Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Ein Wohnzimmer mit goldenen Zapfhähnen

Unter großen Strapazen wurde ein Gemälde an die Decke geleimt. Jetzt wachen hier Englein über Biergenuss. Das passt zwar nicht direkt zum Rest, aber das ist egal, denn grade drum passt alles so gut zusammen: Der "Mops von Gostenhof" steht nicht nur als selbst erklärtes Wappentier des Viertels, sondern vor allem dafür, sich selbst nicht so ganz ernst zu nehmen.


Harald Felker kann als selbstständiger Unternehmer und Inhaber der „Galerie in der Kernstraße" über Langeweile kaum klagen. Trotzdem verlangte es ihn nach einem dritten Job, und so wurde gemeinsam mit Freund Jakob Giese, Musiklehrer und Mitglied der Polka-Band „Vladiwoodstok", das Projekt ins Leben gerufen, für das in der Volprecht-straße 14 ein geeignetes Objekt gefunden war. „Unsere Idee war einfach, eine schöne Auswahl fränkischer Landbiere zu bieten und außerdem die klassische Sitzverteilung aufzubrechen", so Felker. Ersteres lässt sich dank der Brauereiungebundenheit leicht bewerkstelligen. Neben elf „subjektiv als qualitativ sehr hochwertig empfundenen" Flaschenbieren, unter denen sich Nankendorfer, Hummel-Bräu, Neder, Bub und Mager finden, gibt's noch wechselnd solches aus dem Fass. „Saisonal, spezial" und eigens herabgeholt ins Mittelfränkische wie das „Körnla" der Hofer Brauerei Meinel, das neben Hofmannstropfen und Kellerpils von Elchbräu immer mal wieder durch die goldenen Zapfhähne fließt. Wer kein Bier (alle 0,5 Liter für 2,90 Euro) mag, der hält sich an das „solide, hochwertige Sortiment an Spirituosen" und dort vor allem an die Single Malts aus Schottland und Irland (ab 3 Euro) oder den Büffelgras-Wodka. Aber Felker und Giese wollen sich nicht nur der Brau-, sondern auch der Kleinkunst widmen. Nahe liegt da freilich eine Zusammenarbeit mit der „Galerie in der Kernstraße", aus der man Bilder holen und dem Mops an die Wand hängen kann oder Vernissagen abhalten. Darüber hinaus, so Felker, möchte man sich der Kleinkunst widmen - eingeweiht ist die Bühne jedenfalls schon. Von El Mago Masin, und damit steht der Rest ja unter einem guten Vorzeichen. Ein „individuelles Konzept für Freigeister" eben, weil man „keinen Bock auf eine durchgestylte Convenience-Bar" hat, die gebe es schon zur Genüge.

Das spiegelt sich auch in der Einrichtung wider, in der mit „kreativem Chaos absichtlich nichts zusammenpasst". Neben der Bar, die noch von einem der Vorbetreiber, einem indischen Restaurant, orientalisch gefliest und von den Möpsen umgeformt wurde, steht auf der einen Seite ein bunt zusammengewürfeltes Ensemble an hölzernen Sitzgelegenheiten. Auf der anderen wartet ein gemütliches Oma-Eck mit heimeligen Sofas und Bildern des Nürnbergers André Debus. „Zum sterilen Beck's trinken ist man hier jedenfalls falsch."


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