Kira Brück

Freie Journalistin und Autorin, Berlin

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Interview mit dem „König von Mallorca" Jürgen Drews: „Die Playboy-Strecke mit Ramona ist so geil"

Drews, das Phänomen des ewigen Partykaisers, des mit 67 Jahren noch immer betont alterslosen Rummelbudenzauberers, prescht telefonierend ins Hotelrestaurant, in dem er mit der Playboy-Reporterin verabredet ist. Und will sofort ein Pfeffersteak. Aber bitte ohne Kroketten - die Figur! Und vorweg eine Knoblauchcremesuppe. Das will seine Frau Ramona so, damit die jungen Partyhasen dem lieben Onkel Jürgen heute Abend nicht zu nahekommen. Könnte ja passieren - beim Après-Ski wie hier in St. Anton genauso wie beim Après-Sonnenbad auf Malle, wenn die Zeitrechnung im Gewühle mal wieder auf null gestellt ist und Drews den jungspundhaften Zeremonienmeister gibt. Jetzt nimmt er das Handy runter. „Komm, wir legen sofort los." Er ist offenbar recht hochtourig unterwegs. Starten wir also durch . . . Playboy: Herr Drews . . . Drews: Ach Quatsch, ich bin der Jürgen. Playboy: Also gut, Jürgen. Wir haben Ihnen einen Playboy-Bademantel mitgebracht. Drews: Geil! Ich sag gleich, wie es ist: Ich bin Playboy-Fan, seit ich denken kann. Und ich bin ein totaler Busenfetischist, dafür bin ich ja bekannt. Weißt du eigentlich, dass meine Ramona schon mal im Playboy war? Playboy: Ja klar, das war 2000. Drews: Die Strecke ist so geil. Da ist rein gar nichts retuschiert, der Hammer. So sieht meine Ramona auch heute noch aus. Playboy: Sie haben Ihre Karriere ja mit einem Medizinstudium begonnen. Weil Ihr Vater Arzt war und das verlangt hat? Drews: Nee, das wollte ich schon selbst. Ich wusste aber, dass ich es ganz schwer haben würde, mein Abitur war ja schon sehr schlecht. Weil ich immer nur Musik gemacht habe. Und ein schlechtes Gedächtnis habe ich auch. Playboy: Also haben Sie die Medizin nach vier Semestern geschmissen. Drews: Genau. Ich konnte ja von der Musik bestens leben. Les Humphries hatte mich in seine Gruppe geholt. Wir haben im damaligen geteilten Europa bis zu 60 Millionen Platten verkauft. Wenn wir so stromlinienförmig gewesen wären mit unserer Musik wie Modern Talking, wären wir auch in den Osten gekommen. Wir waren eine Avantgarde-Gruppe, haben die Völkerverbindung der Jugend propagiert - das haben wir auch auf der Bühne dokumentiert: Von zwölf Sängern waren zehn aus verschiedenen Ländern, von den USA bis Nordkorea. Playboy: Sie sind in der Zeit auch in Filmen aufgetreten, zum Beispiel in „Die Lümmel von der ersten Bank". Drews: Ich bin in meinem Leben immer nur gefragt worden, so bin ich heute auch hier. Wenn ich gefragt hätte, ob ich dem Playboy mal ein Interview geben kann, hätte man bestimmt ein „No!" gehört. Einmal habe ich gebeten: Als ich in den 80ern zurück aus den USA kam, bin ich zu allen deutschen Plattenfirmen, weil ich singen wollte. Ich wurde nur abgelehnt: „Dich will doch keiner mehr hören." Seither bitte ich grundsätzlich um nichts. Playboy: Also haben Sie auch Mädels nie um ein Date gebeten? Drews: Auf gar keinen Fall! Ich war früher ein total schüchterner Typ. Ich hatte blühende Fantasien mit allem Drum und Dran, aber getraut hätte ich mich niemals. Mit 18 war ich in Amerika, um mein Englisch aufzubessern. In der Schule habe ich ja nur Latein und Altgriechisch gelernt. Da traf ich eine 21-jährige Französin, die hat mich in einem Buchenhain verführt. Auf einmal dachte ich: Die schläft mit mir. Ich nicht mit ihr. Sonst wäre ich wahrscheinlich heute noch Jungfrau. Playboy: Die Schüchternheit hat sich ganz offensichtlich gelegt.

Drews: Ach was. Wenn ich im Ausland bin, wo mich keiner kennt, bin ich ängstlich wie früher. Wenn mich keiner anspricht, sage ich auch keinen Ton. Ich möchte also unbedingt angesprochen werden. Daher laufe ich immer so marktschreierisch durch die Gegend, um meine Schüchternheit zu kompensieren. Ich reiße das Maul auf, plustere mich auf wie ein Gockel.

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