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Corona, Kids und die körperliche Gesundheit

Bild: Wolf Siebert

Die Zeit im Lockdown hat viel zum Erliegen gebracht, auch den Sport in der Schule und in Vereinen. Für viele Kinder und Jugendliche hat das gravierende Folgen: Etwa zu viele Stunden vor dem Bildschirm, Gewichtszunahme oder psychiatrische Erkrankungen. 


Gewichtszunahme, psychiatrische Erkrankungen, Zunahme der Bildschirmzeit - all das sind Konsequenzen der Pandemie bei Kindern und Jugendlichen, berichtet der Schöneberger Kinderarzt Jakob Maske. Immer mehr Kinder würden zunehmend zu "Bildschirmhockern". "Das haben wir so noch nicht erlebt", sagt der Sprecher des Verbands der Berliner Kinder- und Jugendärzte.


Bewegung tritt in den Hintergrund

Die Bewegung trete immer mehr in den Hintergrund, die motorische Entwicklung bleibe deshalb zurück. Es gebe Kinder, die mehr als zehn Stunden am Tag vor Bildschirmen säßen und ihren Tag-Nacht-Rhythmus verlören. "Das sind alles Folgen dieses Lockdowns und der Nicht-Beschulung", sagt Maske. Auch die Gewichtszunahme vieler Kinder, in Extremfällen um bis zu 30 Kilo, hänge damit zusammen, dass das Schulessen - für viele die einzige gesunde Mahlzeit am Tag - wegfalle.


Auch im Kinder- und Jugendwerk Arche in Berlin-Hellersdorf ist der Bewegungsmangel zu spüren. Vor der Pandemie kamen bis zu 300 Kinder täglich zum Klettern an den Spielgeräten, Fußballspielen oder Tanzen - heute sind es wegen der Beschränkungen nur noch rund 40. "Wir haben immer mehr Anrufe von Kindern und Eltern bekommen, die an den Rand der Verzweiflung gekommen sind", berichtet Pfarrer Bernd Siggelkow. Um die Familien zu entlasten, ist die virtuelle Arche entstanden. Sie soll Kinder motivieren, sich im Freien zu bewegen und Videos mit anderen zu teilen.


Eigener Antrieb - Fehlanzeige

Das Leben wird auch für die Jugendlichen im Wohnhaus der SozDia-Stiftung in Lichtenberg während der Pandemie nicht leichter. Ihre größte Herausforderung ist es, etwas regelmäßig zu tun - Aufstehen, Zähneputzen, Schule, kochen. Sich kontinuierlich in einem Sportverein zu bewegen, ist für diese Jugendlichen kaum denkbar, eklärt Erzieher Michael Hiller, der das Haus leitet: "Die haben nicht solche Strategien, für sich zu sagen, ich müsste mal raus an die frische Luft, ich müsste mich jetzt mal bewegen gehen." Bewegung aus eigenem Antrieb sei oft Fehlanzeige.


Das Fazit: Wer schon vor der Pandemie gut da stand, im Elternhaus Strukturen erlernt hat, kommt gut mit den Einschränkungen klar. Die meisten Kids brauchen aber dringend wieder Sport, in der Schule und in Vereinen.


(Bilder und Audio-Reportage: Wolf Siebert)

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