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Wie das Kino doch nicht starb

Die durch die Corona-Pandemie gebeutelte Branche freut sich über wieder deutlich besser besuchte Säle. Die Streaming-Dienste konnten den Kinos weniger Wasser abgraben als befürchtet.


Über Jahre hinweg wurde das Ende des Kinos herbeibeschworen. Das Kinosterben schien schon mit dem Aufstieg der Streaming-Dienste unausweichlich, die Corona-Krise galt da nur noch als der letzte Sargnagel. Als potenzielle Infektionsherde gehörten die stigmatisierten Kinos zu den Ersten, die schließen mussten, an ein Aufsperren im großen Stil nach dem Abklingen der globalen Pandemie glaubten nur wenige.

Aber die Kinos sind immer noch da. "Wir haben mehr Kinosäle als vor zehn Jahren", sagt Branchenvertreter Christian Dörfler, der mit dem Haydn-Kino in Wien-Mariahilf selbst ein Kino betreibt und seine Branche nie am Sterben sah. Dass das Kino noch lebt, lässt sich aber nicht nur an der Anzahl der Säle ablesen. Im Vorjahr nahmen 3,7 Millionen Besucher in den heimischen Kinos Platz. Gleichzeitig verzeichneten etwa die Cineplexx-Gruppe 2022 ein Umsatzplus von 18 Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2019.

Dass die Pandemie und die Kontaktbeschränkungen ein harter Schlag für das Kinogeschäft waren, ist allerdings unbestritten. Denn die Lichtspieltheater waren nicht nur die Letzten, die nach der Pandemie den Vollbetrieb wieder aufnehmen durften, auch das Hochfahren ihrer Kinos erwies sich für viele der Betreiber als schwieriges Unterfangen. Denn infolge der Corona-Krise fehlten nicht nur die Besucher, sondern auch die Filme. Vielfach hatten sich die Filmstudios dazu entschlossen, große Produktionen um Jahre zu verschieben oder gar gänzlich zu streichen.

Das Geschäft kam nach der Corona-bedingten Vollbremsung erst 2022 wieder allmählich in die Gänge. "Ich glaube, die großen Filme waren die Zugpferde, die die Kinos wieder zurückgebracht haben, vor allem auch in das Bewusstsein der Menschen", sagt Christof Papousek, Co-Geschäftsführer der Cineplexx-Kinokette.

Mitverantwortlich für das Comeback der Branche war aber wohl auch, dass die Streaming-Dienste dem Kino weniger Kunden abspenstig machen konnten, als das lange Zeit vermutet worden war. Als einer der größten Filmverleiher hatte der US-Riese Disney den Versuch gestartet, mit seinem eigenem Streaming-Dienst den Markt aufzumischen und damit den Kinos die Stirn zu bieten. Mit Hilfe des Direktvertriebs über die eigene Plattform sollte die Marge der Kinos direkt an den Konzern fließen. Doch bis zu 35 Euro pro Film dürften für die meisten Konsumenten dann aber doch zu viel für eine Online-Aufführung gewesen sein. "Natürlich gab es das ein oder andere Filmprodukt, das ohne Kinostart direkt an einen Streaming-Anbieter verkauft wurde, aber das ist kein dauerhaftes Geschäftsmodell, weil sich die Streaming-Dienste das nicht leisten können", sagt Cineplexx-Chef Papousek.

Mehr als ein Vertriebskanal

Laut Branchenkennern sind die Filmstudios wegen der hohen Kosten bei Produktion und Marketing nach wie vor massiv von den Ticketverkäufen an den Kinokassen abhängig. Auch Branchenriesen wie Amazon und Apple erkennen das mittlerweile an und wollen ihre großen Produktion künftig nicht mehr nur online-only vermarkten. "Ich vergleiche das gerne mit der Musik. Wer Musik hört geht gerne auf Konzerte", sagt Gerald Knell vom Arthouse-Kino Filmcasino. Für ihn ist das Kino nicht nur ein reiner Vertriebskanal für Filme. "Zu uns kommen Leute, die können sich die Filme ganz leicht im Internet anschauen. Aber trotzdem kommen sie, weil sie das Erlebnis Kinobesuch an sich wollen", so Knell.

Cineplexx-Chef Christof Papousek glaubt allerdings, dass der Kinomarkt zumindest was die Besucherzahlen betrifft langsam gesättigt ist. "Wenn die Bevölkerungszahl gleich bleibt, wird sich die Besuchshäufigkeit nicht unbedingt dramatisch verändern", sagt Papousek, der aber an ein qualitatives Wachstum für möglich hält. "Durch Sonderformate wie IMAX, mehr Komfort oder ein besseres gastronomisches Angebot wird man umsatztechnisch noch zulegen können.