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Sprachen lernen nach neuem Konzept - Neurowissenschaft | PM Online

Lernen wir Fremdsprachen falsch? Eine neue Studie stellt traditionellen Sprachunterricht infrage und zeigt: Unser Gehirn erkennt Grammatikfehler, wenn sie uns noch gar nicht bewusst sind. Deshalb könnte es sinnvoll sein, Grammatik zuerst „nach dem Gefühl" zu erlenen und nicht durch Auswendiglernen.


Forscher der Universität Oregon, USA, lieferten jetzt den Beweis, dass unser Gehirn Grammatikfehler selbst dann registriert, wenn sie uns gar nicht auffallen. Aber gleichzeitig trägt unser Gehirn auch dazu bei, dass uns die Fehler gar nicht erst bewusst werden: Denn es bemerkt sie nicht nur, sondern korrigiert sie auch automatisch, ohne dass wir es merken; In diesem Fall überlesen wir die Fehler und verstehen problemlos den Sinn grammatikalisch falscher Sätze.


Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie die Gehirnaktivität englischer Muttersprachler mithilfe der sogenannten Elektroenzephalographie. Hierfür befestigten sie Messfühler an den Köpfen der Versuchsteilnehmer. Ist ein Bereich des Gehirns aktiv, ist dort elektrische Aktivität messbar.


Während des Experiments lasen die Testpersonen Sätze auf einem Monitor, die entweder grammatikalisch richtig oder falsch waren. Wann ein korrekter und wann ein falscher Satz kam, wussten die Teilnehmer nicht. Zusätzlich hörten die Probanden beim Lesen der Sätze ein störendes Geräusch, das die Forscher an einem beliebigen Zeitpunkt abspielten. Der Sinn: die Konzentration der Teilnehmer zu stören.


Sobald die Personen den Ton hörten, mussten sie schnellstmöglich bewerten, wie laut er war. Dann mussten sie angeben, ob der gelesene Satz richtig oder falsch war. Das Ergebnis: Die Probanden nahmen nur die Hälfte der Grammatikfehler wahr, wenn der störende Ton kurz vor dem Fehler ertönte. Lasen sie zuerst den fehlerhaften Satzteil und hörten dann den Ton, registrierten sie 89 Prozent der Fehler.


Spannend ist, dass das Gehirn der Testpersonen auch auf die Fehler reagierte, die sie nicht bewusst erkannten. In diesen Fällen reagierten die Freiwilligen auch langsamer auf den störenden Ton. Vermutlich, so die Forscher, brauchten die Teilnehmer länger, um den Ton zu bewerten, da ihre Gehirne im selben Augenblick die Fehler für sie korrigierten und den Sätzen Sinn gaben. Die Forscher schlussfolgerten, dass das Gehirn grammatikalische Informationen auch dann verarbeitet, wenn wir sie nicht wahrnehmen und dafür sorgt, dass wir den Sinn der Sätze erkennen.


Fremdsprachen sind heutzutage in vielen Branchen wichtig für den beruflichen Erfolg. Klassische Lehrmethoden gehen oft nach einem strikten Muster vor, das die Bedeutung der Schriftzeichen in den Mittelpunkt stellt. Kinder hingegen lernen Sprachen unbewusst durch Hören und Sprechen, bevor sie grammatikalische Gesetze lernen. Auch in der Erwachsenenbildung so die Forscher, sollten Grammatikregeln indirekt vermittelt werden. Denn unser Gehirn hilft uns, auch aus Quatsch schlau zu werden und zu lernen - und das ganz ohne die korrekte Schreibweise.

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