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Meine Woche: Echte Tatorte

Peter Reichl ist der pensionierte Sprecher der Polizei München und Vorstand des Vereins "Münchner Blaulicht". (Foto: Robert Haas)


Peter Reichl organisiert so genannte Krimitouren in der "Langen Nacht der Museen". Dabei führen ehemalige Ermittler die Teilnehmer zu Schauplätzen von Verbrechen.

Es ist der 17. Mai 1985. Die achtjährige Michaela E. fährt alleine mit der U-Bahn von Ramersdorf zum Hauptbahnhof. Sie ist auf dem Weg zur Arbeitsstelle ihrer Mutter. Doch das Mädchen kommt nie an. Vier Wochen später findet man ihre Leiche nahe der Braunauer Eisenbahnbrücke. Den Mörder von Michaela konnte die Polizei bis heute nicht fassen. Es ist einer von nur zwei ungeklärten Mordfällen in der Stadt. 2011 starteten die Ermittler noch einmal einen Versuch: Bei einem Massen-Gentest überprüften sie die DNS von 1300 Männern - ohne Erfolg.

"Der Fall lässt uns bis heute nicht los", sagt Peter Reichl, 62 (). Der pensionierte Sprecher der Polizei München ist Vorstand des Vereins "Münchner Blaulicht". Seit der Gründung im Jahr 2010 hat sich der Verein Prävention und Bürgerbegegnung zum Ziel gesetzt. Dazu gehört seit zwei Jahren auch die Teilnahme an der "Langen Nacht der Museen", die am Samstag, 20. Oktober, stattfindet. 15 Vereinsmitglieder, aktive und ehemalige Polizisten, bieten an dem Abend fünf so genannte Krimitouren durch die Innenstadt an. Mit dem Bus fahren sie die Tatorte der außergewöhnlichsten Mordfälle an - darunter ist auch die Stelle an der Isar, an der Michaela E. aufgefunden wurde. Bis heute erinnern dort ein Kreuz und Zeitungsausschnitte an die Tat. "Das nimmt die Leute emotional mit", sagt der ehemalige Polizist. Deshalb liegt das Mindestalter für die Tour bei 15 Jahren.

Besonders viel müssen Reichl und seine Kollegen für den Samstag gar nicht mehr vorbereiten. Nur das "kleine Bespaßungsprogramm" mit Filmen im Polizeipräsidium an der Ettstraße 2, wo die Besucher auf die Busse warten, gilt es zu organisieren. Die Krimitouren seien wie ein Türöffner für den Verein: Wir stellen nicht nur echte Fälle vor, sondern erklären auch, wie Polizeiarbeit in der Realität funktioniert." Die Polizisten, welche die Tour begleiten, waren oft selbst in die Ermittlungen eingebunden. Darüber kämen schnell viele Fragen auf: "Die Leute haben einen unglaublichen Bedarf, mit uns ins Gespräch zu kommen", hat Reichl festgestellt. Im Alltag fehle dafür die Zeit. Diese "Kommunikationslücke" will der Verein füllen. Dafür echte Mordfälle auszugraben, mag auf den ein oder anderen makaber wirken. "Aber die gehören ja auch zur Stadtgeschichte."

Weitere Infos unter www.muenchnerblaulicht.de
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