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Digitale Achtsamkeit: 4 Apps im Praxischeck

Onlinebanking, GPS, Facebook, Whatsapp, Erinnerungen - dein Smartphone IST dein Leben? Dann bist du sicher nicht allein. Smartphones sind Multitasking-Talente, keine Frage. Aber wie gut ist das für deine Gesundheit? Jede App schickt dir Push-Nachrichten, ständig gucken wir auf das Handy, um nichts zu verpassen und verpassen dabei doch irgendwie das wahre Leben. Ohne dass wir es merken, raubt uns das Smartphone Zeit. Der ständige Nachrichten-Stream zieht uns in seinen Bann, und zwar kinderleicht, denn alles, was es braucht, ist ein Klick auf eine App, um sich in der digitalen Welt zu verlieren. Es ist kein Geheimnis mehr, dass die Schnelllebigkeit der modernen Welt Stress auf uns ausübt - mit gravierenden Folgen auf unsere körperliche und mentale Gesundheit. Aber was, wenn dir dein Smartphone zur Abwechslung mal hilft, zu entspannen und mehr Achtsamkeit in dein Leben zu bringen? Geht nicht? Und ob! Erfahre hier, warum digitale Apps und Achtsamkeit kein Widerspruch sind und erhalte einen Überblick über die besten Apps.


In diesem Artikel erfährst du

warum digitale Apps und Achtsamkeit kein Widerspruch sind
was Achtsamkeitsapps sind wie sie sich unterscheiden
worauf du bei der Wahl der App achten solltest
was sie leisten können und was nicht

Sport, nach Hause zum Abendessen und sind uns dabei gedanklich immer einen Schritt voraus. Um abzuschalten, spielen wir auf dem Tablet oder Smartphone Tetris oder lösen Kreuzworträtsel. Aber ist das abschalten? Nein. Es ist Ablenkung – von uns, dem Alltag, und der dringend benötigten Ruhe, die wir aber verlernt zu haben scheinen. Ruhe bedeutet, die Gedanken im Hier und Jetzt zu halten, den Moment bewusst zu erleben, die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was wir tun. Wer das einmal probiert hat, hat sicherlich schnell gemerkt, wie schwer es ist.

Meditieren zu lernen kann schlichtweg frustrierend sein und selbst Achtsamkeit in die alltäglichen Tätigkeiten zu bringen, ist nicht leicht. Und jetzt soll auch noch das Smartphone, das sonst nur Schnelligkeit ins Leben bringt, uns helfen, achtsam zu werden? Warum nicht dem Smartphone die Chance geben, uns wirklich etwas Gutes zu tun?!


Achtsamkeitstraining digital – wie geht das?

Zum Abnehmen, zum Schlafen, zum Kochen, zum Spielen, zum Gitarre lernen, zum Urlaub buchen – für alles gibt es heutzutage eine App und ständig kommen neue hinzu. Mit dem steigenden Bedürfnis der Menschen nach mehr Ruhe und Besonnenheit, wächst auch die Zahl der Meditations- und Achtsamkeitsapps. Achtsamkeit und Smartphone – klingt nach Widerspruch? Ist es aber nicht. Deine Meditationsapp schickt dir nicht alle paar Minuten Puh-Up Mitteilungen, es gibt keinen Nachrichtenfeed und niemand postet dort Fotos von seiner letzten Reise. Im Gegenteil: wenn du die für dich richtige App findest, kann sie dir helfen, abzuschalten. Einige Apps arbeiten mit Naturgeräuschen, andere mit Mantras, Farben, Klängen, Yogaübungen, Atemübungen oder geführten Meditationen. Wichtig ist, die Technik und App zu finden, die am besten zu dir passt. Aber worauf solltest du bei der Wahl der App achten?

Hier ein paar Tipps:

1. Mache dir dein Ziel bewusst:
So wie du wahrscheinlich auch in den Supermarkt mit einer Einkaufsliste gehst, überlege dir, was du dir von einer App erhoffst, welche Ziele du erreichen willst: Stress reduzieren? Ängste ablegen? Das Rauchen aufgeben? Schlafstörungen lösen? Bewusster Atmen lernen? Frage Google, stelle Recherchen an und nimm dir Zeit, nach der richtigen App für dich zu suchen.

2. Datenschutz:
Stelle sicher, dass die App deine Privatsphäre und Daten schützt. Lies dir die Datenschutzrichtlinien durch, bevor du eine App herunterlädst.

3. Wer hilft bei Fragen?
Ob Anfänger oder Fortgeschrittener: irgendwann treten immer Fragen zur eigenen Praxis auf. Eine gute App bietet die Möglichkeit, einen Experten oder Trainer zu kontaktieren.

4. Vielfältiges Angebot:
Gerade für Anfänger, die sich noch nicht so gut auskennen, sind die Apps hilfreich, die eine Vielzahl an Möglichkeiten anbieten, um verschiedene Techniken ausprobieren zu können und herauszufinden, was am besten zu dir passt: Geführte Meditationen, Atemübungen, Soundmeditation, Muskelrelaxation oder einfach nur einen Gong mit Timer?

Meditieren kann man auch in digitaler Form

5. Verschiedene Levels:
Eine gute App sollte verschiedene Levels für Anfänger und Fortgeschrittene haben. Als Anfänger brauchen wir noch viel Anleitung, aber mit der Zeit ändert sich dies. Eine gute App erlaubt dem Nutzer, zwischen viel und wenig Anleitung zu wählen, zum Beispiel zwischen einer komplett geführten 10 minütigen Meditation oder einem einfachen Gong zu Beginn.

6. Ausprobieren:
Wir alle haben unsere Vorlieben und kein Lehrer der Welt kann alle Vorlieben erfüllen. Darum hilft nur ausprobieren. Die meisten Apps haben kostenlose Probeversionen oder eine kostenfreie Basisversion mit eingeschränktem Angebot.

7. Veränderung zulassen:
Behalte im Hinterkopf, dass sich Vorlieben ändern, was dir heute gefällt oder gut tut, unterscheidet sich vielleicht von dem, was dir in 6 Monaten gefällt. Bedenke das, bevor du lange Abos abschließt.


Was ist die beste App für dein Achtsamkeitstraining 2020?

Dr. Amishi Jha ist Neurowissenschaftlerin und Professorin für Psychologie an der University of Miami mit Schwerpunkt Aufmerksamkeit. Sie sagt: „Eine App kann einen Experten nicht ersetzen, die richtige App kann jedoch eine hervorragende Unterstützung im Lernprozess sein. Auch die Effektivität von Apps ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend belegt, bisher wurden nur etwa 10 Apps auf dem Markt untersucht.“ Diana Winston vom Mindful Awareness Research Center der U.C.L.A. (University of California Los Angeles) gibt zu bedenken, dass Apps derzeit noch keinen Qualitätsstandards unterliegen und man als Nutzer nicht weiß, ob ein Lehrer 20 Jahre Erfahrung hat oder keine.


Es gibt Apps sowohl für Anfänger als auch für Erfahrene.

Zwar kann eine App keinen persönlichen Meditationskurs mit einem zertifizierten Lehrer ersetzen, sie kann aber Hilfestellungen geben und eine Unterstützung im Lernprozess sein, darin sind sich die Wissenschaftler einig, denn Apps bieten auch Vorteile sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene. Zudem kannst Du mit den unterschiedlichen Apps testen, welche Art von Achtsamkeits-Übungen dir eher liegen und welche nicht. Die Erfahrungen mit den unterschiedlichen Apps können dir später erleichtern, den für dich am besten passenden Trainer zu finden.

Die meisten Apps bieten eine kostenlose Basisversion, sind also auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Viele Apps bieten die Möglichkeit, verschiedene Methoden und Techniken auszuprobieren und kennenzulernen und du kannst sie überall und jederzeit nutzen, zum Beispiel in der Mittagspause, kurz vor dem Einschlafen, sogar im Supermarkt oder in der Straßenbahn. Je nachdem, wie viel Zeit du zur Verfügung hast, kannst du zwischen Übungen von wenigen Minuten bis mehreren Stunden wählen. Aber denk dran: Ob Soundmeditation oder Körperwahrnehmung – auch eine App wird dir die mentale Arbeit nicht abnehmen, die du leisten musst, um achtsamer zu werden. Diese musst du mit oder ohne App selbst leisten.
Zugegeben, die schiere Anzahl an Achtsamkeits- und Meditationsapps kann schon überfordern, darum haben wir hier die besten 4 Apps für dich ausprobiert. Aber klar, am Ende musst du selbst ausprobieren, um herauszufinden, welche App am besten zu dir passt.

1. Headspace:
Eine der bekanntesten Apps auf dem Markt für Android, Web und iOS mit benutzerfreundlicher Oberfläche und über 45.000 5-Sterne Bewertungen und Millionen von Downloads. Hier wird jeder fündig, dank der großen Auswahl an Meditationen für jedes Ziel von besser schlafen über Ärger loslassen oder Stress reduzieren. Es gibt Meditationsübungen von wenigen Minuten für Menschen mit wenig Zeit und lange Meditationen. Zur Begrüßung gibt es die Basisversion für 10 Tage kostenlos inklusive eines 10-tägigen Meditationskurses für Anfänger. Deinen Fortschritt kannst du genau verfolgen. Gründer Andy Puddicome ist ehemaliger Mönch und führt selbst durch viele Meditationen – allerdings nur auf Englisch. Nach 10 Tagen ist die App kostenpflichtig, dafür kriegst du täglich neue Übungen: Entweder 12,99 Euro/Monat oder 57,99 Euro pro Jahr.

2. Calm:
Über 30.000 Nutzer haben diese App bereits mit 5 Sternen bewertet, Millionen Menschen haben sie heruntergeladen. Calm bietet Programme für Anfänger und Fortgeschrittene, angeleitete Meditationen, Atemübungen, Soundmeditationen und vieles mehr zwischen 3 und 25 Minuten. Täglich kommen neue Meditationen hinzu. Die Masterklassen werden von internationalen Experten angeleitet. Die Oberfläche ist benutzerfreundlich und die Basisversion ist kostenlos für iOS und Android erhältlich. Die Premium-Variante kommt in verschiedenen Preisklassen ab 12,99 USD/Monat, 59,99 USD/Jahr oder als Lifetime-Abo für einmalig 299,99 USD. Die kostenlose Testversion ist 7 Tage gültig. Calm ist verfügbar für iOS, Android und Web.

Es gibt Basisversionen die kostenlos sind. Es besteht aber auch die Möglichkeit die "Voll-Version" zu erkaufen.

3. 7Mind:
Eine Meditationsapp aus Deutschland! Die Basisversion ist kostenlos, die Premiumversion kostet 11,99€/Monat oder 59,99€/Jahr. Die Lifetime-Lizenz gibt es für 149,99€. Das Unternehmen arbeitet eng mit Wissenschaftlern und erfahrenen Lehrern zusammen. Bonus: Das Berliner Unternehmen arbeitet mit verschiedenen Krankenkassen zusammen, die die Kosten anteilig übernehmen. 7 Mind bietet eine benutzerfreundliche Oberfläche und vielfältige Übungen für einen besseren Schlaf, zum Entspannen, zur besseren Konzentration und vieles mehr in unterschiedlicher Länge. 7Mind gibt es für Android, iOS und Web. Bereits über 1 Millionen Deutsche haben die App heruntergeladen.

4. Insight Timer.
Millionen Menschen haben Insight Timer heruntergeladen. Die kostenlose Basisversion bietet über 45.000 geführte Meditationen, Vorträge von Experten, mehrtägige Kurse, Musik und Geschichten zum Einschlafen, Entspannungsmusik, Anfängerkurse, tägliche Tipps und Meditationen für Eltern und Kind. Die App mit der benutzerfreundlichen Oberfläche gibt es für Android und iOS. die Premiumversion kostet 9,99 US Dollar monatlich oder 59,99 US Dollar jährlich, bietet 10-30-tägige Kurse und erlaubt das Herunterladen der verschiedenen Meditationen.

Digitale Achtsamkeit: 4 Apps im Praxischeck

Ob mit oder ohne App, Achtsamkeits- und Meditationsübungen erfordern Willen und Disziplin. Denn auch eine App nimmt dir die Arbeit nicht ab. Sie kann dich aber gut unterstützen und inspirieren, denn sie bietet vielfältige Übungsformen für jeden Geschmack. Ob wenige Minuten oder eine ganze Stunde, Apps erlauben dir dann und dort zu üben, wo du willst und wann du es brauchst.

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