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Feuerball fliegt über den Himmel

Schnaitsee/Grafenau. Engelbert Bruckmaier aus Schnaitsee (Lkr. Traunstein) konnte seinen Augen kaum trauen, als er am Montagnachmittag ein gleißendes Licht am Himmel sah. "Da war ein heller Feuerball am Himmel und der hat einen Lichtschweif hinter sich her gezogen", erzählt er. "So schnell, wie der gekommen ist, war er auch wieder weg. Ich hatte keine Chance, ein Foto zu machen." Eine Sternschnuppe mitten am Tag? Das hatte er noch nie gesehen. Doch mit seiner Beobachtung ist er nicht alleine.

Einen Tag später, am Dienstagmorgen, wurden der Internationalen Meteoren Organisation bereits 350 Sichtungen eines Feuerballs gemeldet. Nicht nur in Oberbayern konnte man das Naturschauspiel sehen, sondern auch in Niederbayern, Baden-Württemberg, Österreich, Tschechien, der Schweiz und Italien. Tatsächlich handelte es sich bei dem Lichtblitz am Himmel um einen Meteor, also einen Gesteinsbrocken aus dem Weltall, der in die Erdatmosphäre eingetreten und verglüht ist.

Für Thomas Hilger, den 1. Vorstand des Vereins Astronomie im Chiemgau, ist ein solcher Meteor etwas ganz Besonderes. "Das kommt wirklich sehr selten vor. In den letzten ein, zwei Jahren hatten wir vielleicht drei oder vier solcher Sichtungen bei Tageslicht", erzählt er. Der Grund für die Helligkeit des Meteors ist dessen Größe. "Wenn ein Meteor so hell ist, muss er mindestens faustgroß gewesen sein. Bei so einem großen Objekt ist es sehr wahrscheinlich, dass es nicht vollständig verglüht, sondern auf der Erdoberfläche gelandet ist", erklärt Hilger. Trifft ein Gesteinsbrocken aus dem Weltall auf die Erdoberfläche, spricht man nicht von einem Meteor, sondern von einem Meteoriten.

Ob das passiert ist, versuchen Astronomen im Nachhinein herauszufinden. "Wenn man einen Feuerball sieht, kann man das im Internet melden. Anhand der Meldungen versucht man dann, die Bahn und den Einschlagpunkt zu berechnen", erklärt Hilger. In diesem Fall wird es jedoch schwierig, den Weg des Meteors genau nachzuverfolgen. "Tagsüber haben wir keine weiteren Anhaltspunkte, also zum Beispiel keine weiteren Sterne am Himmel, die dabei helfen, den genauen Ort der Sichtung zu lokalisieren", so der Experte. Auch Videoaufnahmen fehlen, denn "in Deutschland gibt es zwar 100 Meteorkameras, die den Nachthimmel filmen und Ereignisse aufzeichnen. Am Tag zeichnen die aber nichts auf", so Hilger.

Die Menschen in der Region sind trotz Tageslicht auf die Feuerkugel aufmerksam geworden, auf der Webseite der Sternwarte Gahberg in Österreich häuften sich deshalb aufgeregte Meldungen. Auch ein Hobbyastronom aus Grafenau im Bayerischen Wald meldet sich hier zu Wort: "Ein bis zwei Sekunden Feuerball mit einem langem Schweif! War für Minuten nicht in der Lage, das in meinem Hirn umzusetzen, so derart unrealistisch wirkte das auf mich."

In Bayern und Österreich konnte man den Meteor nicht nur sehen, einige konnten ihn auch hören. So schreibt ein Nutzer in der Facebook-Gruppe "Du kommst aus Berchtesgaden, wenn...": "Ich habs in der Schönau gehört, aber leider nicht gesehen." Eine andere Nutzerin hörte das Geräusch auch, ordnete es aber anders ein. "Hab dacht am Göll is a Lawine abgegangen", schreibt sie.

Dass die Menschen in Südostbayern und Österreich ein Geräusch hören konnten, wundert Experte Thomas Hilger nicht. "Wenn der Meteor über einen hinweg zieht, kann man das auch hören. Das klingt ein bisschen wie ein Donnern", erklärt er. Außerdem fügt er an: "Die Sichtungen lassen darauf schließen, dass der Meteor in der Region über Salzburg geflogen ist."

Auch bei Nacht wäre ein so großer und damit heller Meteor eine Besonderheit gewesen. "Da wird es auf einen Schlag so hell wie bei Vollmond. Da kann man die Zeitung lesen", so Hilger. "Wenn er dann weg ist, glüht es noch eine Zeit lang nach. Am Tag kann man vielleicht eine Rauchspur sehen."


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