Kerstin Schweighöfer

Autorin + Benelux-Auslandskorrespondentin Den Haag, Den Haag

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Radio-Beitrag

DLR Echtzeit 25.3.17 The Avocado-Show

Kurz vor 12 Uhr mittags. In der Küche geht es hektisch zu, denn das Restaurant füllt sich, fast alle 16 Tische sind besetzt. Darunter Nachzügler, die beim Frühstück hängengeblieben sind. Kaffee mit Avocadobrötchen, Avocadotoast oder Avocadopfannkuchen.


 Jetzt ist die Mittagskarte angesagt: Avocado-Lachsteller, Avocado-Hamburger oder Avocado-Spiesschen, erklärt Ron Simpson, einer der beiden Eigentümer der “Avocadoshow”, dem neuen Avocado-Restaurant im Amsterdamer Trendviertel de Pijp – gemütlich und rustikal eingerichtet mit Holztischen, vielen Hängepflanzen und - jawohl – grün gestrichenen Wänden:  


“Es gibt schon so viele Monorestaurants: zum Beispiel  Hamburger-, Hummer- oder Trüffelrestaurants. Warum nicht auch endlich Avocados!”


Jungunternehmer Simpson, 33 Jahre alt, hat eine israelische Mutter, einen englischen Vater und schon überall gewohnt, die letzten acht Jahre in Amsterdam.  


"In New York und auf Bali gibt es bereits Avocado-Bars und Cafés, aber nirgendwo ein Restaurant. Höchste Zeit - alle lieben Avocados. Ich auch. Und alle meine Freunde.”


Genau. Und deshalb ist die Frucht in Verruf geraten. In den letzten Jahren hat sich der Konsum auch in den Niederlanden mehr als verdoppelt. Sie sind nach den USA grösster Avocado-Importeur der Welt - gut 150 Millionen der birnenförmigen grünen Früchte landen jedes Jahr hinter den Deichen, vor allem aus Peru, Südafrika und Chile. Um von dort aus wieder in alle Welt exportiert zu werden. Denn die rund 400 gramm schwere Wunderbeere ist nur nicht nur unendlich lecker, sondern auch unfassbar gesund. 


“Egal, ob gross oder klein, jung oder alt – wer Avocados liebt, kommt zu uns!"


Die Familienangehörige der Lorbeergewächse reift an immergrünen Laubbäumen heran. Und um Avocadohaine anzulegen, müssen andere Bäume abgeholzt werden, ganz Landstriche am anderen Ende der Welt verändern sich dadurch bereits. Darüber ist sich auch Restaurantbesitzer Simpson bewusst:


"Alles, was schnell wächst und Erfolg hat, verursacht Probleme. Wir verarbeiten hier deshalb nur nachhaltig gezüchtete Avocados und arbeiten mit umweltbewussten Lieferanten zusammen, die den Erntehelfern auch einen fairen Preis zahlen. Das macht es zwar teurer, besorgt uns aber ein gutes Gewissen.”


Schon jetzt landen in seinem Restaurant pro Tag 300 Avocados auf den Tellern. Und das ist erst der Anfang, das Restaurant ist nur auf Probe offen, soft opening heisst das. Am 31. März geht’s richtig los, mit einer Riesenparty.


“Dann brauchen wir Verstärkung!” schmunzelt Koch Rens, der gerade gekonnt und rasend schnell eine Avocado in hauchdünne Scheibchen schneidet, um diese dann zu einem Kragen anzuordnen, der mit Lachs gefüllt wird.


Donnerwetter, keine einzige Scheibe bricht… Übung macht den Meister.


Man muss halt wissen, wann eine Avocado reif genug und noch nicht zu weich geworden ist, ergänzt Rens’ Kollege Roland, der auf der rechten Seite für die warmen Gerichte zuständig ist und gerade einen kunstvollen Avocado-Hamburger auftürmt.


Statt Brötchen wird das Fleisch samt gebackenem Speck zwischen zwei Avocadohälften gelegt. Und dann kunstvoll verziert mit Körnern und Kräutern: Sam verziert zwei mit Humus gefüllte Avocadohälften gerade mit Veilchen und Rosenblättchen. Wie zwei Frühlingsschiffchen sehen sie aus.


Avocado Garden heisst dieses Gericht. Martineke, die mit ihrer Freundin Wendy einen Fenstertisch ergattert hat, wartet schon sehnsüchtig darauf.


“Ich war gestern schon hier, und es war so lekker, das ich heute mit einer Freundin zurückgekommen bin.”.

Am Nebentisch beendet eine Gruppe junger englischer Touristen ihr Mittagsessen. Gut geschmeckt hat es ihnen, auch vom smoothie, der nun wirklich sehr sehr grün aussieht, sind sie begeistert.


Dann endlich rückt der Avocado Garden für Martineke an, zusammen mit einer Riesenportion Salat für ihre Freundin.


Na denn, guten Appetit!