Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Glosse

Die Partykolumne - Mädchensport

Es gibt so Fragen, die beantworte ich mit dem größten Vergnügen. „Was möchtest du trinken?“, beispielsweise, „Kann es sein, dass ich dir noch 100 Euro schulde?“ oder „Ich hab VIP-Tickets fürs Take-That-Konzert, möchtest du mitkommen?“ Großartig, natürlich, gerne, ja und einmal alles, bitte. Dann gibt es aber noch solche, denen ich mit weit  weniger Enthusiasmus begegne. Konkret eine solche, die dann bestenfalls auch noch von einem Mann gestellt wird. Die Frage lautet: „Bei welchem Sport warst’n du grade?“ BAH! Es wird nämlich dann stets die selbe Melodei angestimmt. 

Sag ich: „Beim Zumba“. Tönt es von gegenüber: „MUAHAHAHA das ist doch dieses Spackengezappel wo die Weiber immer meinen sie sähen aus wie die junge Jennifer Lopez gell HAHAHAHA!“ Sag ich: „Beim Yoga“. Brüllt es von gegenüber: „MUAHAHA ja genau das ist doch so wie wir im Kindergartenturnen uns immer einfach auf den Boden gelegt und gekichert haben und das hieß dann Sport HAHAHAHAHA!“ Sag ich: „Bei so Kraftdings“. Marodiert es: „MUAHAHAHAAA das kenn ich schon jahaaa achgotterlena und hast du dann auch so nieeeedliche pinke 50-Gramm-Prinzessinnenhanteln in der Hand naja man muss ja schauen wo man bleibt gell!“ Und dann wird sich auf die Schenkel geklopft und gekrümmt vor Lachen und je mehr Blödmänner desto lauter das Gejohle, und dann muss man sich gegenseitig auf die Hühnerbrüste boxen und die krummen Schreibtischrücken und dringend ausmachen dass man sich doch mal im Rudel mit einem Kasten Bier vor’s Fenster und haste nich gesehen ach das wird ein Spaß. Ich sag euch was: Ihr könnt mich alle mal. Oder stellvertretend für alle anderen Ladys: Ihr könnt uns alle mal! 

Die lautesten Gröler sind nämlich immer diejenigen, die es nicht mal schaffen, drei Meter stolperfrei geradeaus zu laufen, geschweige denn in der Lage dazu sind, sich einen links-rechts-Wiegeschritt zu merken, gar nicht zu sprechen davon, ihre Extremitäten über eine Stunde lang zu einer bestimmten Choreographie vorm völligen Verknoten zu bewahren. DAS ist Spackengezappel! Die lautesten Schandmäuler sind diejenigen, die im Leben noch nicht mehr als eine PC-Maus gestemmt haben, die im vergangenen Drittel ihres Lebens mit Verve und Vuvuzela zum Fernsehsportler mutiert sind. Fußballspielen, diese Kindergartenkacke, das kann ja jeder. Diese Yoga-Weiber, sag ich euch, das sind die echt harten Säue! Da sind vier Stunden Ballschubstraining ein Ponyhofausflug dagegen, und ich weiß, wovon ich spreche! Am besten wird sein, ich beantworte die Sportfrage nur noch mit einem lapidaren „Tae Bo“, um das dann direkt mit einem lockere Uppercut zu unterstrichen, kurz mit einem Hook zu garnieren und mit einem entspannten Roundhousekick davon zu tanzen – direkt hinein ins Wochenende.

„Süper Diskomisko“ (Desi, Brückenstraße), „B-B-B-Block Party“ (Z-Bau, Frankenstraße), „Ü30 Black & Soul Edition“ (T90, Flughafen), „Boom“ (Stereo, Klaragasse), „Pon di Attack“ (Nano, Königstraße), „Querbeat“ (KK, ebd.), „Depeche Mode & More“ (Cult, Dooser Straße), „We love Tomorrowland“ (Mach, Kaiserstraße) und am Samstag „4 Jahre Pull the Trigger“ (Hirsch, Vogelweiherstraße), „Kiss Klub“ (Rakete, ebd.), „Prijatelji – Freunde-Festival“ (MUZ, Fürther Straße), „Beat Thang“ (Zentralcafé, Königstraße), „Buckshot“ (Stereo), „White Party“ (T90), „Rock&Roll-Disco“ (Kunstverein, Frankenstraße). Am Ende des Tages sind wir doch wieder alle Brüder und Schwestern im Geiste: Trinksport ist auch ein Hobby.