3 Abos und 2 Abonnenten
Artikel

Auseinandersetzung zwischen Hertha-Fans und der Polizei

Nach der 0:3-Niederlage von Hertha BSC gegen den VfL Wolfsburg schlichen die Berliner Spieler am Sonntag mit hängenden Köpfen Richtung Ostkurve. Dort sang der Kern der aktiven Fanszene lautstark, schwenkte seine Fahnen und ermutigte die Mannschaft nach dem couragierten aber letztlich glücklosen Auftritt. Noch Minuten später, als die Spieler schon in den Katakomben verschwunden waren, sangen die Fans weiter. Sie feierten aber nicht nur die Mannschaft, sie sangen auch explizit für den Teil der Fanszene, der zurzeit nicht ins Stadion darf. Die sogenannte Sektion Stadionverbot ist seit wenigen Tagen nämlich deutlich größer geworden.

46 bundesweite Stadionverbote verhängte Borussia Dortmund am Montag gegen Hertha-Fans, neun davon auf Bewährung. Bei fünf Fällen verzichtete der Klub auf eine Erteilung des Stadionverbots. Damit machte der Klub die, auch von der Fanszene, erwartete Reaktion auf die Ausschreitungen vom 27. Oktober 2018 offiziell. Damals kam es vor dem Auswärtsblock zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen Herthanern und der Dortmunder Polizei. Die Fanhilfen von Hertha BSC und Borussia Dortmund sprachen anschließend von überzogener Polizeigewalt, die Dortmunder Polizei rechtfertigte den Einsatz mit dem minutenlangen Abbrennen von Pyrotechnik im Berliner Block. Das Spiel gegen Wolfsburg war das erste, das die Verurteilten nicht besuchen durften.

Rund 45 Minuten nach Abpfiff verließ auch die Fanszene das Olympiastadion. Mit einem Banner und einem Lied begrüßten sie die rund 40 Stadionverbotler auf dem Olympischen Platz. Auf Nachfrage bestätigte die Polizei diesen Ablauf. Die Herthaner hätten zusätzlich eine „polizeifeindliche Parole skandiert". Auf dem Stadionvorplatz kam es anschließend zu einer kleineren Auseinandersetzung zwischen einem Mitglied der Fanszene und zwei anderen Fans. „Das war eine kleine Schubserei, die umstehenden Fans wollten sofort schlichten", sagt Fritz Müller von der Fanhilfe Hertha BSC.

In der Folge kam es zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei, die, mit dem Ziel, die drei streitenden Herthaner festzunehmen, wahllos auf eine Vielzahl unbeteiligter Herthaner zugegangen sei. In einer Stellungnahme schrieb die Fanhilfe von einem „brutalen Angriff" mit „unzähligen Verletzten". Auch „als solche erkennbar auftretende und vermittelnd wirkende" Mitarbeiter der Fanbetreuung des Klubs sowie eine Rechtsanwältin seien verletzt worden. Eine Quelle aus dem Vereinsumfeld habe der Fanhilfe im Nachgang bestätigt, dass der Hundertschaftleiter zu den Polizisten gesagt habe: „Ich erkläre euch jetzt mal, was ihr in eure Berichte schreibt." Die festgenommene Person aus der Fanszene berichtete, im Einsatzwagen von den Beamten übel beleidigt worden zu sein.

Die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein

Die Polizei schildert den Tatvorgang anders. Die körperliche Auseinandersetzung der drei Person sei von nahestehenden Polizeikräften schnell unterbunden worden. „Bei den durchgeführten Freiheitsentziehungen wurden die eingesetzten Polizeikräfte durch sich solidarisierende Fußballfans bedrohlich mit zum Teil geballten Fäusten bedrängt, erste Trittversuche in deren Richtung wurden unternommen", heißt es von der Polizei. Und weiter: „Zum Eigenschutz und zur Sicherung der Festnahmen wurde durch die Polizeikräfte körperlicher Zwang gegen die beteiligten Personen angewandt. Zudem kam es durch die Polizei zum Einsatz von Pfefferspray." Die Polizei bestätigte, dass die drei Männer festgenommen wurden: „Insgesamt wurden dazu drei Srafanzeigen aufgenommen - zwei wegen Körperverletzung und eine Anzeige wegen Landfriedensbruchs." Das von der Fanhilfe wiedergegebene Zitat des Hundertschaftsleiters blieb unkommentiert.

Gegenüber der Berliner Morgenpost erklärte Hertha BSC: „Wir haben am Sonntagabend unmittelbar nach dem Vorfall die Meldung über eine polizeiliche Lage bekommen. Daraufhin waren Vertreter von Hertha BSC umgehend vor Ort, um sich persönlich ein Bild zu machen und sich informieren zu lassen. Ebenso wurde der folgende polizeiliche Vorgang auf der Stadionwache von Hertha BSC begleitet."

Auf die 46 Stadionverbote von Dortmund könnten nun weitere Folgen. Verantwortlich dafür ist in diesem Fall Hertha BSC selbst, der Gastgeber des Spiels vom Sonntag. Ob der Klub von diesem Mittel Gebrauch machen wird, ist noch nicht bekannt. Eine Entscheidung diesbezüglich dürfte noch Wochen oder Monate auf sich warten lassen. Klar ist, dass die Sanktionen in ihrer Menge Herthas Fanszene hart treffen. „Jedes einzelne Stadionverbot ist eines zu viel", sagt Fritz Müller.

Die Fanhilfe fordert „eine lückenlose Aufklärung, bis hin zu personellen und strafrechtlichen Konsequenzen." Die weiteren Ermittlungen würden noch andauern, heißt es von der Polizei. Herthas erstes Heimspiel der neuen Saison bekam somit nicht nur sportlich einen faden Beigeschmack.

Zum Original