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Dürre und Hitze: Umweltministerin Lemke fordert mehr Wasser-Einsparungen bei Industrie

Berlin · Mit dem Klimawandel nehmen Hitzewellen und Dürren auch in Deutschland zu. Die Bundesregierung will mit den Ländern dafür sorgen, dass die Wasserversorgung gesichert bleibt. Doch die Herausforderungen sind groß.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke hat angesichts anhaltender Dürren und Wasserknappheit in Deutschland den Druck auf die Industrie erhöht. „Die Klimakrise verändert unser Leben und unser Wirtschaften", sagte die Grünen-Politikerin. „Auch die großen Wasserverbraucher in der Industrie müssen sich noch stärker auf einen sparsamen Umgang mit Wasser ausrichten", sagte Lemke.

In Deutschland sind die Winter, also die Kälteperioden, in den vergangenen Jahren auffällig kürzer geworden. Wasserspeicher wie Grundwasser, Seen und Böden können sich wegen weniger Regens vielerorts nicht mehr so stark füllen, sagte Fred Hattermann vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Es sei außerdem schlicht wärmer geworden, „in Deutschland mittlerweile im Durchschnitt um 2 Grad Celsius", so der Wissenschaftler. „Durch die längere Vegetationsperiode und hohen Temperaturen steigt der Wasserstress für die Vegetation und insgesamt die Verdunstung." Außerdem beobachteten die Forscher gerade auch über Europa eine Zunahme langer Großwetterlagen, oft Hochdruckgebiete, die den Zustrom von feuchten Luftmassen vom Atlantik abblocken. Von Verhältnissen wie in Spanien oder Frankreich sei man in Deutschland noch ein gutes Stück entfernt, sagte Hattermann.

Dennoch bereitet man sich vor: Zur Wasserversorgung hat der Bund kürzlich eine Nationale Wasserstrategie formuliert. Gemeinsam mit den Ländern sollen Leitlinien entwickelt werden, wie die Nutzungsansprüche in Fällen von Wasserknappheit aussehen würden. „Ein zentrales Ziel der Nationalen Wasserstrategie ist es, das Trinkwasser in Deutschland langfristig zu sichern", sagte Umweltministerin Lemke. Als Folge der Klimakrise würden Hitze und Dürren in Deutschland häufiger werden, sie verändern langfristig auch die Verfügbarkeit von Wasser, so Lemke. „Deshalb brauchen wir im Fall von Wasserknappheit einen Orientierungsrahmen für lokale oder regionale Entscheidungen. Gemeinsam mit den Bundesländern und allen relevanten Akteuren wird der Bund deshalb eine Bundesleitlinie zum Umgang mit Wasserknappheit erarbeiten", sagte die Ministerin. Konkrete Einschränkungen des Wasserverbrauchs würden auch zukünftig immer von den Kommunen vor Ort entschieden.

Ein besonderer Fokus liegt zudem auf der Landwirtschaft. Schon heute seien die Ernteerträge vieler Landwirte durch Dürren oder Starkregen bedroht, so Lemke. „Selbstverständlich kann ich nachvollziehen, dass es deshalb Forderungen nach künstlicher Bewässerung gibt, aber das darf natürlich nicht zur Übernutzung unserer Wasservorräte führen", sagte die Ministerin. Vielmehr brauche es eine Entwicklung hin zu einer wassersparenden landwirtschaftlichen Nutzung.

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