Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Wolfsherz - ein Garten für alle

Stell dir vor, mitten in der Stadt liegt ein fußballfeldgroßer Park und keiner geht hin … So geschehen nämlich in Gostenhof, wo zwischen Pegnitz und Parkplatz einst auf einem Hochseilgarten balanciert wurde. Rund zehn Jahre ungeliebtes Brachendasein hat das 3000 Quadratmeter große Filetstück an der Reutersbrunnenstraße hinter sich, ein Urwald, ein grüner Schatz, mitten im Beton – der jetzt geborgen wurde, um mit dem sozialen und kulturellen Engagement eines ganzen Wolfsherzes aufbereitet, poliert und an die Bürger zurückgegeben zu werden.

„Was man da nicht alles machen könnte“ hatten Silke und Phil Würzberger von der Wolfsherz gUG schon viele Jahre im Vorbeispazieren erträumt – und sich dann ihrer Devise „nicht reden, sondern machen“ ersonnen, mit der das Ehepaar schon Läden und Theaterprojekte, Open-Air-Konzerte und Spenden-Marathons realisiert und sich aktiv im Stadtteil engagiert hat. Ein Stadtteil, der nicht grad mit Spielplätzen und Grünanlagen glänzt. Das weiß Baureferent Daniel Ulrich, das weiß Markus Schwendinger vom Stadtplanungsamt: „Wir sehen einen unbedingten Bedarf an Flächen für Kinder und Jugendliche“, so der Stadtteilentwickler. Nur: Warum habt ihr denn dann nichts gemacht da draußen? Am Grundstück, sagt Schwendinger, sei man freilich interessiert gewesen – allein der Eigentümer nicht daran, es anders zu entwickeln als mit Gebäudebau. Das aber ist auf dem sogenannten „Biosphärenschutzgebiet“ nicht erlaubt. Und wenn zwei sich streiten, freut sich Silke Würzberger, denn „sie war zur richtigen Zeit da“, weiß Markus Schwendinger, überzeugte die müden Berliner vom Gartenkonzept und bekam prompt den Zuschlag. Für mindestens zwei Jahre pachtet Wolfsherz für einen, man möchte sagen: Obolus nun das Gelände und hat ein Konzept entwickelt, zu dem man Gostenhof nur gratulieren kann.

„Ein öffentlicher Nachbarschafts- und Nutzgarten für ökologische, nachhaltige und kulturelle Themen und Projekte“, versucht Silke Würzberger zusammenzufassen, was längst mit Gartenbauern, Pädagogen, Künstlern formuliert und auf drei Seiten nachzulesen ist. Da geht’s um Kräuterbeet und Ruheflächen, Sportpädagogik und Theaterworkshops, um Kooperation mit Schulen, Kitas, Förderzentren, um Kunst am Bau und Ateliers, Ferienprogramme und Konzerte, um Kooperationen aus dem gesamten soziokulturellen Apparat, so er möchte. Vor allem geht es darum, „Kinder und Jugendliche zu erreichen und zu erden“, erklärt die Theaterpädagogin und zweifache Mutter ihr Anliegen, erlebt sie doch in ihrer täglichen Arbeit, dass „die Kids zu nichts mehr Bezug haben außer zu ihrem Handy“ und es ihnen „so gut tun würde, einfach die Hände in die Erde zu stecken, einen Regenwurm zu finden oder sich auch nur um eine eigene Salatpflanze zu kümmern.“ Einen Zugang zur Umwelt, zur Natur zu vermitteln zum einen, zum anderen aber einen künstlerischen Freiraum zu bieten, in dem gestaltet, ausprobiert, gelernt und gewachsen werden kann, in dem das große soziokulturelle Netzwerk gemeinsam etwas schaffen und bewegen kann, das ist die Wolfsherz-Idee, die im Plan auch ein Bauwagen-Café, Künstlerzelte und ein Amphitheater vorsieht, „um endlich Sommertheater machen zu können.“ Alles denkbar, alles möglich unter Einhaltung der Nutzungsvorschrift, versteht sich, und „was sich mit der Grünfläche verträgt“, sagt Daniel Ulrich.

Das muss grad geprüft, ein „Bauantrag“ gestellt werden, obwohl eigentlich nichts gebaut wird, doch es gibt eine bürokratische Ordnung, die das Konzept jedoch „wohlwollend anguckt“, versichert Markus Schwendinger. Allerorten Zuversicht. „Wir packen das auf alle Fälle an“, verspricht Silke Würzberger und erzählt vom großen Ehrenamtsinvest, der seit Wochen und Monaten geleistet wird: Das verwilderte Gelände muss gebändigt, der alte Hochseilgarten ab- und umgebaut werden. Bislang geschieht das unentgeltlich und mit Spenden, doch das geht freilich nicht für immer so. Bereits jetzt „grenzt das an ungesunde Selbstaufgabe“, so Würzberger, die neben dem ideellen auch einen gewissen kommerziellen Aspekt im Auge hat. Nicht nur die Pacht muss bezahlt werden, sondern auch mindestens zwei Stellen finanziert, die den Garten zu den Öffnungszeiten betreuen, sich um anfallende Aufgaben kümmern können. Später. Jetzt erstmal: „Damit wir konkret weitermachen können brauchen wir mindestens 10 000, besser 20 000 Euro“, sagt Silke Würzberger, meint Stromanschluss, Komposttoiletten, Amphitheater, Bauwagen – und hofft nun neben den vielen Menschen, die  Förster, Permakultur-Spezialisten, Schreiner, die ihr Fachwissen und Engagement einbringen, aufs Crowdfunding: Vom 18. Dezember bis 22. Januar soll eine Startnext-Kampagne die erforderliche Summe generieren. Mindestens ebenso dringend erwartet wird die amtliche Nutzungsgenehmigung: „Wir sitzen auf glühenden Kohlen.“ Und sind dabei nicht untätig: Wer schauen, fragen, vor allem aber auch gerne mitmachen und sich einbringen mag, findet die Wolfsherzen unter der Woche, vor allem aber samstags schon vor Ort an.

 

Weitere Informationen, Konzept und Gartenplan unter https://www.startnext.com/wolfsherz-der-garten