Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Falsche Fuffzger, bitte sehr!

Das Künstlerduo „Verwertungsgesellschaft“ will aus der kulturellen Not eine Tugend machen und legt mit dem Projekt „KünstlerNotGeld zur ARTerhaltung“ in alter Tradition eine neue Währung auf.

„Selbsterklärend“ findet Martin Droschke, was er und Kompagnon Oliver Heß sich da zur Rettung oder wenigstens Unterstützung der Zunft überlegt haben. Ist es auch, wenn man’s mal gehört hat. Und vor allem: so naheliegend. Wenn es kein Geld gibt oder eine alles verschlingende Inflation, wenn ein Krieg eine Region beutelt oder eine Krise die Wirtschaft, installieren seit vielen hundert Jahren Menschen sogenanntes „Notgeld“. Ein Geldersatz, der schon im 15. Jahrhundert als „Belagerungsschein“ in der spanischen Geschichte auftaucht und während der Hyperinflation nach dem ersten Weltkrieg wahre, ja: Blüten getrieben hat, die bis heut als Sammlerstücke gehandelt werden. Doch während ein 50 Mark-Gutschein der Städte Nürnberg und Fürth aus dem Jahre 1918 heute für 4,99 Euro zu haben sind, schwebt der Coburger Verwertungsgesellschaft ein Umtausch zum Realpreis vor, um die Kulturwirtschaft anzukurbeln: Als vor Weihnachten aus Jux und Dollerei ein falscher Zwanzger im Linolschnitt produziert war, befanden Heß und Droschke, es wär schon nett, so selber Geld zu drucken. Weil das aber ja nicht so richtig geht, befiel sie die Erinnerung und damit der Gedanke: das mit dem Notgeld, das machen wir jetzt einfach auch. Bares für Rares. Nur halt nur für Künstler. Bildende, denn der Aufruf zur klassischen „Hilfe-zur-Selbsthilfe-Aktion“ lautet wie folgt:
Entwirf einen 5er-, 20er-, 500er-Schein mit klar erkennbarem Wert, aber ohne Währung, und drucke ihn mittels handwerklicher Technik (Linol, Radierung, Siebdruck etc.) einseitig, in ungefährer Größe des realen Geldscheins und beliebiger Auflage. Gestalte individuell, signiere und nummeriere auf der Rückseite entsprechend der Auflage. Scanne ihn und maile ihn an nachricht@verwertungsgesellschaft.de. „Unser Job ist es dann nur, die Kunst-Scheine auf unserer Webseite kuenstlernotgeld.de online zu stellen, auf allen Kanälen dafür zu werben und den direkten Kontakt zu den Künstlern herzustellen, wenn sich Interessierte melden.“ Und das sollen sie tun, denn der Clou an der Aktion: Die Notgeldwerke können gegen echtes Geld entsprechend dem aufgedruckten Geldwert nicht etwa profan gekauft, sondern in Euro 1:1 getauscht werden. Mit digitaler Unterstützung der Nürnberger Kreativagentur „Die zwei.“ läuft die „Aktion zum ARTerhalt“ seit gut einer Woche online, „circa 25 Leute, teils sogar aus Berlin, haben sich schon gemeldet“, berichtet Martin Droschke vom Projekt, das „ganz groß werden oder gleich einschlafen kann“ und „im Prinzip weltweit jedem Künstler offensteht“, solang eine Serienherstellung garantiert ist. „Ich sag mal so: Wenn sich jemand findet, der Geldscheine seriell stricken kann, dann kann man das mit dem ‚drucken‘ auch interdisziplinär dynamisch handhaben.“ Dynamisch auch der Twist von Digital nach Analog: Anlässlich des „Tag der Druckkunst“ am 15. März beginnt im Künstlerhaus des KKQ die „analoge Wechselstube“ – eine Schaufensterausstellung, bei der Scheine gegen Euros eingetauscht werden können. „Es ist eine ruhige, aber ausdrucksstarke Form, um auf die aktuelle Situation von bildenden Künstlern aufmerksam zu machen“, sagt Anna Scharm, Leiterin des Künstlerhauses. „Und wir hoffen, dass sich nicht nur zahlreiche Künstler an der Aktion beteiligen, sondern dass im März dann vor allem auch viele Nürnberger neugierig sind und zum Tauschen in die Kulturinformation kommen. Es wäre schön, wenn die Künstler und Künstlerinnen dabei echte Wertschätzung bekommen.“ Wertschätzung all derer, so Droschke, die „interessiert daran sind, dass die Kunstszene lebendig bleibt.“

 

Alle Infos unter kuenstlernotgeld.de


https://www.nordbayern.de/falsche-fuffzger-bitte-sehr-1.10815192