbahn verwirbelt. Dort blieb es aber nicht lange genug liegen. Deshalb wird heute das sogenannte Feuchtsalz auf der Straße verteilt. Hierfür wird das Salz mit einer Salzlösung (Sole) und Magnesium- und Calciumchlorid vermengt. Der Vorteil von Feuchtsalz ist: Es haftet besser auf der Fahrbahn. Der Nachteil: Es haftet auch besser am Unterboden Eures Fahrzeugs. Und kriecht an Stellen, die Ihr nicht einmal sehen könnt.


Das sind vor allem Achsteile, ungeschützte Blechüberlappungen oder Punktschweißnähte. Besonders betroffen sind die vorderen Kotflügel im oberen Bereich. Hinter der Radhausschale sammeln sich Salz und Schmutz, die dort ungestört am unzureichend geschützten Blech zu nagen beginnen. Auch die Unterbodenbodenverkleidung ist ein Nährboden für den gefährlichen Schmodder. „Moderne Fahrzeuge haben häufig nur noch im steinschlaggefährdeten Bereich Nahtabdichtungen. Alle übrigen Überlappungen sind nicht versiegelt", kritisiert Steinhöfer. Dank des Kapillareffekts wandert das Salz so in kleinste Spalte und Ritzen. Aufgrund der Vibration wirkt es dort wie Schmirgelpapier. Die Lackschicht wird angegriffen. Rost entsteht.


Generell sind alle Stellen, an denen sich Salz, Schmutz und Wasser sammeln, gefährdet. So zum Beispiel auch die Abschlussleisten an der Unterkante der Türen. Dort liegt die ohnehin schon sehr dünne Lackschicht meist nicht sauber auf. Durch das Öffnen und Schließen, den Fahrtwind und die Karosserievibrationen sind die Türen quasi ständig in Bewegung. Dass vollverzinkte Karosserien nicht rosten könnten, sei ein Irrglaube, erklärt der Experte. Die hauchdünne Zinkschicht „opfert" sich zwar kurzzeitig für das Blech, sobald diese aber durchgescheuert ist, beginnt die Korrosion.


Was bringt die Unterbodenwäsche?

„Mit der Unterbodenwäsche reinigt man bestenfalls sein Gewissen", schmunzelt Steinhöfer. Da der Unterboden moderner Fahrzeuge heute nahezu vollständig verkleidet ist, wäscht man in erster Linie die Kunststoffabdeckung. Bestenfalls Teile der Achsen und der Abgasanlage werden durch die Unterbodenwäsche abgeduscht. Steinhöfer empfiehlt deshalb, sein Fahrzeug im Abstand von drei Jahren zu einem professionellen Aufbereiter zu bringen. Dieser montiert alle Verkleidungen, Radhausschalen und Zierleisten ab, säubert und versiegelt die betroffenen Stellen.


Selbstverständlich soll das nicht heißen, dass Ihr Euer Auto im Winter nun nicht mehr zu waschen braucht. Allein der Lack, die Alufelgen und die Scheiben werden Euch eine gründliche Reinigung danken. Doch die Stellen, die gefährdet sind, erreicht Ihr damit nicht.

Was bringt die Hohlraumversiegelung?

Bei den meisten Fahrzeugen sind die Hohlräume ab Werk bereits mit Wachs versiegelt. Allerdings sind die Hohlräume selbst häufig gar nicht das Problem. Denn moderne Fahrzeuge rosten heute kaum mehr von innen nach außen, sondern vielmehr von außen nach innen. „Was nützt ein mit Wachs versiegelter Schweller, wenn der Rost an den Kontaktstellen der Unterbodenverkleidung entsteht?" gibt Steinhöfer zu bedenken. „Das Gesamtpaket ist entscheidend", erklärt er. Nicht nur die Hohlräume, sondern auch die Kontaktstellen, Schweißnähte und Blechüberlappungen sollten ausreichend behandelt werden.


Wie verhindert Ihr Feuchtigkeit im Innenraum?

Beschlagene Scheiben sind ein Sicherheitsrisiko. Um Feuchtigkeit im Innenraum zu vermeiden, tauscht die normalen Fußmatten am besten gegen Gummimatten aus. Alternativ könnt Ihr etwas Zeitungspapier unter Eure Stoffmatten legen. Und sollte sich doch einmal zu viel Feuchtigkeit im Auto ansammeln, wirkt ein Luftentfeuchter Wunder. Das mit einem speziellen Granulat gefüllt Kissen kann an der Windschutzscheibe oder im Fußraum des Fonds platziert werden und wirkt etwa 2-4 Monate.


Eine gut belüftete, trockene Garage ist der optimale Stellplatz im Winter. Garagen, in denen Pfützen stehen und die Luft nicht zirkulieren kann, eignen sich hingegen nicht. Das stickig-feuchte Klima treibt die Korrosion nur noch voran. In solchen Fällen steht das Auto besser auf der Straße.


Die wichtigsten Tipps zusammengefasst:

Das Feuchtsalz greift vor allem unzureichend geschützte Kontaktstellen, Blechüberlappungen und Schweißnähte an.

Mit der Unterbodenwäsche reinigt man in erster Linie die Kunststoffverkleidungen - die gefährdeten Stellen erreicht man damit nicht.

Eine Hohlraumversiegelung allein reicht nicht aus, da moderne Fahrzeuge von außen nach innen rosten.

Um Feuchtigkeit im Innenraum zu vermeiden, achtet auf trockene Matten und einen gut belüfteten Stellplatz.

Was habt Ihr für Erfahrungen mit Gammel und Rost gemacht?

Wir sind auf Eure Antworten gespannt.

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