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Düsseldorfer Maghreb-Viertel: Polizei ermittelt im Milieu der Antanz-Trickdiebe

Nach den Sex-Übergriffen in der Kölner Innenstadt auf Frauen prüft die Polizei, ob ein Zusammenhang zwischen sogenannten Antanz-Trickdieben und den Tätern aus der Silvesternacht besteht. Besonders schlimm wüten die Trickdiebe in Düsseldorf. Dort beobachten die Ermittler rund 2200 Verdächtige.

In der Silvesternacht sind vor dem Kölner Hauptbahnhof viele Frauen aus Männergruppen heraus sexuell belästigt und beklaut worden. Das Muster der Übergriffe gleicht den sogenannten "Antanzdiebstählen", bei denen die Täter ihre Opfer mit tanzenden Bewegungen ablenken und dann ausrauben. Die Polizei in Köln prüft momentan, ob ein Zusammenhang zwischen diesen Trickdieben und den Silvester-Tätern besteht. Klar ist: Besonders viele der Diebe, die sich des Antanz-Tricks bedienen, gibt es offenbar in Düsseldorf.

In der Landeshauptstadt haben die Behörden nach Polizeiangaben rund 2200 Personen im Visier, die als Tatverdächtige für Antanzdiebstähle und Raubüberfälle in Frage kommen. Einen entsprechenden Bericht der "Rheinischen Post" bestätigte Polizeisprecher Markus Niesczery auf Nachfrage von FOCUS Online. "Die Personen sind über eineinhalb Jahre hinweg in Gruppen in Erscheinung getreten", sagte Niesczery. Vornehmlich sollen die mutmaßlichen Täter aus dem nordafrikanischen Raum stammen und zwischen 15 und 35 Jahre alt sein. Brennpunkte ihrer Aktivitäten seien der Hauptbahnhof, der Flughafen und die Altstadt.


Täter gehen organisiert in Banden vor


Zu beobachten sei das Phänomen seit Ende 2013. "In diesem Zeitraum haben wir eine starke Zunahme von Gepäckdiebstählen festgestellt", sagte der Sprecher. Zudem hätten die Ermittler beobachtet, dass die Straftaten häufig von Banden ausgeübt wurden. Aus diesem Grund riefen die Düsseldorfer Ermittler Mitte 2014 das Auswertungs- und Analyseprojekt "Casablanca" ins Leben. Niesczery: "Es gibt eine Organisation. Man kann nicht von hierarchischen Verhältnissen sprechen, aber die Täter kennen sich, verbringen gemeinsam ihre Freizeit und ziehen in verabredeten Gruppen auf Beutezug." Viele von ihnen sollen nach "Focus"-Informationen Marokkaner sein. Der Großteil soll in Asylheimen wohnen.

Zur genauen Zahl, wie viele Fälle der Polizei in Düsseldorf im vergangenen Jahr bekannt geworden sind, konnte der Sprecher keine Angaben machen. "Antanz-Delikte werden nicht separat erfasst. Oft enden diese Fälle mit Taschen- und Trickdiebstählen oder auch in Raubüberfällen", betonte Niesczery.


Großrazzia mit 15 Festnahmen im Bahnhofsviertel


Als eine Art Sammelbecken der Diebe hat die Polizei das sogenannte Maghreb-Viertel nahe des Bahnhofs ins Visier genommen. Dort würden die Tatverdächtigen zum Teil wohnen und ihre Freizeit in Cafés verbringen. Vor rund einem Jahr schlug die Polizei mit einer Großrazzia in dem Viertel zu und nahm 15 Personen fest. Der dringende Verdacht damals: Es habe sich in dem Viertel ein Zentrum für Straßenkriminelle gebildet, die im Verdacht standen, Taschen- und Gepäckdiebstähle sowie Straßenraubdelikte, aber auch Einbrüche begangen zu haben.

Als Schlüsselfiguren der Düsseldorfer Banden gelten nach Informationen der "Bild"-Zeitung die Marokkaner Khalid N., 28, und Taouf M., 32, die als Asylbewerber gemeldet sind. Beide Personen seien Niesczery zufolge "oft polizeilich aufgefallen". Dennoch gehe man von eher "losen Zusammenschlüssen" aus.


Landtag beschäftigte sich mit Trickdiebstahl - ohne Erfolg


Die Ursachen für die massiven Probleme in der Rheinmetropole mit nordafrikanischen Trickdieben sieht Niesczery auch in der Stadt selbst. "Mit einer großen Amüsiermeile und einer reichen Klientel bestehen in Düsseldorf große Reize, von denen Diebesbanden angezogen werden", sagte der Beamte mit Blick auf die wohlhabenden Verhältnisse. Die seien inzwischen so bekannt, dass auch Gruppen aus benachbarten Städten und anderen Bundesländern nach Düsseldorf kämen.

Doch nicht nur in Düsseldorf beschäftigen organisierte Gruppen mit dem sogenannten Antanz-Trick die Polizei. In Dortmund reagierten die Ermittler inzwischen sogar mit der Gründung einer zweiten Sonderkommission auf die steigende Zahl an Delikten. Die Probleme mit Trickdiebstählen dieser Art sind in Nordrhein-Westfalen so gravierend, dass sich im vergangenen Juni der Innenausschuss des Landtags mit dieser besonders dreisten Form des Diebstahls beschäftigt hat. Doch der Antrag der CDU-Fraktion, das Antanzen als spezielles Delikt des Taschendiebstahls in der Kriminalstatistik zu erfassen, wurde damals abgelehnt.


"Schwierig, Täter dauerhaft von Straftaten abzuhalten"


Polizeisprecher Niesczery, der sich der Problematik in der täglichen Arbeit gegenübersieht, jedenfalls warnte: "Es ist schwierig, diese Täter dauerhaft von Straftaten abzuhalten."

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