Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Gostenhof feierte erstes Kneipenfestival mit viel Musik

Der Gedanke, mit dem Festival „Bierchen & Bühnchen“ Gostenhofs aktive Kneipenszene einem breiten Publikum zu präsentieren, darf als voller Erfolg verbucht werden – und das in jedem Wortsinn. Im westlichen Szeneviertel erhielt man am vergangenen Samstagabend schnell den Eindruck, es habe ungefähr niemanden gegeben, der nicht zwischen Hoch- und Volprechtstraße herumschlawenzelt ist.


Und das bei gar nicht mal so gutem Wetter – nieselfrische Aprilwitterung, da könnte man meinen, dass der Straßenfestfreund doch vielleicht lieber daheim bleibt statt sich die Frisur zerregnen zu lassen. Doch weit gefehlt: Von Stimmung verhagelt keine Spur, und dass, obwohl sich zu jedem Zeitpunkt der Veranstaltung gefühlte 90 Prozent der Besucher auf der Straße statt im lauschigen Inneren einer Kneipe befunden haben dürften. „Die beteiligten Bars hatten natürlich überhaupt nicht die Kapazität, um diesem Ansturm gerecht zu werden“, weiß Mitorganisator Gábor Bertholini vom Brückenfestival e.V. am Folgetag. „Aber es war total schön, dass so viele Menschen so einträchtig gemeinsam auf der Straße gefeiert haben.“ Straßen- statt Kneipenfest, ein Event, bei dem „vom Taxifahrer über den Dönermann bis hin zu so ziemlich allem, was einen Zapfhahn hat, profitiert haben dürfte“, das war durchaus intendiert von den aus dem Organisationsteam des erfolgreichen „Brückenfestivals“ entwachsenen Veranstaltern der ersten (ob einzigen, das weiß man derzeit noch nicht) Auflage der Festivität. 

„Ab 19 Uhr feinste Livemusik in grandiosen Locations“ war die Ansage. En detail: 16 Gastronomien, von Hafenschänke über Eisdiele und Burgerladen bis Ex-Toilettenhäuschen öffneten Türen und vor allem Schleusen, um in einem munter wechselnden Line Up 23 musikalischen Künstlern eine Plattform zu geben sowie freilich sich selbst. Und das bei freiem Eintritt. Wäre das nicht der Fall gewesen, mutmaßt auch Gábor Bertholini, so hätte die ganzheitliche Entspannung all derer hurtig ein Ende gefunden, die von Ort zu Ort durch den Abend pilgerten, um am Ziel angekommen festzustellen, dass auch hier wieder absolut kein Reinkommen möglich ist. So aber: alles easy. Nur ein bisschen nicht so easy: Freilich ist es nicht so leicht, schnell mal eine ordentliche Genehmigung für einen spontanen Außenausschank zu organisieren. 

Dass aber die teilnehmenden Gastronomien die durchaus repräsentativen knapp 5000 Facebook-Zusagen im Vorfeld nicht ernst oder auf die leichte Schulter genommen zu haben scheinen, äußerte sich in einer geschwinden Trockenlegung des gesamten Areals. Glücklich, wer nach Gostenhof gewallfahrtet war, Getränk vom Döner und kein Problem mit Straßenlaune hatte. Unglücklich, wer davon ausging, einen wie auch immer gearteten Anspruch auf Verköstigung, Drinnen und Musik zu haben. Dabei musste man, selbst wenn man gekonnt hätte, gar nicht rein in die Konzert“hallen“, da dank geöffneter Fenster (oder fahrradgewordener Ghettoblaster) auch das Draußen wohlstbeschallt war. 

Keinerlei „Action mit der Polizei“ nimmt Gábor Bertholini als Hinweis darauf, dass „die Anwohner die Veranstaltung anscheinend geduldet haben“. Oder sich schicksalergeben gefügt, wie eben alle anderen auch. Vom spontanen aus-dem-Bierkasten-raus-Straßenverkauf im Café Regina über einen zum Bersten übervollen Palais Schaumburg, bei dem schon ein Hineingelangen in den doch gar nicht mal so kleinen Biergarten schier unmöglich war, bis hin zur vergnügten Nutznießerei verschiedenster Anlieger – man nahm’s gemeinhin fröhlich-gelassen und agierte flexibel mit der Situation. Was ja gewissermaßen sinnbildlich ist für das Kreativviertel. 

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