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Die NBA plant eine „gigantische Spendenaktion"

Die nordamerikanische Profibasketballliga NBA hat sich in den letzten Jahren den Ruf erarbeitet, die vielleicht innovativste und fortschrittlichste Sportliga der Welt zu sein. Ihr Chef Adam Silver lies einst die Austragung des All-Star-Wochenendes von Charlotte nach New Orleans verschieben, weil es in Charlotte keine Sanitäranlagen für transsexuelle Personen gab. Weitere Beispiele für inklusives Denken folgten seitdem.

Auch jetzt, wo der Spielbetrieb in der NBA mindestens für einen Monat, aber sehr wahrscheinlich für einen deutlich längeren Zeitraum unterbrochen sein wird, zeigt sich die Liga aufgeweckt und solidarisch. Denn der Spielstopp hat zwar Einfluss auf die Spieler, Trainer und Offiziellen, vor allem aber auf das Personal, das rund um die Spiele arbeitet. Allein in den 29 Arenen arbeiten tausende Menschen im Auf- und Abbau, im Service oder in der Hospitality. Wie es in den USA Gang und Gäbe ist, sind viele von ihnen nicht fest angestellt, sondern arbeiten auf Rechnung, Monat für Monat und viele tun das seit Jahren. Tausende von ihnen könnten schon bald ihre laufenden Rechnungen nicht mehr zahlen, ihre Familien nicht mehr ernähren.

Der mit dem Coronavirus infizierte Rudy Gobert spendete 500.000 US-Dollar

Zahlreiche Spieler und Klubs haben nun damit begonnen, für die Lebensunterhaltungskosten der Mitarbeiter aufzukommen. Rudy Gobert beispielsweise, der erste mit dem Coronavirus infizierte Spieler der NBA, spendete insgesamt 500.000 US-Dollar an die Mitarbeiter seines Klubs Utah Jazz und verschiedene Hilfsprogramme. „Es ist der erste von vielen Schritten, die ich unternehmen werde, um zu helfen", wird Gobert in einem Statement zitiert.

Auch die Stars Giannis Antetokounmpo und Khris Middleton von den Milwaukee Bucks spendeten 100.000 Dollar unter anderem an das Arena-Personal. In New Orleans bezahlt Jungstar Zion Williamson die Rechnung der Arenamitarbeiter, in Cleveland spendete Kevin Love 100.000 Dollar. Für Adam Silver wäre eine „gigantische Spendenaktion" in Form eines Benefizspiels denkbar. Dabei könnte eine Handvoll NBA-Spieler antreten, die zuvor negativ auf das Coronavirus getestet wurden, sich in isolierter Quarantäne befanden und keine Ansteckungsgefahr darstellen. „Die Menschen sitzen zuhause fest und ich denke, dass sie Ablenkung gebrauchen könnten. Sie müssen unterhalten werden", sagte Silver dem US-Sportsender ESPN.

„Ein großes Lob an all die Spieler, Klubs und Besitzer, die in diesen schweren Zeiten mit gutem Beispiel vorangehen", lies Barack Obama ausrichten. Von Donald Trump fehlt zu den Spenden und Wohltaten der NBA noch jedes Wort. Als am Montag Donovan Mitchell, ebenfalls ein infizierter Spieler der Utah Jazz, bekanntgab, für die Essensverpflegung von mehr als 68.000 Schülern in und um Salt Lake City zu spenden, kommentierte ein Twitter-Nutzer unter der entsprechenden Meldung: „Das ist nett von ihm. Aber eigentlich sollte das unsere Regierung längst tun."

Auch in der NBA wird über Geisterspiele nachgedacht

Wann die Liga wieder wirklich spielen könnte, möchte Silver nicht beurteilen, er könne es derzeit schlichtweg nicht. „Ich bin von Natur aus aber optimistisch und ich will daran glauben, dass wir in der Lage sind, zumindest einige Teile dieser Saison zu retten." Denkbar seien vorerst Spiele ohne Zuschauer, an denen die Fans aber virtuell teilnehmen könnten, sodass eventuell sogar die Reaktionen aus den Wohnzimmern über die Lautsprecher in den Hallen ausgespielt werden: „Manchmal ergeben sich auch in den schlimmsten Krisen neue Möglichkeiten", sagt Silver.

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