Kristoffer Cornils

Freier Journalist und Redakteur, Berlin

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Musikstreaming: Hör doch, was du willst (ZEIT Online)

Der Musikindustrie geht es blendend. Im Jahr 2021 verzeichnete sie aus dem Geschäft mit Musikaufzeichnungen über 18 Prozent mehr Einnahmen als noch im Jahr zuvor - 25,9 Milliarden US-Dollar waren es insgesamt. Zurückzuführen ist das in erster Linie auf Streaming. Insgesamt macht das Geschäft mit , Apple Music und Co. weltweit knapp zwei Drittel dieser Einnahmen aus. Kaum verwunderlich, haben doch über eine halbe Milliarde Menschen Zugang zu einem bezahlten Streaming-Account.


Trotzdem gibt es immer wieder Beschwerden. Nicht etwa von den Major Labels und den von ihnen vertretenen Künstlerinnen und Künstlern, die zum Beispiel auf Spotify die größten von der Plattform betriebenen Playlists dominieren. Und erst recht nicht von denjenigen, die ihr Geschäft mit Musik machen, die mindestens fünf Jahre alt ist. Laut einem Bericht des Marktforschungsunternehmens Luminate macht dieser sogenannte deep catalogue schließlich gut die Hälfte dessen aus, was auf dem größten Musikmarkt der Welt, den USA, in der ersten Jahreshälfte 2022 gestreamt wurde. Kate Bush lässt grüßen.


Stattdessen beschweren sich unabhängig agierende Musikerinnen und Musiker, die sich mit solcher Konkurrenz konfrontiert sehen und Veränderungen fordern. Im Frühjahr 2021 demonstrierten weltweit eine Handvoll Menschen vor regionalen Spotify-Büros und forderten das Unternehmen unter anderem dazu auf, einen Cent pro abgespieltem Musikstück auszuschütten - rund 0,003 Euro sind es im Durchschnitt derzeit.


Doch gehen diese und ähnliche Forderungen über dreierlei hinweg. Zum einen hat ein Unternehmen wie Spotify kein ökonomisches Interesse an solchen Änderungen und ist außerdem nicht von der Gunst irgendwelcher Indiebands abhängig. Spotify, wie auch Apple Music, Amazon Music oder andere, ist nicht von außen reformierbar. Zweitens stellen die Proteste und die ständigen Beschwerden über die Höhe des sogenannten Per-Play-Modells dieses niemals selbst infrage. Dabei ist es absurd, dass ein 31-sekündiger Grindcore-Song, ein achtminütiger Techno-Track und eine einstündige, von einem ganzen Orchester eingespielte Komposition denselben Wiedergabewert zugesprochen bekommen. Nur wird das selten thematisiert.


Was dann automatisch zum dritten Versäumnis führt: Es gibt eine ganze Reihe von alternativen Streaming-Diensten, die gänzlich andere Zahlungsmodalitäten bieten. Und nebenbei ihr Publikum noch direkter einbinden als die großen Plattformen es tun. Warum werden diese nicht zumindest diskutiert?

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