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Brand in Moria: „Es wollen alle nach Deutschland, aber das geht nicht"

14.09.2020 


Von Kristoffer Fillies


Das Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos brannte fast vollständig ab, Tausende Flüchtlinge hausen nun unter freiem Himmel. Anne Will diskutiert mit ihren Studiogästen darüber, welche Rolle Deutschland und die anderen EU-Länder übernehmen sollten. Live zugeschaltet von der griechischen Insel Lesbos ist Korrespondentin Isabel Schayani. Sie hockt neben drei Flüchtlingskindern und einer Frau mit Kopftuch. In deren Wohnzimmer, sagt sie, auf Asphalt. Einem Bürgersteig. Eben habe die Familie Reis gekocht, für einige Eier zuvor stundenlang vor dem Supermarkt des Lagers angestanden. Um Schayani stehen weitere Dutzende Menschen. Es sind vor allem Männer, die, wie Schayani sagt, gebannt auf Nachrichten aus Deutschland warten.

„Die Leute hier drehen durch", berichtet die WDR-Korrespondentin. Die Flüchtlinge hätten das Gefühl, aus dem Lockdown-Gefängnis in ein neues Gefängnis, ein neu gegründetes provisorisches Lager für gut 3000 Leute, geschickt zu werden.

Die Frau mit Kopftuch lebt bereits mehr als ein Jahr mit ihren Kindern in Moria und sagt auf Persisch, sie und ihre Kinder hätten Angst davor, ins neue Lager zu gehen. Und auch vor einem neuen Brand. Schayani: „Das Kind, mit dem ich nach dem Brand gesprochen habe, ist nicht mehr das Kind, das es im Februar war. Und da war es auch schon schlimm."

Die griechische Regierung würde auf Abschreckung setzen nach dem Motto: „Die Situation muss schlecht sein, damit nicht noch mehr Menschen kommen." Die Leute im Lager hätten Deutschland als „gelobtes Land", als Ziel vor Augen.

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