Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Glosse

Rauf aufs Sofa - Ausgschmiert

„Wenn daf hier allef überftanden ift“, hatte vorletzte Woche mein Hirn aus dem Gefrierschrank genuschelt, so dass ich erst einmal hingehen und ihm die erneut verrutschte Erbsenpackung aus dem Mund hab zupfen müssen, „danke“, hat das Hirn sich bedankt und weiterreferiert: „Also, wenn das hier alles überstanden ist, dann schreib ich ein Buch!“ – „Aha!“, hab ich interessiert getan und dabei versucht, möglichst nicht mich zu bewegen, wegen der Energieersparnis, man möcht ja nicht versehentlich eine Kalorie verbrennen oder zwei, nicht auszudenken, man erzeugt sich selbst noch eine Hitze wenn eh die Körpersäfte mit Mühe kurz vorm Siedepunkt gehalten vor sich hin simmern, „Ein Buch also. Und wie soll das heißen?“ – „AUFGFCHMIERT!“ hat das Hirn gejubelt und ich: mühsames Lächeln, weil vom Schmieren hab ich wirklich langsam genug gehabt. Eigentlich mach ich grad seit Wochen nichts anderes, als irgendeine Sache auf mich hinaufzucremen. Aus Tuben, Tiegeln, Flaschen, Vaporisateuren kommen Cremes und Salben, Mittelchen und Wässerchen, die sind alle manchmal für, meistens gegen irgendwas – und liegen damit zwar voll im Trend, doch sind in erster Linie lästig. Na, wenn ich’s mir recht überlege, schließt das eine (dagegen) das andere (lästig) ja nicht prinzipiell aus, aber im vorliegenden Spezialfall schon. Also schmieren, schmieren, schmieren. Morgens ins Gesicht weil gegen dem UV und für das was der UV eh schon angerichtet hat, zudem auf den ausgedörrten Leib, der schwer gezeichnet ist vom Hitze-Kälte-Klimaanlagen-Stress mit Chlor und frischer Luft. Abends dann die gleiche Prozedur, nur da nicht gegen den UV sondern generelle Schadensbegrenzung, dann auf die Lippen wegen der Geschmeidigkeit, so noch vorhanden, und eine große Ladung kühlende Substanz auf prall gefüllte Unterschenkel, die wie zwei Höcker mit vollem Wasserspeicher leider unten am Kamel dranhängen und es im geschmeidigen Gang behindern statt stramm oben auf zu ragen, ich erkenne da einen Konstruktionsfehler in der menschlichen Gestalt. Dazwischen schmierst du je nach Tagesform und -plan einen LSF 50 auf den Käseleib oder literweise Mückenspray, gelegentlich auch beides, und hernach schaust du zu, wie die Melange aus Mittel, Schweiß und Straßenstaub zu einem schönen Teig eindickt und du plötzlich verstehst, warum Elefant und Rhinozerus sich den Umweg übern Drogeriemarkt sparen und gleich nur ein schönes Schlammbad nehmen. Abends bürstelst du das Erdreich ab und schon musst du wieder schmieren, weil der Säureschutzmantel. „Ich möchte nichts mehr aufschmieren!“, hab ich darum geklagt, „Man kommt doch aus dem Händewaschen gar nicht mehr heraus, seit März tu ich nichts anderes als Händewaschen und Schmieren, Händewaschen und Schmieren, das muss jetzt einmal reichen, und es reicht auch, weil wenigstens tät ich jetzt gern einmal nur noch Händewaschen ohne Schmieren, das muss doch jetzt wirklich einmal ein…“ – „AUSGSCHMIERT!“ hat da das Hirn mich zornig unterbrochen und ein, zwei letzte Erbsen ausgespuckt. „AUSGSCHMIERT werd ich’s nennen, weil dann endlich Herbst ist und die elende Einschmiererei zu Ende, Kreizbimbam!“ Da ist mir auch nichts mehr dazu eingefallen.