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Das sind die Neuen

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Wir stellen zehn Menschen vor, die derzeit weltweit die Mode verändern, wie wir sie kannten. Ihr Motto: Miteinander statt gegeneinander, neugierig und offen für maximale Vielfalt.


Barbie Ferreira, 21, Model, New York

 

“Wir können das Internet besser machen, indem wir aufhören, unecht zu sein.“ Für ihre halbe Million Follower möchte Barbie Ferreira ein Vorbild sein und zeigen, dass nicht immer alles perfekt ist. Mit 16 landete sie in einer American-Apparel-Kampagne und wehrt sich seither als Model mit Größe 44 gegen bearbeitete Bilder und den Begriff „Plus Size“.

 

Ist Image für deine Generation wichtiger als für vorherige?

Uns stehen so viele Wege offen, um unsere Träume zu realisieren. Nicht jeder kann Filmstar werden, aber jeder kann umsonst einen Account haben. Das Internet ist demokratisch.

 

Was bewirkt die permanente Verbundenheit über das Netz?

Wir sehen, was in der Welt passiert, wir wollen, dass sie sich verändert. In unserer Generation gibt es viel mehr Mitgefühl und Empfindsamkeit als früher.

 

 

Ludovic de Saint Sernin, 27, Modedesigner, Paris/London

 

Ludovic de Saint Sernin wuchs an der Elfenbeinküste auf, dann zog er nach Paris. Schnell wird es ihm bei Balmain zu bequem, 2017 zeigte er seine erste Kollektion in erdigen Tönen, verziert mit Leder, handgefertigter Keramik und vielen sexueller Referenzen. Präsentiert wurde die Ode ans Erwachsenwerden an Männern – an Frauen sieht sie genauso verführerisch aus. Von der „New York Times“ bis zur US-„Vogue“ waren sich alle einig: Dieses Label muss man kennen.

 

Wie wichtig ist Authentizität?

Extrem! Nur dann können sich andere mit einem identifizieren.

 

Was wird in der Mode wichtig?

Die Nähe zwischen Designern und ihren Kunden. Dafür nutze ich Instagram.

 

Was zeichnet deine Generation aus?

Wir sind eher eine Gemeinschaft, weniger Individualisten. Ich habe dann Erfolg, wenn meine Freunde auch erfolgreich sind.



Gesine Försterling, 31, Modedesignerin, Mailand

 

In ihrer Abschlusskollektion für die Universität der Künste Berlin steckt so viel Arbeit, dass Gesine Försterling die Unikate nie verkaufen würde. Jedes einzelne Stück ist bis ins kleinste Detail bearbeitet: bestickt, bedruckt, verwebt oder zerfranst. Ihre Version maskuliner Arbeitskleidung brachte ihr nicht nur den hochdotierten Chloé Prize beim Hyeres Festival 2017, sondern auch eine Position als Designerin beim luxuriösen Streetwear-Label OAMC in Mailand.

 

Was unterscheidet deine Generation von vorherigen?

Vorherige Generationen waren pragmatischer und materialistischer, sie waren genügsamer und dem Arbeitgeber gegenüber loyaler. Wir wurden mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein erzogen, uns wurde mehr Individualität zugestanden. Wir sind nicht bereit, die Dinge einfach hinzunehmen.

 

 

Tao Ling, 25, Blogger, bekannt als Mr. Bags

 

Auf seiner ersten Reise ohne Eltern entdeckte der Blogger aus Peking vor sieben Jahren in Los Angeles seine Liebe zur Mode. Seine Suche nach der perfekten Handtasche verfolgten schnell Tausende, heute verkauft er binnen Minuten limitierte Kollektionen, die er mit Marken wie Fendi, Burberry und aktuell Longchamps entwickelt.

 

Wie wichtig ist Luxus für deine Generation?

Er ist ein Weg zum Glück. Mit einer Designerhandtasche aus einer limitierten Kollektion kann man Individualität beweisen. Der eigene Stil ist auch ein Weg, sich von den Eltern zu emanzipieren, die oft den beruflichen Werdegang bestimmen.

 

Der wichtigste Unterschied zu den älteren Generationen?

Zeitungen und Fernsehen sind bedeutungslos. Die Generation Z informiert sich nur über Smartphone und WeChat.

 

 

John Alexander Skelton, 28, Modedesigner, London

 

Über Musik und Skaten kam John Alexander Skelton zur Mode. Mit seiner Abschlusskollektion am Central Saint Martins gewann er 2016 den renommierten L'Oréal Prize. Er lässt sich von der Arbeiterklasse in seiner nordenglischen Heimat York oder in den Archiven der British Library inspirieren. Skelton arbeitet ausschließlich mit nachhaltigen Materialien und kennt die Herkunft jedes seiner Garne.

 

Muss sich die Mode verändern?

Wären die Schauen auf das Jahr verteilt, würden alle davon profitieren. Nachhaltig und gleichzeitig kreativ zu arbeiten ist die Herausforderung.

 

Was macht deine Generation anders?

Keiner hat Zeit. Alles ist oberflächlich, Werte gehen verloren, wenige haben starke Meinungen und zugleich den Intellekt, sie zu rechtfertigen.

 

 

Alexandra Gordienko, 27, Verlegerin des „Marfa Journal“, Fotografin, London/Paris

 

Kunst produzieren, zusammen sein, phantastisch bleiben – so lautet das Motto des Mode- und Kunst-Magazins, das Alexandra Gordienko nach der texanischen Kleinstadt Marfa benannt hat, einem „Zentrum der kulturellen Unordnung“. Das gefällt Kreativen wie Designer Jonathan Anderson, Regisseur Gaspar Noé oder Schauspielerin Chloe Sevigny. Die gebürtige Russin Gordienko arbeitet nur mit Freunden, deswegen heißt das „Marfa Journal“ inzwischen auch „Marfamily“.

 

Wieso gibst du ein Magazin heraus?

Um selbst entscheiden zu können, wie und mit wem ich arbeite. Als Angestellte bin ich völlig ungeeignet: Ich bin zu eigensinnig.

 

Gibt es in deiner Generation noch Statussymbole?

Ja, aber es sind keine Objekte, es geht darum, wen du kennst.

 

Was unterscheidet euch von euren Eltern?

Unser Tempo.

 

 

August Bard Bringéus, 28, und Jakob Dworsky, 30, Gründer des Modelabels Asket, Stockholm

 

Die beiden Freunde haben Asket 2015 gegründet, um „zeitlose Klassiker aus der Mode zu befreien“. Das schwedische Wort Asket bezeichnet wie im Deutschen einen enthaltsam lebenden Menschen. Bringéus und Dworsky verkaufen das überschaubare Angebot an Männer-Basics, erhältlich in 15 statt fünf Größen, ausschließlich über die eigene Website, wo sie die Produktion jedes Stücks bis ins Detail erklären.

 

Wie hat sich das Konsumbewusstsein verändert?

Die Generation Y ist damit aufgewachsen, dass Kleidung nichts kostet, dass man nicht kritisch hinterfragt, warum ein T-Shirt billiger ist als ein Big Mac. Die Generation Z will den schnellen Konsum jetzt und in Zukunft nicht mehr. Unser Mantra der Nachhaltigkeit werden wir an unsere Kinder weitergeben.

 

 

Claire Barrow, 27, Modedesignerin und Künstlerin, London

 

Schon während ihres Studiums wurden ihr die handbemalten Lederjacken aus den Händen gerissen – von der britischen „Vogue“, „i-D“ und Rihanna. 2015 entschied sie, sich vom Rhythmus traditioneller Saisons zu lösen. Seither präsentiert sie ihre Arbeiten in Galerien und kreiert in Zusammenarbeit mit Stores kleinere Kollektionen. Sie liebt Memes, lässt sich von Punk und Do-it-yourself-Kultur inspirieren und fotografiert ihre Mode am liebsten mit Freundin Eloise Parry.

 

Sind Geschlechterzuschreibungen überholt?

Es wird immer Femininität und Maskulinität geben, aber nicht mehr an ein bestimmtes biologisches Geschlecht gebunden. Die Leute sollen die Wahl haben, auch bei Mode.

 

Wie wichtig ist Image für deine Generation?

Instagram hat uns oberflächlicher gemacht – in echt sind wir aber gar nicht so cool.

 

 

Paul Hameline, 22, Model, Paris/London

 

Paul Hameline ist eine Seltenheit: ein männliches Supermodel, das nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht. 2014 lief er für das Label Vetements und avancierte zur Muse des Designers Demna Gvasalia und seiner Stylistin Lotta Volkova. Hameline studiert Kunst, liebt Filme und macht das Zine „Rave New World“ mit und für seine Freunde.

 

Welche Bedeutung hat Image für deine Generation?

Über Soziale Medien kann man sein Image heute einfacher lenken. Gerade deshalb ist Authentizität der wichtigste Wert. Mitgefühl und Privatsphäre sind wichtig – gerade in Zeiten der totalen Instagram-Transparenz.

 

Was empfindest du als schön?

Nichts ist attraktiver als Ehrlichkeit, Eleganz, ein kulturelles Bewusstsein und Selbstvertrauen. Es gibt nichts Schöneres als jemanden, der weiß, was er will und was er nicht will.

 

 

Rafaela Kaćunić, 28, Verlegerin von „This is Badland“, Art-Direktorin und Model, Berlin

 

„This is Badland“ heißt das Magazin, das den „anderen“ Balkan zeigt. Die Herausgeberin Rafaela Kaćunić ist als Kind kroatischer Eltern zwischen Nordrhein-Westfalen und Split in Kroatien aufgewachsen. Mit ihrem Magazin beleuchtet sie die Kreativszene einer Region, die lange unbeachtet blieb.

 

Wieso gibst du ein Magazin heraus?

Wir wollen den Balkan von den Klischees befreien, die ihm immer noch anhängen, uns interessiert die hybride Identität der neuen Balkan-Generation.

 

Was unterscheidet deine Generation von vorherigen?

Wir sind leichter und freier und wollen überall zuhause sein, als ob man in einer Cloud lebt. Ich könnte mir vorstellen, alle drei Jahre woanders hinzuziehen, bis an mein Lebensende.

 



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