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Vanille kostet mehr als Silber

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Geringe Ernten, hohe Nachfrage und zunehmende Diebstähle: Der Vanillepreis will nicht sinken. (Foto: Roland Weihrauch/dpa)

Vanille ist seit Jahren extrem teuer. Ein Ende des hohen Preises ist nicht in Sicht.


Mit dem Eisessen ist es so eine Sache: Die einen bevorzugen den lieblichen Geschmack von Vanille, die anderen greifen lieber zu Schokolade. Beide Klassiker gehören seit jeher zu den beliebtesten Eissorten Deutschlands.

Seit einiger Zeit aber haben Freunde des Vanilleeises einen Nachteil: Weil der Preis des Gewürzes so stark gestiegen ist, sind Hersteller und manche Eisdielen dazu übergegangen, für die Sorte mehr Geld zu verlangen - zumindest dann, wenn sie echte Bourbonvanille enthält. Und auch in diesem Jahr zeichnet sich kein Rückgang der hohen Preise ab. Geringen Ernten, Diebstähle und eine stark steigenden Nachfrage haben den Preis seit fünf, sechs Jahren anziehen lassen. Zurzeit kostet ein Kilogramm Vanille etwa 600 Euro und ist damit nach Safran das zweitwertvollste Gewürz der Welt. Selbst das Edelmetall Silber ist mit 490 Euro pro Kilogramm günstiger.

Eisdielen sind dabei längst nicht die einzigen Abnehmer. Die Orchideenpflanze ist auch als Duftstoff beliebt, in vielen Seifen, Körperlotionen, Shampoos und Raumdüften findet sich der dezente Vanillegeruch.

Anbauen dürfen Kleinbauern die äußerst teure und knappe Bourbonvanille dabei ausschließlich auf Madagaskar, La Réunion und auf den Komoren. Madagaskar deckt nach Schätzungen knapp vier Fünftel des weltweiten Bedarfs ab und bestimmt mit seiner Produktion die Preisentwicklung der Bourbonvanille. Georges Geeraerts, der Chef von Madagaskars Vanille-Exportverband, glaubt, dass sich die Situation der Bauern in diesem Jahr weiter verschlechtert hat. "Wir erwarten eine Ernte mit einer 20 bis 25 Prozent geringeren Menge als im Vorjahr", sagt er. Grund dafür seien vor allem die zunehmenden Diebstähle, denn wegen der hohen Preise wird das Gewürz für Diebe immer attraktiver.

Die relativ schwache Vanilleernte führt dennoch nicht notwendigerweise zu höheren Preisen in Deutschland, glaubt der Hamburger Vanilleimporteur Berend Hachmann. "Vielleicht zehn Prozent nach oben oder zehn Prozent nach unten", schätzt er. Der Grund: Die Preise seien ohnehin schon hoch. "Die Kunden haben sich jetzt an die hohen Preise gewöhnt. Die Nachfrage ist nach wie vor groß", sagt er.

Unsicher ist indes noch, wie die Qualität der Vanilleschoten in diesem Jahr ausfallen wird. Wegen der Diebstähle bewachen immer mehr Bauern auch nachts mit Gewehren ihre Felder, und viele sind genötigt, ihre Vanilleschoten immer früher zu ernten. Die bis zu 30 Zentimeter langen braunen Kapselfrüchte brauchen mindestens etwa sechs Monate, um vollständig zu reifen und bei der anschließenden Fermentation ihr Aroma zu entfalten. Vor diesem Prozess können die Importeure die tatsächliche Qualität des Aromas nur schwer einschätzen.

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